Seit
rund einem Jahr sind in der Region Genf junge Neonazis aktiv. Ende
Juli wagten sie den Sprung ins Netz, doch nach einigen Medienberichten
verschwindet die Homepage wieder.
Vergangene Woche meldete die Westschweizer Organisation CICAD (Coordination
Intercommunautaire contre l'Antisémitisme et la Diffamation):
"Eine neue Schweizer Neonazi-Gruppe" habe eine antisemitische
Internet-Site lanciert. So neu ist diese Gruppe Nationaux Socialistes
Suisses NSS allerdings auch wieder nicht. Bereits im September vergangenen
Jahres organisierten die NSS einen Gedenkabend für Jan Stuart,
den englischen Gründer des internationalen Naziskin-Netzwerkes
Blood and Honour. Der Aufmarsch hielt sich anscheinend in Grenzen:
Fotos zeigen vier junge Menschen, die hinter einem Grabkranz mit
Kerzen stehen und die rechte Hand zum Hitlergruss heben. Die Bilder
erschienen in der ersten Nummer der NSS-Schrift "Wotan's Krieger",
von der in der Zwischenzeit zwei Ausgaben publiziert worden sind.
Die beiden Hefte, die Tachles vorliegen, dokumentieren die aussergewöhnlich
radikalen nationalsozialistischen Ansichten der Gruppe: die NSS
will Judentum, Christentum und Islam aus Europa vertreiben, da das
Heidentum die "wahre Religion Europas" sei. Weiter propagieren
die NSS-Leute, alle "nichtweissen" Ausländer seien
auszuweisen. Die zweite Nummer ist einem "Kameraden Björn"
gewidmet, der "ungerechterweise wegen unseren Ideen eingesperrt"
sei. Unklar ist noch, warum dieses "wichtige NSS-Mitglied"
eine Strafe absitzen muss. Klar ist hingegen, dass die NSS-Mitglieder
eine Vorliebe für Waffen haben, ein Videofilm, der im Frühjahr
für kurze Zeit auf you tube zugänglich war, zeigt NSS-Leute
beim Schiesstraining und beim Posieren mit Gewehren.
Ende Juli stellte die NSS nun ihre bereits Ende vergangenen Jahres
angekündigte Homepage ins Netz. Ihre Bewegung sei eine Vereinigung
junger Schweizer, Bewunderer des "Grossen Europas, das 1945
in die spitzen Finger der Goldstein und Levys gefallen" sei.
Der Text enthält neben rüden antisemitischen Aussagen
auch üble antimuslimische und rassistische Bemerkungen, insbesondere
gegen Menschen aus Afrika, diese seien "Parasiten". Der
Text endet mit einem Aufruf an "junge Weisse" sich der
NSS anzuschliessen und der Ankündigung, sie würden "einen
Krieg vorbereiten", gegen diese "Horden Hergelaufener
arabo-musulmerdes" und gegen das "Internationale Judentum".
Nach mehreren Medienberichten, ausgelöst durch das CICAD-Comminiqué,
nehmen die Westschweizer Neonazis die Site wieder vom Netz. Wieder
einmal zeigt es sich, dass Rechtsextremisten dem Druck öffentlicher
Beobachtung schnell nachgeben, und dies vor allem dann, wenn sie
eine Strafverfolgung wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm
fürchten müssen.
Hans Stutz
Tachles, 29. August 2008
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