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Die Rassismus-Strafnorm ist vorerst
nicht gefährdet; der Versuch rechtsgerichteter Kreise, diese
mit einer Initiative abzuschaffen, ist gescheitert.
Am Wochenende meldete die Zeitung "Sonntag", die Rassismus-Strafnorm
werde wohl nicht abgeschafft. Die Initianten des Volksbegehren "Für
freie Meinungsäusserung - weg mit dem Maulkorb" hätten
erst einen Drittel der nötigen 100'000 Unterschriften zusammen
und die Sammelfrist laufe Anfang Februar ab. Zwar habe der ehemalige
Berner SD-Nationalrat Bernhard Hess die Zahl nicht bestätigen
wollen. Gegenüber tachles erklärt Hess am Montag: "Rund
70'000 Unterschriften sind vorhanden, aber sie sind noch nicht beglaubigt".
Sie stammen vor allem aus dem Umfeld der Initianten selbst, nämlich
der Schweizer Demokraten, der Freiheitspartei und der Lega del Ticinesi.
Wie auch immer: Die Initiative ist damit gescheitert, ausser es
geschieht noch ein Wunder. Das sieht auch Hess: "Ich kann die
Leute nicht nochmals mobilisieren", auch wegen des anstehenden
Abstimmungskampfes um die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit
auf Bulgarien und Rumänien. Hess muss aber auch eingestehen:
Die Rassismus-Strafnorm habe die SD-Leute zu wenig mobilisieren
können.
Auslöser für die nun gescheiterte Volksinitiative war
Blochers Erklärung Anfang Oktober 2006 in der Türkei,
die Rassismus-Strafnorm bereite ihm "Bauchweh". Er hatte
damit seinen türkischen Gastgebern gefallen, die den Völkermord
an den Armeniern nicht anerkennen. Schon zwei Tage später reichte
Bernhard Hess, damals noch einziger Nationalrat der Schweizer Demokraten,
eine parlamentarische Initiative ein, diese ist erst vor kurzem
von der zuständigen Parlamentskommission mehrheitlich zur Ablehnung
empfohlen worden. Gemäss der Medienmitteilung ist die Mehrheit
der Ansicht, dass "diese Bestimmung gerechtfertigt ist: sie
schützt die Würde der durch Rassendiskriminierung betroffenen
Personen, indem sie solche Diskriminierungen in der Öffentlichkeit
als strafbar erklärt."
Neben seiner Parlamentarischen Initiative stellte Hess - zusammen
mit weiteren Exponenten rechts der SVP - die Volksinitiative "Für
freie Meinungsäusserung" auf die Beine. Bei der Lancierung
erklärten die Initianten auch, das Volksbegehren diene auch
als "Druckmittel gegenüber Justizminister Christoph Blocher,
die angekündigten Änderungen der Rassismus-Strafnorm wirklich
wahr zu machen". Das Ergebnis ist für die Rechtsaussen-Nationalisten
ein Desaster: Blocher ist nicht mehr Bundesrat, Hess nicht mehr
Nationalrat und die Initiative kommt auch nicht zustande.
Hans Stutz
Tachles, 12. Dezember 2008
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