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Rechtsextremismus in der Schweiz im Jahr
2007
"Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und
bleiben es" - dieser Grundgedanke der Menschenrechte wurde
seit deren Deklaration 1789 immer wieder in Frage gestellt, zuerst
durch die ihrer Privilegien entbundenen Aristokraten/Patrizier,
später durch einen teils modernisierten, teils grob-reaktionären
Konservatismus, in dessen Schatten sich eine antidemokratische Rechte
organisierte . Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg entstehen
in allen europäischen Ländern Bewegungen und Parteien.
Sie sind nationalistisch, antidemokratisch, antisozialistisch, antisemitisch
und antimodernistisch, ihre Organisationen sind autoritär,
meist auf einen Führer ausgerichtet. Sie wollen den freiheitlichen
Staat mit den Utopien der Französischen Revolution von Freiheit,
Gleichheit und Brüderlichkeit mindestens einschränken
wenn nicht ausradieren, die individuellen und politischen Rechte
der Bürger und Bürgerinnen mindestens beschränken
wenn nicht abschaffen, und sie streben eine Diktatur oder mindestens
eine autoritäre Demokratie an. Konkret heisst dies: Entmachtung
der Parlamente und Stärkung der Machtbefugnisse der Exekutive,
die durch einen einzigen Mann repräsentiert werden soll. Die
Einschränkung der demokratischen Rechte richtet sich besonders
gegen kommunistische beziehungsweise sozialistische Organisationen,
denen die Rechtsextremen Internationalismus vorwerfen. Die Angriffe
gegen linke Organisationen und Personen verbinden sie oft mit antisemitischer
Hetze, da - gemäss den bei Rechtsextremen beliebten Verschwörungsfantasien
- "das jüdische und freimaurerische Element auch führend
im Weltkapitalismus und im Weltbolschewismus" sei.
Die meisten der rechtsextremen Organisationen schliessen Menschen
jüdischen Glaubens als Mitglieder aus, ebenso Menschen, die
einer "Geheimorganisation", zum Beispiel einer Freimaurerloge,
angehören. Die bedeutendsten Organisationen der Epoche sind
in Deutschland die Nationalsozialistische Arbeiterpartei NSDAP unter
Adolf Hitler, in Italien die Faschistische Partei unter Benito Mussolini.
Aber auch in Ländern, in denen Rechtsextreme nicht an die Macht
gelangten, bestehen einschlägige Organisationen, beispielsweise
in Ungarn die Pfeilkreuzler, in Rumänien die Schwarze Legion
und in der Schweiz die Fronten, als grösste die Nationale Front.
Was ist "Rechtsextremismus"?
Wie andere gesellschaftliche oder politische Begriffe lässt
sich auch der Begriff "Rechtsextremismus" nicht naturwissenschaftlich
genau definieren.
Unter Rechtsextremismus versteht man - gemäss der vielfach
genutzten Definition von Wilhelm Heitmeyer - eine politische Richtung,
die die Ideologie der Ungleichheit mit der Ideologie der Gewalt
vereinigt . Die Ideologie der Gewalt zeigt sich in vier eskalierenden
Stufen von der Überzeugung unabänderlicher Existenz von
Gewalt (zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen) über
die Billigung fremd ausgeübter privater bzw. repressiver staatlicher
Gewalt und über die eigene Gewaltbereitschaft bis hin zur tatsächlichen
Gewalttätigkeit. Die Ideologie der Ungleichheit ist einerseits
personen- und gruppierungsbezogen und auf Abwertung ausgerichtet,
andererseits lebenslagenbezogen und auf Ausgrenzung zielend. Die
Abwertung zeigt sich in nationalistischer bzw. völkischer Selbstüberschätzung,
rassistischer Einordnung, eugenischer Unterscheidung von lebenswertem
und -unwertem Leben, soziobiologischer Behauptung von natürlichen
Hierarchien, sozialdarwinistischer Betonung des Rechts des Stärkeren,
totalitärem Normenverständnis im Hinblick auf Abwertung
des Anderssein' sowie Betonung von Homogenität und kultureller
Differenz. Die Ausgrenzung zielt auf soziale, ökonomische,
kulturelle, rechtliche und politische Ungleichbehandlung von Fremden
und Anderen'.
Als fremd' beziehungsweise anders' werden dabei missliebige
Teile der Gesellschaft angesehen, zur Zeit beispielsweise Punks,
ExponentInnen der Antifa, Homosexuelle und Lesben, Behinderte, Obdachlose,
Jüdinnen und Juden, Muslima und Muslime, Männer und Frauen
schwarzer Hautfarbe - unabhängig von der Staatsangehörigkeit.
Eine ähnliche Rechtsextremismus-Definition verwenden Urs Altermatt/Damir
Skenderovic, gestützt auf den deutschen Politologen Hans-Gerd
Jaschke: Unter Rechtsextremismus summieren sie "die Gesamtheit
von Einstellungen, Verhaltensweisen und Aktionen, organisiert oder
nicht, die von der rassisch oder ethnisch bedingten sozialen Ungleichheit
der Menschen ausgehen, nach ethnischer Homogenität von Völkern
verlangen und das Gleichheitsgebot der Menschenrechts-Deklarationen
ablehnen, die den Vorrang der Gemeinschaft vor dem Individuum betonen,
von der Unterordnung des Bürgers unter die Staatsräson
ausgehen und die den Wertepluralismus einer liberalen Demokratie
ablehnen und Demokratisierung rückgängig machen wollen."
Rechtsextremismus enthält Bausteine, die bei den verschiedenen
Strömungen, Gruppierungen und Tendenzen in unterschiedlichen
Ausformungen vorkommen; Bausteine, die oft nur teilweise oder in
unterschiedlicher Kombination und Ausprägung auftreten:
1) Aggressiver Nationalismus und/oder Ethnozentrismus, die sich
in Xenophobie und Ausländerfeindlichkeit ausdrücken.
2) Rassismus, der auf eine biologistische Weltsicht aufbaut und/oder
eine ethnisch-kulturell diskriminierende Ausgrenzung anderer Menschen
betreibt.
3) Antisemitismus, der sich in offener oder versteckter Judenfeindlichkeit
und in der Verharmlosung oder Leugnung der nationalsozialistischen
Verbrechen äussert.
4) Autoritarismus, der mit der Forderung nach einem starken Staat
und einer Führerfigur verbunden ist.
5) Antiegalitäres Gesellschaftsverständnis, das die natürlich-organische
Gliederung und hierarchische Ordnung hervorhebt.
6) Betonung der Volksgemeinschaft, die auf einer kulturellen, ethnischen
und sozialen Homogenität aufbaut.
