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Vom Pastor zum Hassprediger

Die Seeländer Sektion der Partei National Orientierter Schweizer malt den «Bürgerkrieg» an die Wand. Dahinter steckt Cedric Stoller, der seit Jahren für Militanz wirbt.

Die Terroranschläge von Paris beflügelten die rechten Scharfmacher, auch im Seeland. Das Infoportal der Partei National Orientierter Schweizer PNOS warnt vor der „Invasion kulturfremder und meist islamischer Völker“ und behauptet, die Situation in Europa gerate ausser Kontrolle, ja „Bürgerkriege“ würden „kommen“. Die Frage sei nicht ob, sondern wann. Zur Abwehr empfiehlt die PNOS „den Eidgenossen, sich bereits jetzt in Bürgerwehren zusammenzuschliessen und wehrhaft zu sein“. Und jeder solle „bewaffnet sein, um sich und seine Familie verteidigen zu können.“

Einziger bekannter Aktivist der PNOS Seeland ist der 29jährige Cédric Stoller.  Auf Anfrage erklärt er, die „verräterischen Regierungen Europas“ hätten diese Situation „erschaffen.“ Stoller weiter: Der Staat möge das Gewaltmonopol besitzen. Er halte ihn „jedoch nicht für vollständig fähig, seine eigenen Bürger zu beschützen“.

Nur: Bürgerkriegsphantasien sind bei Stoller nichts Neues.  Bereits 2008 veröffentlichte er als „religiöser Führer“ (Eigeneinschätzung) einer Freikirche die Schrift „Nation unter Gott. EINE Nation – EIN Gott – EIN Kampf“. Der christliche Fundamentalist, der damals noch in der Region Baden/Brugg wohnte,  wollte mit vielen Bibelzitaten „die Notwendigkeit des christlichen Nationalismus“ belegen. Als „Hindernisse des Satans“ ortete er den „gottlosen Staat“ und den „Islam“. Als erstrebenswert empfand er es, „lieber im Kampf unterzugehen, als das Vaterland in islamischer Hand zu sehen“.

Die militante Botschaft blieb, auch wenn Stollers Angebot den Namen änderte: Von Elohim-Jugend zu Adullam Nations. Nach einem kritischen Medienbericht unter dem Titel „Christliche Gotteskrieger proben den Guerillakrieg“ verschwand der Internet-Auftritt im Sommer 2102. Und es blieb ruhig um Stoller, bis er vor rund einem Jahr als PNOS-Exponent im Seeland wieder hervortrat. Er habe „eine christliche Vergangenheit“, räumt Stoller ein, „diese lasse ich gerne hinter mir“. Wenn er auch „gewisse Werte aus dem Christentum“ für die Gesellschaft als „durchaus gesund“ erachte.

Von Miliz zum „Ahnensturm“
Schon damals blieb es nicht bei Absichtserklärungen. Als Pastor der „Adullam Nations“ posierte Stoller neben einer Vereinsfahne in Tarnanzug und Gewehr, die Hand am Abzug. Er fordert den „Aufbau des christlichen Widerstandes“ und die Schaffung von „Milizen“. Konkret: Gruppen „von ungefähr 5 Soldaten Gottes, die darauf spezialisiert ist, in der Natur zu überleben“.

Aus einer Miliz ist – soweit bekannt - nichts geworden. Anfang dieses Jahr hat Stoller nun zur Schaffung eines „Ahnensturm“ AS aufgerufen. Die AS soll als PNOS-Sicherheitsdienst „in erster Linie“ dafür sorgen, dass Parteiveranstaltungen sicher durchgeführt werden können. Bereits die ersten Aktivitäten weisen auf weitere Aufgaben, der AS erstellte als erstes das „Programm eines 24h-Überlebenskurses“. Über die genaue Ausbildung der „AS-Mitglieder“ will Stoller keine Auskunft geben.

Inzwischen hat der AS nach eigenen Angaben zwei Einsätze hinter sich. Und er hat eine Uniform. Sie wurde Mitte Oktober an die ersten Mitglieder verteilt, offenbar in einer Waldhütte. Ein Foto zeigt, neun kräftige Männer in einem schwarzen T-Shirt mit Emblem, alle eingekleidet in einheitlichen Military-Hosen. Das Bild zeige, so Stoller, den „harten Kern des AS“. Über die genaue Mitgliederzahl will er keine Auskunft geben.

Hans Stutz
Bieler Tagblatt, 11. Dezember 2015
Alle Rechte beim Verfasser.