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Die rechtsextreme Partei PNOS lädt
den österreichischen Antisemiten Richard Melisch zu ihrem Parteitag.
Am kommenden Sonntag, den 2. November lädt
die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) Anhänger
und Sympathisanten zum Parteitag in den Kanton Luzern. So steht
es in einem Einladungsschreiben, das tachles vorliegt. Treffpunkt
ist der Festhallenparkplatz in Sempach, ab 10 Uhr morgens. Wie bei
rechtsextremen Zusammenkünften üblich, werden die Ankommenden
von dort erst zum eigentlichen Tagungsort weitergeleitet. Die Besucher
werden sich - wie bei einer SVP-Veranstaltung - an einem reichhaltigen
"Buurezmorge" versorgen können. Interessierte erhalten
aber auch Lesestoff, da gemäss Einladung "verschiedene
Anbieter von nationaler Literatur" anwesend sein werden.
Die Rechtsextremen werden sich bestärkt fühlen. Am vergangenen
Wochenende konnte die PNOS in Langenthal ihren Sitz im Gemeindeparlament
verteidigen. Anstelle des nicht mehr angetretenen Strassenbauers
Tobias Hirschi wurde der 2l-jährige Chemikant Timotheus Winzenried
gewählt. Wie bereits vor vier Jahren wurde der PNOS-Gewinn
durch die tiefe Wahlbeteiligung (rund 35 Prozent) erleichtert. Die
Rechtsextremen konnten damit ihr Wahlziel erreichen. In vierJahren
streben sie einen zweiten Sitz im 4O-köpfigen Parlament an.
Im Wahlkampf hatte die PNOS unter anderem die Einführung von
Schuluniformen gefordert und sich gegen Minarette ausgesprochen.
Am Parteitag werden die Angereisten neben Reden von Parteiexponenten
auch einen Vortrag des Antisemiten Richard Melisch hören. Der
74-jährige Österreicher, der jahrzehntelang für österreichische
Firmen in Libanon und den Golfstaaten Dubai und Kuwait tätig
war, ist in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Redner in
der deutschsprachigen Rechtsextremistenszene geworden. In Deutschland
tritt er regelmässig bei NPD-Sektionen auf und in der Schweiz
sprach er in den vergangenen Jahren bereits bei der völkisch-heidnischen
Avalon-Gemeinschaft und bei der PNOS-Sektion Willisau. Melisch wird
sich über die Globalisierung auslassen, die gemäss seiner
Einschätzung das Werk von Geheimbünden sein soll. Diese
sollen die Gleichschaltung aller Länder dieser Erde und natürlich
auch die Rassenvermischung anstreben. Im Klartext: Verschwörungsphantasien
mit den üblichen Verdächtigen, den Freimaurern und den
Juden.
Hans Stutz
Tachles, 31. Oktober 2008
Alle Rechte beim Verfasser.
P.S. Nach dem Vortrag veröffentlicht die PNOS-Sektion Willisau
auf ihrer Homepage eine Stellungsnahme Melischs zum Vorwurf, er
sei Antisemit. Melisch kontert mit dem rassistisch inspirierten
Feststellung, er schätze "sich glücklich, unter sogenannten
'Semiten', also Juden und Arabern, zahlreiche Freunde und Bekannte"
zu haben. Schliesslich habe er "mehr als fünzig Jahre,
davon dreissig Jahre im Nahen Osten" gelebt und mit ihnen gearbeitet.
Melisch schreibt damit aber auch am Thema vorbei, der Begriff "Antisemtismus"
wurde um 1880 erstmals vom deutschen Journalisten Wilhelm Marr verwendet.
Dieser behauptete, es gebe seit der Französischen Revolution
einen kulturellen Krieg zwischen zwei Rassen, nämlich den Germanen
und den Juden. Der Begriff ist geschaffen worden, "um die Form
einer sich wissenschaftlich verstehenden und säkular begründeten
Ablehnung von Juden von der alten, nur emotionalen und religiösen
Antipathie abzuheben". (Werner Bergmann, Geschichte de Antisemitismus,
München 2002, S. 6)
Die PNOS-Sektion Willisau sorgt dann noch für erhellende Aufklärung,
in eigener Sache. Am folgenden Tag ereifert sie sich auf ihrer Homepage
über die Frage "Obama - Ein Schwarzer?". Der kurze
Text endet: "Egal ob in Amerika ein Weisser, ein Schwarzer,
ein Latino, ein Chinese oder sonst jemand Präsident wird. Gewisse
Kreise und Lobbyisten im Hintergrund bestimmen die amerikanische
Politik und der Präsident ist ihre Marionette." Auch Obama
sei "von diesen Kreisen" bereits auf 'Kurs' gebracht worden,
dies beweise Obamas Aussage: "Es gibt keine grössere Bedrohung
für Israel als den Iran ... und mein Ziel wird es sein, diese
Bedrohung auszuschalten". Illustriert ist der Text mit einem
Bild von Barack Obama, der eine Kippa auf dem Kopf tragend einen
Zettel in die Klagemauer steckt. Im Klartext: Verschwörungsphantasien
mit den üblichen Verdächtigen, diesmal wieder einmal den
Juden.
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