7) Antipluralistisches Politik- und Gesellschaftsverständnis,
das den demokratischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen
misstraut.
8) Gewaltakzeptanz, die in sozialen und politischen Konflikten
zum Ausdruck kommt.
9) Demagogischer Stil, der sich in aggressiver Sprache und der
Verunglimpfung des Gegners zeigt.
10) Absoluter Wahrheitsanspruch, der gesellschaftliche Toleranz
verunmöglicht .
Der militärische Zusammenbruch des Dritten Reiches und die
Aufdeckung der Verbrechen des Naziregimes machen Rechtsextremismus
in den folgenden Jahrzehnten in den meisten Ländern politisch
unmöglich. Zwar gab es seit Ende der 1940er Jahre in der Schweiz
vereinzelte Bestrebungen von unbelehrbaren Nationalsozialisten/Faschisten,
beispielsweise des Lausanners Gaston-Armand Amaudruz . Doch erst
seit Mitte der 1980er Jahre bildete sich in der Schweiz allmählich
eine rechtsextremistische Subkultur mit einem ersten Höhepunkt'
im "Kleinen Frontenfrühling" von 1989 . Die zahlenmässig
stärkste Teilgruppe waren und sind die Skinheads', genauer
die Nazi-Skinheads, die sich zwar nur schwer in politischen Strukturen
organisieren lassen, doch die einschlägige Ideologie in einem
subkulturellen Milieu vor allem auch durch Veranstaltungen, insbesondere
Konzerte pflegen. Es waren immer wieder Naziskinheads, die in den
vergangenen fünfzehn Jahren als Täter von Brandanschlägen
auf Asylbewerber-Unterkünfte, Angriffen auf missliebige Personen
und einschlägigen propagandistischen Akten überführt
werden konnten. Der Täter-Ideologie folgten also entsprechende
Taten.
Im Schatten des nationalkonservativen Lagers hat sich seit 1985
eine marginale, jedoch wellenförmig wachsende rechtsextremistische
Subkultur etabliert, die vorwiegend aus jungen männlichen Erwachsenen,
konkret aus Naziskinheads und "Patrioten" besteht, aber
auch aus wenigen Holocaust-Leugnern, aus Aktivisten in politischen
Projekten und Militanten in kulturell-politischen Organisationen
und Einzelprojekten, die durch ideologische Arbeiten die rechtsextremistische
Szene vorantreiben wollen. Wie hat sich diese rechtsextremistische
Szene im Jahr 2007 entwickelt?
Naziskinheads und "Patrioten"
- Rechtsextremistische Jugend-Subkulturen
Der zahlenmässig grösste Teil der Schweizer Rechtsextremen
trifft sich in subkulturellen Strukturen, vorwiegend als Naziskins,
selten als NS-Heavy-Meral oder bei Gothic-Darkwave . Daneben existieren
organisatorisch schwach strukturierte Gruppen oder Cliquen von "Patrioten",
sie sind eher Milieu denn Szene. Die "Patrioten" vertreten
einen militanten Nationalismus, aggressive Ablehnung von missliebigen
Ausländergruppen (zum Beispiel Männer aus den verschiedenen
Ländern des ehemaligen Jugoslawiens, Menschen aus Afrika und
Asien) wie auch von linken Schweizern. Die Übergänge dieses
Milieus einerseits zu den rassistischen Naziskins, andererseits
auch zu nationalkonservativen Gruppen und Parteien sind fliessend.
Die Jugend-Subkultur "Skinheads" entstand Ende der 60er
Jahre in Grossbritannien, ihr gehörten vorwiegend männliche
Jugendliche aus dem Arbeitermilieu an. Skinheads waren Fussball
und Alkohol zugetan und liebten Ska, die Musik jamaikanischer MigrantInnen.
Sie suchten den Kitzel einer gelegentlichen Randale, sie waren gegen
langhaarige Jugendliche, insbesondere Hippies, und auch gegen indischstämmige
Einwanderer, jedoch noch nicht explizit rechtsextremistisch oder
neonazistisch . Erst Anfang der 80er Jahre, als die beiden britischen
Faschistenparteien National Front und British National Party versuchten,
in den Fussballstadien Mitglieder anzuwerben, bildete sich eine
Naziskin-Bewegung aus. In der Schweiz tauchten erste rechtsextremistische
Skinheads Anfang der 80er Jahre in Zürich auf, vielfach im
Umfeld von militanten Fussballfans/Hooligans, damals insbesondere
der "Hardturmfront".
Seit mehreren Jahren bewegen sich Schweizer Naziskins meist in
lokal oder regional verankerten Gruppen oder Cliquen, die weder
eine formelle Führung noch einen Namen haben. Naziskins sind
vielfach 15 bis 25 Jahre alt, arbeiten in einem handwerklichen Beruf,
leben in dörflichen oder kleinstädtischen Verhältnissen.
Oder wie es der Dienst für Analyse und Prävention (DAP)
bereits vor Jahren festhielt: "Die rechtsextreme Szene besteht
aus vielen kleinen Gruppierungen. Diese sind meist nicht strukturiert,
sondern halten lose zusammen und wechseln häufig die Zusammensetzung
und den Namen." Die rechtsextreme Szene in der Schweiz, so
das DAP weiter, verfüge "weder über eine einheitliche
Weltanschauung noch über eine gemeinsame Basis. Man kann heute
von insgesamt gegen 1000 Rechtsextremen in der Schweiz ausgehen."
Und zur Bedrohung meint das DAP zutreffend: "Rechtsextrem motivierte
Aktivitäten gefährden teils punktuell, teils lokal erheblich
die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit. Die Schweiz gilt
nach wie vor als attraktiver Standort für Skinheadkonzerte
und ähnliche Veranstaltungen." Was das DAP "punktuelle
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" nennt, kann
allerdings für Angehörige von missliebigen Minderheiten
gravierende Folgen - wie etwa schwere Verletzungen - in sich bergen.
Im Jahre 2005 mussten sich beispielsweise sechs Naziskins aus dem
Kanton Zürich vor dem Bezirksgericht Frauenfeld verantworten,
da sie im Frühling 2003 einen 15-jährigen Reggae-Fan so
zusammengeschlagen hatten, dass dieser lebenslänglich behindert
bleiben wird. Motiv der Täter: Sie wollten am Tatabend "Linke
jagen" .
Unter der politischen Führung des SVP-Bundesrats Christoph
Blocher hat der Staatsschutz, offiziell Dienst für Analyse
und Prävention DAP genannt, jedoch zu seiner alten Rolle als
Verharmloser rechtsextremistischer Bestrebungen zurückgefunden.
