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Mit besonderer 
Böswilligkeit gezeichnet

Ein Mann aus dem Wallis stand kurz vor seinem Comic-Zeichner-Diplom. Dann wurde er suspendiert, da er rassistische und antisemitische Cartoons verbreitete.

Er lebt im französischsprachigen Unterwallis. Er nennt sich ArtisteMalPensant, übersetzt in etwa: Bösdenkender Künstler. Er hat bereits die Rekrutenschule absolviert und steht kurz vor dem Ende der Ausbildung in einer Diplomklasse für Comics. Doch seine Diplomierung ist akut gefährdet: Innert zweier Jahre hat er rund zweihundert Karikaturen veröffentlicht, viele von ihnen sind freimaurerfeindlich, grob antisemitisch, rüde islamophob oder gegen Schwule oder Linke gerichtet. Juden stellt er als Vernichter von Nationen dar, Muslime als aggressive und unzivilisierte Eroberer. Den tödlichen Messerangriff auf einen japanischen Sozialisten bezeichnete er vor kurzem als «schöne Geste» (beau geste). Gelegentlich posiert er in einem T-Shirt, das auf der Brust ein Maschinengewehr zeigt und den Text «Verteidige das Wallis».

ArtisteMalPensants Karikaturen erreichten in rechtsextremen Accounts sozialer Medien breite Zustimmung, besonders in Frankreich. Unbeachtet blieb sein Wirken jedoch von den Westschweizer Medien wie auch den Strafverfolgungsbehörden. Auf Facebook jedoch wurde sein Account nach Benutzerhinweisen mehrmals kurzfristig gesperrt.

Von der Schule suspendiert
Vergangene Woche reagierte nun die Ecole Professionelle des Arts Contemporains in Saxon, Kanton Wallis, nachdem die Schulleitung von einer französischen Organisation informiert wurde, dass «persönliche Arbeiten» des Studenten gegen die Rassismus-Strafnorm verstossen könnten. So schreibt die Schule in einer Medienmitteilung. Nach einer Anhörung hat sie den Schüler Julien U. vorläufig vom Unterricht ausgeschlossen. Der Suspendierte seinerseits ruft per persönlichem Facebook-Account seine Unterstützer zur Beruhigung der Situation auf. Sie sollten die Presse nicht kontaktieren und sich auch nicht bei der Schule für ihn einsetzen.

Rechtsextremer Aktivist
Julien U. ist nicht nur Zeichner, sondern auch politischer Aktivist. Er ist Mitglied der rechtsextremistischen Gruppe Résistance Helvétique (RH), vor rund zwei Jahren als Renaissance Helvétique im Wallis gegründet, nun in mehreren Kantonen der Westschweiz aktiv. Gerade in diesen Tagen hat die Gruppe ihr 28-punktiges Parteiprogramm veröffentlicht. Die Westschweizer Rechtsextremisten orientieren sich an den Vorbildern der Zwischenkriegszeit. Sie wollen die politischen Parteien verbieten, die kantonalen Parlamente und den Nationalrat zu Ständekammern mit beratender Funktion umwandeln und den Bundesrat von einer Kammer wählen lassen, deren Mitglieder von den Kantonsregierungen bestimmt werden. Sie wollen Wahlwerbung untersagen, nur der Staat soll noch öffentliche Wahlversammlungen organisieren dürfen. Im Klartext: Sie streben nach einer Diktatur.

Wie bei Rechtsextremisten üblich will die RH die Wiedereinführung der Todesstrafe und der lebenslänglichen Verwahrung. Offen lässt die Partei, für welche Delikte diese Strafen ausgesprochen werden sollen. Gegen Muslime und Juden richtet sich das Importverbot für geschächtetes Fleisch. Weitgehend einschränken will die RH das Asylrecht: Nur Menschen aus benachbarten Länder sollen noch Asyl beantragen können. Und das Bürgerrecht soll nur noch durch Abstammung (Blut) oder Heirat erhältlich sein.

Hans Stutz
Tachles, 27. Mai 2016
Alle Rechte beim Verfasser.