| Gerade einmal 48 StimmbürgerInnen
haben am Wochenende in Langenthal eine unveränderte Liste der
rechtsextremistischen Partei National Orientierter Schweizer (Pnos)
in die Urne gelegt. Doch deren einziger Kandidat, der 21-jährige
Timotheus Winzenried, ist gewählt worden. Wie war das möglich?
9622 Männer und Frauen wären stimmberechtigt gewesen,
doch nur gerade 36,1 Prozent beteiligten sich an den städtischen
Parlamentswahlen. Der Pnos-WählerInnenanteil betrug wie vor
vier Jahren rund 2,4 Prozent. Neben den 48 ListenwählerInnen
- vor vier Jahren waren es 36 gewesen - haben 39 Personen eine
veränderte Pnos-Liste eingeworfen (2004: 59). Der harte Pnos-Kern
ist also in etwa stabil geblieben. «Der Bund» hat es
am Mittwoch vorgerechnet: Erstens: Die Pnos hätte ihren
Sitz auch ohne Panaschierstimmen gewonnen. Zweitens: Hätten
Grüne und SP sechzig Leute mehr mobilisiert, hätten
die Rechts- textremistInnen ihren Sitz verloren.
Langenthaler PolitkerInnen verkündeten vor den Wahlen, dass
die Pnos ihren Sitz ebenso klanglos verlieren würde, wie ihr
bisheriger Vertreter Tobias Hirschi politisiert habe. Sie hätten
es besser wissen können: In der Region Oberaargau/Emmental
hat sich eine rechtsextreme Subkultur installiert, deren politischer
Arm die Pnos ist. Zur Subkultur zählen die Pnos-Umfeldorganisation
Helvetische Jugend, die Musiker der Band Indiziert und der Buchvertrieb
Neue Zeitwende in Aefligen bei Burgdorf, betrieben vom Avalon-Primus
Adrian Segessenmann. In den vergangenen Jahren fanden mehrmals einschlägige
Konzerte statt. Kurzzeitig bestanden von der Szene betriebene Treffpunkte.
Das ist das Reservoir, aus dem die rechtsextreme Partei schöpfen
kann. Vielleicht auch in vier Jahren: Die Pnos hat schon vor den
Wahlen angekündigt, dass sie 2012 einen zweiten Sitz gewinnen
will.
Hans Stutz
Die Wochenzeitung WOZ, 30. Oktober 2008
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