Dies belegt vor allem der im Sommer 2007 veröffentlichte "Bericht
Innere Sicherheit 2006" . Zwar hält der Bericht fest,
dass beinahe 60 Prozent der gemeldeten 111 Vorfälle "mit
Gewalt - vornehmlich gegen Personen - verbunden" gewesen seien.
Der Bericht hält auch fest, dass bei Rechtsextremisten immer
wieder (meist legal erworbene) Waffen gefunden werden, dies "teils
in erstaunlichen Mengen". Dann aber behauptet der Bericht,
dass "nur ungefähr fünfzehn Prozent aller rechtsextrem
motivierten Aktivitäten einen politischen Hintergrund"
hätten . Diese Schlussfolgerung ist nicht nachvollziehbar,
weil der Staatsschutz weder Konzerte, an denen ja rassistische und
naziverherrlichende Liedtexte vorgetragen werden, als politisch
motiviert noch Angriffe auf AusländerInnen und Menschen schwarzer
Hautfarbe, begangen von Personen, die eine rassistische Ideologie
vertreten, als politisch' anerkennen will .
Mit welcher Nachlässigkeit Staatsschutz und Polizei manchmal
Strafverfahren gegen Rechtsextremisten führen, erhellt ein
Vorgang im Kanton Luzern. Anfang Mai 2006 ermittelte die Luzerner
Kantonspolizei wegen des Verdachtes der Widerhandlung gegen die
Rassismus-Strafnorm und beschlagnahmte die CD-Sammlung eines bekannten
Hammerskins, insgesamt 185 Tonträger. Das Verfahren wurde nach
einigen Monaten wieder eingestellt, doch die Einziehung und Vernichtung
der Tonträger angeordnet. So weit, so gut. Das Bundesgericht
wies - nach einer Beschwerde des Hammerskins - die Beschlagnahmungsverfügung
an die Vorinstanz zurück, da Staatsschutz und ermittelnde Polizei
es unterlassen hatten, "eine nachvollziehbare Auswertung der
CDs auf ihren Inhalt" zu erstellen. "Insbesondere finden
sich keinerlei Angaben darüber, welche CDs überhaupt überprüft
wurden und aus welchen Gründen auf ihren rassistischen Inhalt
im Sinne von Art. 261 bis StGB geschlossen wurde."
"Nationalfeiertage gehören
uns"
Rechtsextremisten sehen sich gerne als "die wahren Patrioten"
des Landes. "Nationalfeiertage gehören uns!", behauptet
denn auch ein internes rechtsextremistisches Schreiben Anfang November
2007 und mobilisiert zu einer "nationalen Gedenkfeier"
der Schlacht am Morgarten, diesmal im Schatten der offiziellen Feier
. Der Morgarten ist damit der dritte Ort, an dem sich die rechtsextremistische
Subkultur im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen als Teil
der patriotischen Schweiz präsentieren will: Ende Juni jeweils
an der Sempacher Schlachtfeier, am 1. August auf dem Rütli,
und eben Mitte November am Morgarten. Die Organisatoren der offiziellen
Feier reagieren immer gleich: Sie übersehen die rechtsextremistische
Beteiligung so lange, bis sie von Medienschaffenden zur Stellungsnahme
gezwungen werden. Angefangen hatte diese Entwicklung am 1. August
1996, als eine Handvoll Naziskinheads auf dem Rütli die Anwesenden
provozierten. In den folgenden Jahren zogen jedes Jahr mehr Rechtsextremisten
an die Bundesfeier, ungehindert von den Organisatoren, unbehelligt
von der Polizei. An der Bundesfeier 2000 pfiffen und buhten sie
bei missliebigen Äusserungen des Redners, Bundesrat Karl Villiger.
Dieser Auftritt und die nachfolgenden Diskussionen brachten erstens
das Bestehen rechtsextremistischer Strukturen ins öffentliche
Bewusstsein und führten zweitens in den folgenden Jahren zu
Auseinandersetzungen, wie die jährliche Bundesfeier auf dem
Rütli überhaupt noch abgehalten werden könne.
Hammerskinheads und Blood and Honour
Obwohl die Naziskin-Szene ist in der Schweiz wenig strukturiert
ist, können sich seit Jahren zwei international vernetzte Organisationen
halten. Einerseits die Hammerskinheads, die 1986 in Houston/Texas
als weisse rassistische Bruderschaft gegründet wurden und unter
anderem "weisse Gebiete für weisse Menschen" (white
areas for white people) anstreben, andererseits die in England 1987
entstandene Blood and Honour, als "Independent Voice of Rock
against Communism" (Unabhängige Stimme des Rock gegen
Kommunismus) gegründet. Sie ist eine "politische Organisation
ohne Mitgliederausweis" , welche die neonazistische Ideologie
mit eigenen Zeitschriften, dem Vertrieb von einschlägigen Devotionalien
und Tonträgern wie auch der Organisation von Konzerten verbreiten
wollte und will. Im Blood-and-Honour-Umfeld bildete sich auch eine
terroristische Organisation (Combat 18, wobei die Ziffer "18"
für Adolf Hitler steht), die für Anschläge in Grossbritannien
und Schweden verantwortlich war.
Beide Organisationen haben Ableger in der Schweiz. Bereits Anfang
der 90er Jahre gründeten Innerschweizer Naziskins eine Schweizer
Hammerskin-Sektion, heute die älteste noch bestehende europäische
Sektion des "Hammerskin-Nation". Die Schweizer Hammerskinheads
(SHS) gelten als gewiefte und erfolgreiche Konzertorganisatoren.
In den vergangenen Jahren richteten sie immer wieder grosse Konzert
aus, am besucherstärksten war das "Sommerfest" 2002,
an dem rund 1'200 BesucherInnen aus mehreren europäischen Ländern
anwesend waren.
Eine Schweizer Blood-and-Honour-Sektion entstand erst 1997/98,
zuerst in der Deutschschweiz, dann in der Westschweiz, deren Exponent,
der Ex-Hammerskin Olivier Kunz , sich sowohl als Konzertveranstalter,
Zeitschriftenherausgeber wie auch eine Zeit lang als Betreiber eines
Musikträgerversandes hervortat. Nach Kunz' Verurteilungen wegen
Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm wie auch dem Verbot
weiterer Naziskinhead-Konzerte - allen voran durch den Kanton Waadt
- gingen die Aktivitäten jedoch markant zurück, wenn auch
Blood and Honour Romandie sowohl 2003 und 2004 als Mitorganisator
von Kundgebungen in Erscheinung trat . Im Jahr 2004 gab es auch
verschiedene Hinweise auf eine Zürcher Sektion von Blood and
Honour, doch ist über diese noch nichts Näheres bekannt.
