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Der Lausanner Gaston Armand Amaudruz, inzwischen
87jährig, agitiert seit Jahrzehnten in rechtsextremistischen
Zusammenhängen. Im Mai erschien die 500. Nummer seines Blättchens
"Courrier du Continent".
Das Schlimmste für die weissen Völker wäre der Tod
durch Fäulnis, die sich schon seit langem eingenistet habe
- mit dieser ebenso rassistischen wie pessimistischen Bemerkung
endet Gaston Armand Amaudruz seinen Schlusskommentar in der Nummer
500 seines Blättchens "Courrier du Continent". Aber
zuerst beschäftigte sich der Lausanner Altnazi mit dem "politischen
Beben", dass die Schweiz erschüttere, da den Leuten die
"Schweinetour" (tour de cochon) gegen die SVP überhaupt
nicht behage. Doch der Kritik an den SVP-Kritikern folgt umgehend
die Kritik an Christoph Blocher, verbunden mit dem Vorurteil über
die jüdische Geheimmacht. Blocher sei, so Amaudruz, ja nach
seiner Kritik an der Rassismus-Strafnorm von jüdischen Organisationen
kritisiert worden sei und folglich habe dessen Abwahl nicht mehr
überrascht. Amaudruz schliesst daraus, dass Blocher nun die
Volksinitiative der Schweizer Demokraten SD für die Abschaffung
der Rassismus-Strafnorm unterstützen müsse. Quasi als
Busse für einen alten Fehler. Amaudruz seinerseits setzt sein
ambivalentes Verhältnis fort. Noch immer wirft er dem SVP-Primus
vor, dass dieser 1994 durch seine JA-Parole die Annahme der ungeliebten
Strafnorm erst ermöglicht habe. Dabei hatte Amaudruz schon
1989 einige Hoffnungen in Blocher gesteckt: "Endlich ein Systempolitiker,
der die Augen aufmacht."
Das Blättchen "Courrier du continent" erschien erstmals
1946. Anfang der 1950er-Jahre übernahm Amaudruz das Heft und
amtete fortan an Redaktor und Verleger, nachdem er bereits 1941
erstmals als Nazi aufgetreten war. Während Jahrzehnten war
"Courrier du Continent" das offizielle Organ der Nouvelle
Ordre Européen NOE, einer rassistischen Kleinorganisation,
zu deren wichtigsten Exponenten Amaudruz selbst gehörte. Das
Blatt umfasst jeweils zwölf Seiten und wird an einige hundert
Adressen versandt. Der Inhalt bleibt seit Jahren gleich, in einem
ersten Teil "Bloc-Notes" veröffentlicht Amaudruz
Zitate aus Zeitungen, gelegentlich mit hämischen Kurzkommentaren
versehen. Die "Bloc-Notes" bringen auch Hinweise (samt
Bezugsadressen) auf neu erschienene rechtsextremistische Hefte und
Bücher, das Heft leistet daher Vernetzungsarbeit. Dazu kommen
regelmässige Rubriken wie "Kriminalität" oder
"Lois-Baillons" (Knebel-Gesetze) - wie Amaudruz Strafartikel
gegen Rassismus und Holoacaust-Leugnung zu nennen beliebt. "Courrier
du Continent" publiziert weiter Texte von MitarbeiterInnen,
wie beispielsweise des italienischen Anwaltes Edoardo Longo, der
über einen Prozess gegen Mitglieder einer italienischen Naziskinhead-Organisation
berichtet, bei dem er als Verteidiger auftrat. Andere Mitarbeiter
argumentieren eher auf Stammtische-Ebene: In der Jubiläumsnummer
ereifert sich Yann Woltering" über die Niederlage der
Schweizer Fussballmannschaft gegen Deutschland (0:4). Aber das sei
ja auch kein Wunder, meint er, seien doch neun Spieler eingebürgert
worden. Nicht nur in dieser Domäne sei die "systematische
ethnische Zerstörung" der Schweiz offensichtlich.
Amaudruz, der bis zum Inkrafttreten der Rassismus-Strafnorm selbst
einschlägige Literatur vertrieben hat, berichtet regelmässig
über Prozesse gegen Holocaust-Leugner. Diese verschwindend
kleine Minderheit, so lobt der Altnazi, würde "sich grössten
Gefahren aussetzen", dies im Bestreben "Gerechtigkeit
dem Deutschen Volk" anzugedeihen zu lassen, und dies wegen
dem "grössten Verbrechen, das es nie gegeben habe".
Damit verletzt Amaudruz auch in der Jubiläumsnummer die Rassismus-Strafnorm.
Zwar ist eine solche Widerhandlung ein Offizialdelikt, doch die
Strafverfolgungsbehörden werden erst nach entsprechenden Anzeigen
von zivilgesellschaftlichen Akteuren aktiv. Amaudruz ist bereits
zweimal wegen Holocaust-Leugnung verurteilt worden. Aus ersehnten
öffentlichkeitswirksamen Solidaritätsaktionen wurde allerdings
nichts. In seinem Heft bemüht sich Amaudruz allerdings weiter
um Solidarisierung. In der Jubiläumsnummer macht er bekannt,
dass sich für einen verurteilten französischen Holocaust-Leugner
ein Unterstützungskomitee gebildet habe, erreichbar über
eine einschlägig bekannte Postfachadresse in Montreux.
Das Heftchen "Courrier du Continent" hat zwar nur eine
kleine Auflage, wohl irgendwo zwischen 300 und 500 Exemplaren. Aber
auch die 500. Ausgabe will am internationalen Netz für Rassisten,
Rechtsextremisten und Holocaust-Leugnern weiterweben, wohl solange
bis dem bald 88jährigen die Kräfte versagen.
Hans Stutz
Tachles, 26. Juni 2008
Alle Rechte beim Verfasser.
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