| Kaum ein Tag, an dem
in Ungarn nicht Rechtsextreme aufmarschieren. Letzten Samstag zogen
2000 Neonazis auf den Budapester Heldenplatz, um ungarischer Pfeilkreuzler-
und deutscher Waffen-SS-Verbände zu gedenken, die Ende des Zweiten
Weltkriegs gegen die Rote Armee gekämpft hatten. Die Pfeilkreuzlerbewegung
ist für die Ermordung von Tausenden von JüdInnen direkt
verantwortlich und hat die Deportation von 600 000 UngarInnen
nach Auschwitz veranlasst. Zur «Tag der Ehre»-Kundgebung
hatte eine «Bewegung für die Einheit der Heimat»
aufgerufen, ein Zusammenschluss ungarischer Skinhead-Netze. Die DemonstrantInnen
gehören zwar vorwiegend der Naziskinhead-Bewegung Blood and Honour
an, doch hielten auch dieses Jahr Vertreter der deutschen Nationaldemokratischen
Partei Reden.
Wie schon früher fuhren auch Schweizer zum Waffen-SS-Gedenken
nach Ungarn. Ein Mann in einer Jacke mit der Aufschrift «Division
88» marschierte mit einer Schweizer Fahne mit. Den Auftritt
des Fahnenträgers hatte ein Rechtsextremist aus der Ostschweiz
angekündigt. Letzterer ist gemäss eigenen Angaben «zirka
zwanzig Jahre» alt. Er verbirgt sich im Internet hinter dem
Pseudonym «Division Schweiz» und betreibt eine Website,
auf der er seit über zwei Jahren Videoclips von einschlägigen
Kundgebungen und Konzerten veröffentlicht. Bereits am Montagnachmittag
stellt «Division Schweiz» einen Film über die Demo
ins Netz. «Die Hauptstadt Ungarns, Budapest, gehörte
uns!», schreibt er dazu in einem Forumsbeitrag.
Hans Stutz
Die Wochenzeitung WOZ, 14. Februar 2008
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