Im Internet besteht jedoch seit längerem auf einer Combat18-Page
auch ein "Swiss Forum", das seit Mitte August 2004 aufgeschaltet
ist und in dem sowohl Westschweizer wie Deutschschweizer Skinheads
auftreten. Im Herbst 2007 wurde eine weitere "B&H-Switzerland"-Site
im Internet aufgeschaltet.
Von diesen beiden Naziskin-Netzwerken ist 2007 in der Schweiz wenig
an die Öffentlichkeit gelangt. Gemäss mehreren Hinweisen
kann man davon ausgehen, dass sowohl Blood and Honour- wie auch
C18- und Hammerskingruppen in der Schweiz aktiv, jedoch heftig miteinander
verfeindet sind. In Forumsbeiträgen wird manchmal dieser "Bruderkrieg"
bedauert. Am augenfälligsten war der grosse Aufmarsch von Blood-and-Honour-Aktivisten
an der Demo gegen Kinderschänder in Appenzell. Im Herbst tauchte
im Internet auch eine Site "Brotherhood 28" auf, die offensichtlich
im Widerstreit zu den bereits bestehenden B&H-Strukturen steht.
Vieles deutet darauf hin, dass es sich um das Projekt einer Einzelperson
- allenfalls von wenigen Personen - handelt. In einem Blood-and-Honour-Forum
ist auch ein Exponent der neuen Genfer Gruppe Nationaux-socialistes
suisses NSS aktiv.
Nationaux-socialistes suisses NSS,
Section Genève
Im Herbst 2007 tauchte in der Westschweiz eine Gruppe Nationaux-socialistes
suisses NSS auf, vertreten durch eine Sektion in Genf. Die NSS gedachte
am 21. September 2007 des Blood-and-Honour-Gründers Jan Stuart.
Fotos zeigen drei Männer und eine Frau, die hinter einem Grabkranz
mit Kerzen stehen, die rechte Hand zum Hitlergruss gehoben . Ende
November veröffentlicht die Sektion die erste Nummer des Fanzines
"Wotan's Krieger", worin auch die baldige Erstellung einer
Homepage angekündigt wird. Das Heft enthält mehrere Interviews.
Einem (namentlich nicht genannten) Vertreter der American Nazi Party
stellen die Interviewer die enthüllende Frage: "Kämpfen
Sie für die Ansichten der Holocaust-Leugner? Wir denken, dass
das internationale Judentum die grösste Lüge der Geschichte
aufgestellt hat, um die Nationalsozialisten auszumerzen und um unsere
Rasse in einer dekadenten Welt ohne Ordnung und Moral zu schwächen.
Was denken Sie darüber?" In einem Aufsatz über das
Heidentum behauptet der Schreiber, das Heidentum sei eine Naturreligion,
die vom Christentum fast vollständig aus Europa verdrängt
worden sei. "Das Heidentum ist die Ursprungsreligion, die wahre
Geschichte des weissen Volkes, auch beweisen die Heidnischen Schriften
die Überlegenheit unserer Rasse." Unter anderem zieht
der Schreiber den Schluss: "Unsere Religion, die wir - wie
die SS und das Dritte Reich - stolz verkünden, ist nie gestorben
und lebt heute noch."
Nationalforschungsprojekt 40plus
Vor rund sechs Jahren beschloss der Bundesrat die Ausschreibung
eines Nationalfonds-Forschungsprojektes über Rechtsextremismus.
Nun liegen die meisten Ergebnisse vor, sie vermögen nur beschränkt
zu überzeugen. Bundesrat Pascal Couchepin sieht aber keinen
weiteren Bedarf nach Forschung.
Am 1. August 2000 hält Bundesrat Kaspar Villiger (FDP) an
der jährlichen Rütli-Feier eine Rede zum Schweizer Nationalfeiertag.
Auf einem Hügel und folglich gut sichtbar befinden sich 100
bis 120 Nazi-Skins, vielleicht auch einige mehr. Einige von ihnen
tragen Schweizerfahnen, einer eine schwarze Fahne mit Hammer und
Schwert, einige eine Bierflasche in der Hand, einige am Hosengurt
das Keltenkreuz, das einschlägige Zeichen für die Vorherrschaft
der weissen Rasse. Einige heben die Hand zum Kühnengruss, gestreckter
rechter Arm mit gespreizten Schwurfingern. Die Skins unterbrechen
Villigers Rede ein paar Mal durch Grölen: "Use, use."
Sie skandieren gelegentlich einen einschlägig bekannten Slogan:
"Hier marschiert der nationale Widerstand." Befragt zu
den Zwischenrufern erkärt der freisinnige Bundesrat nach der
Rede: "Ich kenne diese Leute nicht, ich weiss nicht, was sie
politisch wollen. Der Hintergrund würde mich sogar interessieren."
In den folgenden Wochen/Monaten entstand eine lebhafte, teilweise
auch hysterische Diskussion über den jahrelang übersehenen
Schweizer Rechtsextremismus. Der Bundesrat erwog eine Verschärfung
der Hooligan-Gesetzgebung und die Verschärfung der Rassismus-Strafnorm,
insbesondere ein Verbot von nationalsozialistischen Zeichen. Der
Nationalfonds startete ein Projekt zum Rechtsextremismus.
In der Zwischenzeit ist die Hooligan-Gesetzgebung dergestalt verschärft
worden, dass sie rechtsstaatlich fragwürdig ist. Die Verschärfung
der Rassismus-Strafnorm ist politisch aus den Traktanden gefallen.
Meines Erachtens zu Recht, da gesellschaftliche Probleme nicht prioritär
mit Strafrecht angegangen werden können und weil die Strafnorm
genügen würde, sofern Polizei und Untersuchungsbehörden
sie konsequent anwenden würden. Leider ist dies jedoch bei
Naziskin-Konzerten ganz offensichtlich nicht der Fall.
Das Nationalfondsprojekt 40plus wollte Informationen über
Entstehungsbedingungen, Erscheinungsformen, Verbreitung und Konsequenzen
von rechtsextremen Aktivitäten und Einstellungen in der Schweiz
gewinnen. Augenmerk sollte dem gesellschaftlichen Umfeld des Rechtsextremismus
sowie der Evaluation möglicher Gegenmassnahmen geschenkt werden.
Die Forschungsergebnisse sollten bisher fehlendes Wissen um die
Ursachen, die Erscheinungsformen und das gesellschaftliche Umfeld
von Rechtsextremismus bereitstellen und die Grundlagen für
zukunftsorientierte Strategien im Umgang mit Rechtsextremismus auf
kommunaler, kantonaler sowie auf Bundesebene schaffen. Wurde der
Anspruch eingelöst? Sechs der dreizehn Projekte fokussieren
auf Jugendliche und junge Erwachsene. Diese haben zumeist einen
psychologisierenden, allenfalls pädagogischen Ansatz. Die Mehrheit
der Projekte erfasste Randbereiche des Themas - wie beispielsweise
rechtspopulistische Parteien und Migrationspolitik in der Schweiz
oder populistische Wertvorstellungen und Engagement der Rechten
in der Schweiz. Bereits nach der Auswahl war klar, dass das Projekt
seinen Anspruch nicht einlösen würde.
