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Besonders bösartig

Er nannte sich bis zu seiner Enttarnung Artiste Mal Pensant. Nun hat er unlängst von der Staatsanwaltschaft Wallis einen Strafbefehl wegen Rassendiskriminierung erhalten.

Die Staatsanwaltschaft sanktioniert ihn mit einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen, und einer Busse von 200 Franken, dazu kommen noch 500 Franken Verfahrenskosten.Angestossen hat das Verfahren die französische Gruppe Inglourious Basterds. Die Gruppe hatte vor rund einem Jahr das Pseudonym des Cartoonisten gelüftet: Julien Udressy, damals Student an der Ecole professionnelle des arts contemporains in Saxon/Unterwallis. Die Gruppe dokumentierte rüde antisemitische Arbeiten Mal Pensants, unerwähnt liess sie die islamophoben und schwulenfeindlichen Veröffentlichungen, die ebenfalls im Internet aufgeschaltet gewesen waren. Der Zeichner bezeichnet seine Enttarner inzwischen als „zionistische Militante“. („Zionist“ dient hier als Codewort für „jüdisch“.)

Nach der Veröffentlichung wurde der Zeichner zuerst von der Schule suspendiert und später entlassen. Auch eröffnete die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm. In ihrem Entscheid hält sie dem Verurteilten nun gezielte Angriffe auf Juden und Jüdinnen vor, er habe Angehörige der jüdischen Religion pauschal als manipulative, blutrünstige und geizige Persönlichkeiten dargestellt. Artiste Mal Pensant, verteidigt vom Anwalt und SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor, hat das Urteil akzeptiert.

Bereits vor einem Jahr erhielt der Cartoonist publizistischen Beistand. In seinem Blog „Les observateurs“ beklagte der altersradikale Rechtsaussen Uli Windisch, einst Soziologieprofessor an der Universität Genf, eine „mediale Lynchjustiz“. Nun schildert er den Verurteilten als „talentierten Jungkünstler“ und kritisiert die dreifache Sanktion: Schulentlassung, Abbruch der künstlerischen Karriere und Strafbefehl. Der verurteilte Julien Udressy hingegen beteuert in den sozialen Medien, er bereue nichts. Weiterhin ist er Aktivist der rechtsextremen Gruppe „Résistance Helvétique“. Die Walliser Tageszeitung „Le Nouvelliste“ berichtete jedoch, dass der Cartoonist noch vor kurzem am „SVP-Stamm“ in der Hauptstadt Sion gesehen worden sei. Ein weiterer Beleg für die gesellschaftliche Nähe von Rechtsextremen und bürgerlichen Rechtsaussen in der Romandie.

 

Hans Stutz
Tachles (leicht bearbeitet), 12. Mai 2017
Alle Rechte beim Verfasser.