20071996
    Der antisemitische Redner
 
 

Die rechtsextreme Partei PNOS lädt den österreichischen Antisemiten Richard Melisch zu ihrem Parteitag.

Am kommenden Sonntag, den 2. November lädt die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) Anhänger und Sympathisanten zum Parteitag in den Kanton Luzern. So steht es in einem Einladungsschreiben, das tachles vorliegt. Treffpunkt ist der Festhallenparkplatz in Sempach, ab 10 Uhr morgens. Wie bei rechtsextremen Zusammenkünften üblich, werden die Ankommenden von dort erst zum eigentlichen Tagungsort weitergeleitet. Die Besucher werden sich - wie bei einer SVP-Veranstaltung - an einem reichhaltigen "Buurezmorge" versorgen können. Interessierte erhalten aber auch Lesestoff, da gemäss Einladung "verschiedene Anbieter von nationaler Literatur" anwesend sein werden.

Die Rechtsextremen werden sich bestärkt fühlen. Am vergangenen Wochenende konnte die PNOS in Langenthal ihren Sitz im Gemeindeparlament verteidigen. Anstelle des nicht mehr angetretenen Strassenbauers Tobias Hirschi wurde der 2l-jährige Chemikant Timotheus Winzenried gewählt. Wie bereits vor vier Jahren wurde der PNOS-Gewinn durch die tiefe Wahlbeteiligung (rund 35 Prozent) erleichtert. Die Rechtsextremen konnten damit ihr Wahlziel erreichen. In vierJahren streben sie einen zweiten Sitz im 4O-köpfigen Parlament an. Im Wahlkampf hatte die PNOS unter anderem die Einführung von Schuluniformen gefordert und sich gegen Minarette ausgesprochen.

Am Parteitag werden die Angereisten neben Reden von Parteiexponenten auch einen Vortrag des Antisemiten Richard Melisch hören. Der 74-jährige Österreicher, der jahrzehntelang für österreichische Firmen in Libanon und den Golfstaaten Dubai und Kuwait tätig war, ist in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Redner in der deutschsprachigen Rechtsextremistenszene geworden. In Deutschland tritt er regelmässig bei NPD-Sektionen auf und in der Schweiz sprach er in den vergangenen Jahren bereits bei der völkisch-heidnischen Avalon-Gemeinschaft und bei der PNOS-Sektion Willisau. Melisch wird sich über die Globalisierung auslassen, die gemäss seiner Einschätzung das Werk von Geheimbünden sein soll. Diese sollen die Gleichschaltung aller Länder dieser Erde und natürlich auch die Rassenvermischung anstreben. Im Klartext: Verschwörungsphantasien mit den üblichen Verdächtigen, den Freimaurern und den Juden.

Hans Stutz
Tachles, 31. Oktober 2008
Alle Rechte beim Verfasser.

P.S. Nach dem Vortrag veröffentlicht die PNOS-Sektion Willisau auf ihrer Homepage eine Stellungsnahme Melischs zum Vorwurf, er sei Antisemit. Melisch kontert mit dem rassistisch inspirierten Feststellung, er schätze "sich glücklich, unter sogenannten 'Semiten', also Juden und Arabern, zahlreiche Freunde und Bekannte" zu haben. Schliesslich habe er "mehr als fünzig Jahre, davon dreissig Jahre im Nahen Osten" gelebt und mit ihnen gearbeitet. Melisch schreibt damit aber auch am Thema vorbei, der Begriff "Antisemtismus" wurde um 1880 erstmals vom deutschen Journalisten Wilhelm Marr verwendet. Dieser behauptete, es gebe seit der Französischen Revolution einen kulturellen Krieg zwischen zwei Rassen, nämlich den Germanen und den Juden. Der Begriff ist geschaffen worden, "um die Form einer sich wissenschaftlich verstehenden und säkular begründeten Ablehnung von Juden von der alten, nur emotionalen und religiösen Antipathie abzuheben". (Werner Bergmann, Geschichte de Antisemitismus, München 2002, S. 6)

Die PNOS-Sektion Willisau sorgt dann noch für erhellende Aufklärung, in eigener Sache. Am folgenden Tag ereifert sie sich auf ihrer Homepage über die Frage "Obama - Ein Schwarzer?". Der kurze Text endet: "Egal ob in Amerika ein Weisser, ein Schwarzer, ein Latino, ein Chinese oder sonst jemand Präsident wird. Gewisse Kreise und Lobbyisten im Hintergrund bestimmen die amerikanische Politik und der Präsident ist ihre Marionette." Auch Obama sei "von diesen Kreisen" bereits auf 'Kurs' gebracht worden, dies beweise Obamas Aussage: "Es gibt keine grössere Bedrohung für Israel als den Iran ... und mein Ziel wird es sein, diese Bedrohung auszuschalten". Illustriert ist der Text mit einem Bild von Barack Obama, der eine Kippa auf dem Kopf tragend einen Zettel in die Klagemauer steckt. Im Klartext: Verschwörungsphantasien mit den üblichen Verdächtigen, diesmal wieder einmal den Juden.