Einige wichtige Ergebnisse, die Ende 2006 oder 2007 veröffentlicht
wurden:
Rund jeder zehnte Jugendliche erlebt während seines Heranwachsens
mindestens einmal rechtsextreme Gewalt oder wird von rechtsextremen
Jugendlichen bedroht . Jugendliche Opfer rechtsextremistischer Gewalt
müssen erfahren, dass erstens ihre Erfahrung mitunter bagatellisiert
wird und dass zweitens das weitere Umfeld sowie die Instanzen der
formellen Sozialkontrolle (Polizei etc.) das rechtsextremistische
Motiv tolerieren und/oder ignorieren. Diese Studie stellte aber
auch fest, dass rund zehn Prozent der Jugendlichen mit der rechtsextremen
Szene sympathisieren.
Der Ausstieg aus der rechtsextremen Szene ist unterschiedlich, je
nachdem ob eine Szenemitglied aus kompensatorischen (Erlebnisse,
Gemeinschaft etc.) oder ideologisch-politischen Gründen eingetreten
ist . Zum Einstieg braucht es wenig, nur das Einverständnis
mit der Gruppenmeinung. Die rigiden Strukturen und die Betonung
des Gruppenlebens lassen wenig Raum für Persönliches,
so dass der Wunsch nach Ausstieg auftaucht. Die Familie spielt beim
Ausstieg nur eine untergeordnete Rolle. Viele Rechtsextremisten
distanzieren sich räumlich/sozial von der Szene, die Ideologie
der Ungleichwertigkeit behalten sie jedoch bei, wenn sie nicht gar
Mitglied bei einer nationalkonservativen Partei werden. Die Studie
geht leider von einem unzulässig engen Politikbegriff aus,
indem sie Politik auf institutionalisierte Politik beschränkt.
Dies führt zur haarsträubend unrealistischen Einschätzung,
dass "Freie Kameradschaften" (wie zum Beispiel Blood and
Honour und Hammerskin-Gruppen) unpolitisch' seien. Das widerspricht
sowohl dem Anspruch wie auch den nachweisbaren Aktivitäten
dieser Netzwerke.
Medien und Politik einerseits und Rechtsextremismus andererseits
instrumentalisieren sich gegenseitig, was zu einer stärkeren
Beachtung von Rechtsextremismus geführt hat . Rechtsextreme
Akteure entsprechen durch Inszenierungen - wie etwa den Aufmärschen
auf das Rütli - den Medienlogiken profitorientierter Medien
und verschaffen sich dadurch mehr Aufmerksamkeit. Bei den Medien
sorgt der Tabubruch für Quotensteigerung. Die Aufmerksamkeit
ist jedoch nur kurzfristig und erschwert die kritische Überprüfung
getroffener Massnahmen. Die Studie geht von der wenig belegten Annahme
aus, dass Schweizer Rechtsextremisten die Medienöffentlichkeit
suchen würden und ihnen diese nützlich sei. Auch kann
sie nicht nachweisen, dass Berichterstattung über Rechtsextremismus
erhöhte Quoten bringt .
Das Nationalfondsprojekt provozierte den Widerspruch jener, die
mit rassistischen und/oder diskreditierenden Inhalten ihr politisches
Geschäft betreiben wollen. Es sei "an sich schon fragwürdig",
dass der Nationalfonds mit staatlichen Geldern im Bereich "Rechtsextremismus
- Ursachen und Gegenmassnahmen" Untersuchungen mache, behauptet
der SVP-Pressedienst nach der Präsentation einer Studie zu
nämlicher Partei, die zum wenig überraschenden Ergebnis
gekommen war, dass die SVP-Mitgliederschaft gar nicht so homogen
sei wie sie erscheine . Zwar seien Misstrauen gegenüber Ausländer
und ein ausgeprägt nationales Zugehörigkeitsgefühl
zentrale Themen, doch hätte sie insbesondere eine geteilte
Meinung zu der von der Partei vertretenen neoliberalen Ideologie.
Einem üblichen Muster der Diskussionsbereitschaft, beziehungsweise
Verharmlosung - "die Linken sind ja viel schlimmer" -
folgte ein parlamentarischer Vorstoss des SVP-Ständerates Maximilian
Reimann. Er kritisierte, dass nicht das gesamte Spektrum des in
der Schweiz präsenten Extremismus und insbesondere des Gewaltextremismus
erforscht und ausgewertet worden sei; das nicht zuletzt auch deshalb,
weil es extremistische Elemente gäbe, die auf der pluralistischen
links-rechts-Skala gar nicht einzuordnen seien. Die Antwort von
Bundesrat Pascal Couchepin macht deutlich, dass bei den bürgerlichen
Parteien die Bereitschaft, sich mit dem Schweizer Rechtsextremismus
auseinanderzusetzen, wieder in den Hintergrund getreten ist. Nach
seiner Meinung, so Couchepin, sollte man solche Forschungsprojekte
nicht wiederholen .
Weitere kleine Gruppen und Projekte
Im Internet finden sich immer wieder auch Hinweise auf weitere rechtsextremistische
Gruppierungen, die allenfalls lokal aktiv sind. Im Frühling
2007 beispielsweise tauchte eine "Kameradschaft Uri" auf,
deren Mitglieder mehrmals tätliche Auseinandersetzungen gegen
missliebige Personen anzettelten . Die Homepage war wenig aussagekräftig,
die Kameradschaft kämpfe "für Volk und Heimat"
und pflege "den Kontakt zu ausserkantonalen Kameradschaften
und Organisationen." Mitglieder der "Kameradschaft Uri"
beteiligten sich an der Sempacher Schlachtfeier.
Im Frühjahr 2007 war für kurze Zeit ein "Heimatschutz
Rottal" im Internet präsent, sonst allerdings wurden keine
weiteren Aktivitäten bekannt. Der Aufruf "Wenn Du der
Masseinbürgerungen Grenzen setzen willst! Wenn Du den ansteigenden
Multikulti stoppen willst! Wenn Du unsere Schweizer Sitten und Bräuche
beibehalten willst! Wenn Du eine bessere Zukunft für deine
Kinder haben willst! Dann bist DU hier richtig!!!" (Orthografie
im Original). In einem Text zur "Ausländer Gewalt"
(sic!) schreibt der unbekannte Verfasser "Wehrwolf", der
Schweizer Städte als "klein New York" sieht: "Darum
sollten wir uns mit all der verfügbaren Kraft und allen Mitteln,
gegen diese gewalttätigen Ausländer und Hip-Hopper richten,
um dem Angst und Schrecken ein Ende zu setzen." Die Site verschwand
bald wieder vom Netz.
