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Langenthal an einem Samstag, Anfang Oktober. Die Partei National
Orientierter Schweizer PNOS hat zu einer Kundgebung geladen, knapp150
Personen sind gekommen, meist rechtsextreme Männer, erkennbar
an einschlägigen T-Shirts. Sie demonstrieren gegen ein geplantes
Minarett, dessen Baugesuch noch vor der Annahme der Minarettverbotsinitiative
eingereicht und das vom Regierungsrat kürzlich als rechtsmässig
anerkannt wurde. Einige Anwohner des islamischen Zentrums stellen
Grill und Festbänke in den Garten - als ob Volksfeststimmung
aufkommen sollte. Sind die Rechtsextremen in der Mitte der Gesellschaft
angekommen? Allenfalls salonfähig geworden? Vielleicht auch
nur ein bitzeli?
Anwesend in Langenthal ist auch ein Vertreter jenes Komitees, das
die Minarettverbotsinitiative lancierte. Der bibelfeste Evangelikale
und EDU-Parlamentarier, auch Exponent des lokalen Komitees gegen
den Minarettbau, ist wortreich bestrebt, sich von der rechtsextremen
Demo zu distanzieren, Trittbrettfahrer seien sie. Nur: die PNOS
war schon einmal hier, sie demonstrierte bereits einmal im Dezember
2006. Die vier Sprecher - nebst dem PNOS-Präsidenten, auch
ein Basler Schweizer Demokrat, ein Autoparteiler und ein Parteiloser,
ehemals ebenfalls Autopartei - bringen denn auch die gleichen Argumente
vor wie die Minarett-Gegner aus den Reihen der SVP und der EDU,
ausser dass der PNOS-Sprecher am Schluss der Kundgebung der islamischen
Vereinigung mit "weiteren Aktionen" droht, falls diese
das Baugesuch nicht zurückziehe. Im Klartext: Gleiches Ziel,
gleiche Argumente. Der Unterschied: Das lokale Komitee setzt auf
den Rechtsweg, die Rechtsextremen drohen mit Eskalation.
Eine solch enge Symbiose zwischen Schweizer Rechtsextremen und
xenophob motivierten Nationalkonservativen ist eine Ausnahme, auch
wenn immer wieder Nationalkonservative - vor allem SVP-Vertreter
- engagierte KämpferInnen gegen rechtsextreme Aktivitäten
zu diskreditieren versuchen. Auch wenn einzelne SVPler Rechtsextreme
als "junge Patrioten" verharmlosen. Im Ausland aber lassen
Schweizer SVP-ler weniger politische Vorsicht walten und lassen
sich auch von Rechtsextremen einladen, so unlängst Nationalrat
Oskar Freysinger, dem die flämische Vlaams Belang in der Nähe
von Brüssel einen Auftritt ermöglichte.
Sonst aber bleiben die Rechtsextremen in der Schweiz unter sich,
auch wenn sie sich durch die Diskriminierungskampagnen gegen Muslime
oder straffällige AusländerInnen bestärkt fühlen.
Allerdings ist ihnen der Elan vergangener Jahre abhanden gekommen,
vor allem Aktivitäten der internationalen Naziskin-Netzwerke
Blood and Honour und Hammerskinheads lassen sich nur noch selten
nachweisen. Auch die Schweizer Holocaust-Leugner bringen kaum noch
neue Texte oder Veranstaltungen zustande, sofern sie sich nicht
der Strafverfolgung (Rassismus-Strafnorm) entzogen und ins Ausland
geflüchtet sind. Doch verschwunden ist die Szene nicht. Im
Gegenteil sie hat sich eine interne Infrastruktur geschaffen. Sie
verfügt über CD- und Bücher-Versände, einige
regelmässig erscheinende Magazine, Szene-Musikgruppen und über
eine politische Kraft: Die PNOS. Noch während der "Schande
vom Rütli"-Kampagne (Sommer 2000) gründeten einige
Exponenten der "Blood and Honour"-Skins die Partei National
Orientierter Schweizer PNOS. Bei der Feier ihres 10-jährigen
Jubiläums (Anfang September 2010) nahmen über 200 Personen
teil, die PNOS hat seit mehreren Jahren auch einen Sitz im Parlament
von Langenthal.
Fazit: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg kann sich in der Schweiz
eine rechtsextreme Partei für längere Zeit halten, auch
wenn die Zahl der AktivistInnen klein ist und sie nur in wenigen
Kantonen präsent ist. Die rechtsextreme Szene ist nicht in
der Mitte der Gesellschaft angekommen, sie hat sich eine kleine
eigene Nische geschaffen.
Hans Stutz
Leben & Glauben, 11. November 2010
Sonntag, 11. November 2010
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