Ebenfalls in der Innerschweiz, mutmasslich in der Region Rigi/Schwyz
beheimatet ist der Betreiber der professionellen Ansprüchen
genügenden "Volksruf"-Site. Volksruf fordert "Volksgemeinschaft
statt Individualismus. Zukunft statt Globalisierung". Er verbreitet
einerseits kitschige Helden- und Landschaftsbilder, anderseits rechtsextremistische
Texte und Aufrufe, beispielsweise ein Interview mit dem deutschen
Liedermacher Frank Rennicke oder einen Lobesartikel auf die Südtiroler
Bombenleger von 1961, die die Loslösung des deutschsprachigen
Südtirols von Italien anstrebten.
Weiter im Netz ist die Homepage "Nationaler Widerstand am
Rigi". Die Site wird jedoch nicht mehr aktualisiert.
Freie Kameradschaften
Die Frei Nationale Kameradschaft Schweiz Germania FNK versteht sich
- gemäss Eigendarstellung - als "Kameradschaft ohne wirklich
feste Mitglieder, jedoch mit einem meist gleich bleibenden Zielpublikum".
Man sehe sich nicht als "Organisation, sondern einfach als
einen kleinen Teil der Bewegung". Man organisiere "Feste,
Partys, Konzerte und Balladenabende", allenfalls auch Vorträge.
"Auch haben wir keinen Vorstand, sondern lediglich einen kleinen
Kern, der organisiert, plant und Sonstiges auf die Beine stellt."
Die FNK gehörte zu den Mitorganisatoren einer "Demo gegen
Kinderschänder" und der Kundgebung am Morgartendenkmal
.
Für die Todesstrafe - gegen Kinderschänder
Ende Juli 2007 ermordet ein älterer Schweizer in Appenzell
eine Kindergartenschülerin. Anfang September ruft eine bis
anhin unbekannte Frei Nationale Kameradschaft Schweiz-Germania zur
Kundgebung "Gegen Kinderschänder und Gewalt an Kindern"
in Appenzell auf. Die Veranstalter empfehlen allerdings, "nicht
allzu extrem gekleidet" zu erscheinen. In der Tat: Bomberjacken
mit Naziemblemen oder rassistischen Zeichen könnten die angestrebte
politische Reputation unmöglich machen. Das Bewilligungsgesuch
eingereicht hat eine junge Frau, wohnhaft in Wiedlisbach im Kanton
Bern. Mobilisiert wird auf einer eigens eingerichteten Homepage.
Die zuständigen Appenzeller Behörden genehmigen die Kundgebung
zuerst, widerrufen dies allerdings wieder, nachdem ihnen der politische
Hintergrund der Gesuchsstellerin bekannt wird. Trotz des Verbotes
versammeln sich rund 130 Männer und Frauen, vorwiegend Skinheads
aus dem Umfeld von Blood and Honour . Nach Absprache lässt
die Polizei die KundgebungsteilnehmerInnen auf einer kurzen Route
am Rande der Kleinstadt laufen.
Manifestationen und Kampagnen gegen Kinderschänder sind in
rechtsextremistischen Zusammenhängen beliebt, da man sich dadurch
gesellschaftliche Akzeptanz verspricht und davon ausgeht, dass die
Forderung nach Wiedereinführung der Todesstrafe in diesem Kontext
auf weniger Widerstand stösst. Bereits im März 2003 waren
Schweizer Rechtsextremisten überraschend durch Solothurn marschiert.
Der Holocaust-Leugner Bernhard Schaub hatte eine Rede gehalten,
AktivstInnen hatten Flugblätter verteilt.
Rechtsextremisten demonstrieren in Appenzell für die Wiedereinführung
der Todesstrafe.
Foto: Internet/Archiv Stutz, Appenzell, 13. Oktober 2007
Exemplarisch der Demoaufruf der PNOS-Sektion Berner Oberland: Diese
kritisiert eine Justiz, die es nicht für nötig halte,
Kinderpornografie und Kindsmissbrauch mit lebenslanger Haft - "wenn
nicht gleich mit der Todesstrafe" - zu bestrafen. Ungeschminkt
drückt es ein Schreiber auf der Internetseite der Organisatoren
aus: "Ein Baum, ein Strick, ein Schändergenick!"
Der Demoaufruf erhält in der rechtsextremistischen Szene noch
weitere Unterstützung. Die PNOS-Umfeldorganisation Kampfbund
Nationaler Aktivisten (KNA) beispielsweise will gegen "die
traurige Entwicklung unserer dekadenten Gesellschaft" protestieren.
Und im Schweizer Forum des Neonazi-Netzwerkes Blood and Honour kündigen
mehrere SchreiberInnen ihre Reise nach Appenzell an .
Buch- und Musikversände
Bis vor wenigen Jahren mussten Schweizer Rechtsextremisten sowohl
einschlägige Bücher wie Tonträger aus dem Ausland,
insbesondere aus Deutschland beziehen. In den Jahren 2004 und 2005
hatte Sacha Kunz, vormals PNOS-Präsident, allerdings den Aufbau
eines Tonträger-Vertriebes und Tonträger-Labels vorangetrieben.
White Revolution Records wolle, so die Ankündigung auf der
Homepage, ein Schweizer Musik-Label sein, "das sich zum Ziel
gemacht hat, in der Nationalendenkenden Musik Szene mitzumischen"
(Orthografie im Original). Angegliedert sei dem Label "das
Tonstudio Swastika Records, wo professionelle Musikproduktionen
realisiert werden." Im Herbst 2005 gab Kunz seinem Versand
den unverfänglicheren Namen Helvetia Versand, später den
von Utgard Versand. Das Angebot blieb unverändert und wurde
auch über Internet angeboten, bis die Aargauer Kantonspolizei
bei Kunz im Rahmen eines Verfahrens wegen Widerhandlung gegen die
Rassismus-Strafnorm eine Hausdurchsuchung durchführte. Der
Versand hatte eine wachsende Kundschaft, wie die Berner Antifa bereits
Mitte August 2005 nachgewiesen hatte. Sie hatte die Kundendatenbank
mit über 150 Kundennamen zugespielt erhalten . Im Sommer 2006
stellte Kunz seine Tätigkeit ein, dies auch nach finanziellen
Rückschlägen. Im Winter 2006 verurteilte ihn ein deutsches
Gericht zu einer Geldbusse und ordnete gleichzeitig die Einziehung
von bereits produzierten Tonträgern an . Gegenüber der
Boulevardzeitung "Blick" behauptete Kunz Mitte September
2006: "Ich steige aus." Die Zukunft wird weisen, ob dies
mehr als eine Ankündigung ist. Kunz war auch Mitglied des Duos
"Die Eidgenossen", das im Jahr 2007 nicht in Erscheinung
getreten ist.
Fazit: Schweizer Rechtsextremisten müssen ihre Tonträger
wieder vorwiegend aus dem Ausland beziehen, ausser sie decken sich
an den üblichen Verkaufsständen bei Konzerten ein.
Buchversand Neue Zeitwende
Der Buchversand Neue Zeitenwende bietet - gemäss Eigeneinschätzung
- "Bücher zu diversen Themen" an, wie "Geschichte,
Kultur und Brauchtum, Politik und anderen Themen". In Realität
verbreitet er verschwörungsfantastische Bücher über
Geheimbünde, verherrlichende Literatur über die Waffen-SS,
dazu Bücher von rechtsextremistischen Autoren wie Jürgen
Schwab oder Peter Dehoust. Allerdings hat er sein Angebot im vergangenen
Jahr nur unwesentlich erweitert. Der Versand ist über ein Postfach
in Aefligen (Nähe Kirchberg BE) erreichbar. Betrieben wird
er von Adrian Segessenmann.
Blutschutz - T-Shirts, Pins und weiteres
Lifestyle-Zubehör
Ein Anzeichen für die Festigung einer subkulturellen Bewegung
sind die Angebote, die den Kauf einschlägiger Produkte ermöglichen,
seien es Bücher (Buchversand "Neue Zeitwende"), seien
es einschlägige Klamotten. Im Sommer 2007 eröffnete ein
bis anhin unbekannter Rechtsextemist einen Laden, der T-Shirts mit
einschlägigen Slogans bedruckt, auch den Druck von Flugblättern
besorgt. Auf der Homepage erscheinen regelmässig Berichte über
einschlägige Szeneveranstaltungen. Die vorhandenen Unterlagen
lassen darauf schliessen, dass der Anbieter im Raum Aargau/Zürich
wohnhaft ist.
Musikgruppen
Musik spielt in allen Jugend-Subkulturen eine identitäts- und
wertestiftende Rolle, einerseits als Vermittlerin eines Lebensgefühls,
andererseits als Medium zur Verbreitung politischer Botschaften
. Konzerte dienen dem Szenen-Zusammenhalt, aber auch der Verbreitung
der politischen Botschaft insbesondere bei Naziskin-Konzerten, da
an diesen Veranstaltungen meist an entsprechenden Ständen sowohl
Tonträger und Bücher/Broschüren wie weitere szenetypische
Artikel angeboten werden. Bis zum Grundsatzurteil des Bundesgerichtes
zu Rassismus-Strafnorm und Öffentlichkeit erachteten Polizei
und Untersuchungsrichter Naziskin-Konzerte als private Veranstaltungen,
auch wenn über tausend Personen anwesend waren und die Konzertankündigungen
ebenfalls Medienschaffenden zugänglich waren.
In den vergangenen Jahren sind mehrere rechtsextremistische Schweizer
Bands an die Öffentlichkeit getreten, vor über zehn Jahren
bereits die Basler Gruppe "Sturmtruppen Skinhead", später
die Ostschweizer Hammerskin-Band "Erbarmungslos". Ebenfalls
aus der Hammerskin-Bewegung stammen Mitglieder der Luzerner Band
"Dissens".
Im Jahr 2007 waren vier Bands öffentlich wahrnehmbar, nämlich
"Amok", "The Bombers", "Dissens" und
"Indiziert", die bekannteste von allen.
"Amok"
Die Gruppe "Amok" besteht mutmasslich aus vier Mitgliedern.
Im September 2005 trat die Gruppe am Blood and Honour-Konzert bei
Brig auf, sie sang dort das rüd-antisemitische "Blutlied"
. Über zwei Jahre nach dem Konzert sind die Untersuchungen
immer noch nicht abgeschlossen. Die "Amok"-Musiker haben
bis anhin keine Interviews gegeben, auch nicht in einschlägigen
Szene-Publikationen.
Die Band "Amok", im Umfeld des Naziskin-Netzwerks Blood
and Honour aktiv, veröffentlichte Ende Oktober 2007 eine CD,
betitelt "Verbotene Wahrheit", in der sie sowohl zur Ermordung
von Schwarzen aufrief wie auch dem Verfasser dieser Chronologie
den gewaltsamen Tod in Aussicht stellte . In weiteren Lieder leugnen
die Musiker auch den Holocaust und verherrlichen die Ermordung von
Menschen schwarzer Hautfarbe.
"The Bombers"
Erstmals ist auch im Tessin eine rechtsextremistische Band aktiv,
"The Bombers", und zwar in der Region Lugano. Die vierköpfige
Band war bereits im Herbst 2006 an einem grossen Skinhead-Festival
in der Nähe von Venedig aufgetreten und hatte 2006 auch eine
Demo-CD in Eigenproduktion herausgegeben. Im Jahr 2007 veröffentlicht
sie eine CD "Nessuna Pietà". Die Band sollte Anfang
September 2007 in Jena an einem "Fest der Völker"
auftreten, doch gelang es ihr nicht, den Festplatz zu erreichen.
Auf einer Deutschschweizer Rechtsextremisten-Site war im Herbst
2007 für kurze Zeit ein Videointerview aufgeschaltet, das jedoch
bald wieder verschwand. In diesem Interview bekräftigte der
Bandsprecher die rechtsextremistische Grundhaltung der Tessiner
Band.
"Dissens"
Die Schweizer Sektion der Hammerskinheads, gegründet 1990/1991,
gehört zu den ältesten in Europa. Der Dissens-Sänger
Gary Albisser ist seit dem Beginn dabei.
Quelle: Internet/Archiv Stutz, Herbst 2007
Anfang November fand in der Nähe von Mailand ein Jubiläumskonzert
"20 Jahre Hammerskins Europa" statt; angekündigt
waren über ein halbes Dutzend Bands, darunter die Schweizer
Gruppe "Dissens". Längere Zeit war von dieser Band
nichts mehr zu hören gewesen. In einem Internet-Forum berichtete
ein offensichtlich gut informierter Schreiber über "Dissens",
die Band habe "Besetzungsprobleme" gehabt, die "aber
wohl behoben" seien. Die Band "Dissens" aus dem Raum
Luzern gehört zum Hammerskin-Umfeld. Der Sänger Gary Carlo
Albisser, inzwischen 37jährig, gehörte Anfang der 90er-Jahre
zu den Mitbegründern der Schweizer Sektion der Hammerskinheads
und war bereits am Überfall auf eine antifaschistische Veranstaltung
Anfang November 1995 in Hochdorf beteiligt .
"Dissens" hat bis anhin eine CD herausgegeben. In einem
Interview kündigten sie im Sommer 2006 die Produktion eines
neuen Tonträgers an; daraus ist, soweit bekannt, bis anhin
nichts geworden.
"Indiziert"
Wenige Tage vor Weihachten, mitten in der Burgdorfer Altstadt, lädt
die Band "Indiziert" zum "Jahresabschlusskonzert".
Sie hat den Saal unter einem Vorwand mieten können, rund zweihundert
Leute sind anwesend . Der Auftritt war eine gezielte Provokation,
bereits 18 Monate früher war die Band in den Altstadt aufgetreten,
was damals zu heftigen politischen Reaktionen führte. "Indiziert"
ist zurzeit die bekannteste einschlägige Schweizer Combo, die
auch bereits verschiedentlich im Ausland aufgetreten ist und gemäss
ihrer Homepage in diesem Jahr rund ein halbes Dutzend Konzerte gegeben
hat.
"Indiziert" hat zwischenzeitlich drei Tonträger
veröffentlicht, den letzten im Sommer 2007. Die neue CD trägt
den Titel "Die letzte Bastion". Auch diese CD enthält
vor allem Lieder, die die eigene Stärke beschwören und
die politischen Gegner beschimpfen, beispielsweise: "Nationaler
Widerstand. Gegen diesen Multikulti Staat und die ganze rote Mafia/gegen
korrupte Politiker ja die ganze Kommunisten Schar/die seit eh und
je uns Nationale bekämpfen, doch ihr Plan geht nicht auf/denn
Nationalisten sind Freiheitskämpfer und wir nehmen auch den
Tod in Kauf."
Die Band "Indiziert" besteht aus den Brüdern Alex
und Cedric Rohrbach, Dominic Lüthard und Benjamin Lingg. Lüthard
kandidierte 2006 erfolglos auf der PNOS-Liste für den Grossrat
wie für den Roggwiler Gemeinderat. Er ist Ende 2007 auch Vorsitzender
der PNOS Sektion Langenthal.
Schulhof-CD - PNOS Berner Oberland
Im Bestreben, SchülerInnen die politische Botschaft zu vermitteln,
verteilte die Nationaldemokratische Partei NPD im Wahlkampf 2005
Gratis-CDs an Volksschulen. Die Tonträger enthielten einschlägige
Lieder bekannter Szenebands. Bald verteilten auch Schweizer Rechtsextremisten
Stücke dieser Propagandascheibe an verschiedenen Orten . Zu
den aktivsten zählten damals auch Exponenten des "Bundes
Oberland" , der seine Aktivitäten nach der Gründung
der PNOS-Sektion Berner Oberland eingestellt hat.
Mitte Oktober 2007 verteilen (vorerst) Unbekannte eine eigens für
die Schweiz produzierte Schulhof-CD in der Region Berner Oberland
, Ende Dezember macht die PNOS-Sektion Oberland öffentlich,
dass sie hinter diesem Projekt stehe. Die CD enthält siebzehn
Lieder, eines der Schweizer Gruppe "Indiziert", die anderen
von einschlägig bekannten deutschen Szene-Bands. Sämtliche
Texte seien "anwaltlich und polizeilich geprüft",
behauptet die Parteisektion auf ihrer Homepage. In der Tat bewegen
sich viele Texte zumindest im Graubereich, wenn sie die Grenze nicht
gar überschreiten. Dies gilt insbesondere für ein Lied
der einschlägig bekannten deutschen Band "Stahlgewitter"
mit dem Titel "ZOG II". ZOG steht für Zionist Occupation
Governement/Jüdische Besatzungsregierung oder auch Zionist
Occupied Governement/Jüdisch beherrschte Regierung. Das Lied
beginnt mit den Worten: "ZOG, die Macht des Antimenschen, die
geheime Macht, die die Welt regiert. Bekämpft den ewigen Feind,
bevor das letzte freie Volk krepiert."
Politische Organisationen
In den vergangenen Jahren haben Rechtsextremisten versucht, politische
Parteien aufzubauen, mit dem Ziel, sich auch an Wahlen zu beteiligen.
Diese Projekte - wie beispielsweise David Mulas' Nationale Partei
der Schweiz (NPS) - sind meistens bald gescheitert. Ausnahme ist
die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS), die inzwischen
gefestigte Strukturen aufgebaut hat. Als Einzelkämpfer produziert
sich noch der Basler Eric Weber. Als Vertreter seiner "Volks-Aktion
gegen zu viele Ausländer und Asylanten in unserer Heimat"
beteiligte er sich 2007 in Basel-Stadt auch an den Nationalratswahlen.
Die Liste der "Volks-Aktion" erreichte ein Resultat von
1,46% und damit mehr als das Doppelte der SD (0,68%) - ganz nach
dem Motto: Wenn schon rechtsextrem, dann aber richtig. Weber hat
eine lange Karriere im rechtsextremistischen Milieu hinter sich.
1986 wurde er - auf der Liste der Nationalen Aktion NA - in den
Grossen Rat gewählt, wo er bald durch seine flegelhaften Auftritte
auffiel. Nach seinem Ausscheiden aus dem Grossen Rat übersiedelte
er für mehrere Jahre nach Deutschland, wo er als Journalist
zu arbeiten versuchte. Er war bereits Anfang der 90er-Jahre wegen
Urkundenfälschung bei Wahlen verurteilt worden . 2003 beteiligte
er sich an den Nationalratswahlen, 2004 bei den Grossratswahlen,
dies jeweils auf den Listen der Schweizer Demokraten (SD).
Partei National Orientierter Schweizer
PNOS
Mitte Oktober 2007 verurteilt das Bezirksamt Aarau fünf PNOS-Vorstandsmitglieder
zu einer Busse, da das Parteiprogramm gegen die Rassismus-Strafnorm
verstosse. Es ist dies bereits der zweite Schuldspruch. Im Sommer
2006 hatten PNOS-Exponenten eine entsprechende Busse akzeptiert
und die Partei hatte daraufhin ein neues Parteiprogramm veröffentlicht,
in dem die offensichtlichsten Anspielungen an das NSDAP-Parteiprogramm
gestrichen waren. Die Nähe zu nazifreundlichen Positionen ist
geblieben, im Jahr 2007 unterstützte die PNOS mehrmals verurteilte
Holocaust-LeugnerInnen, beispielsweise Ernst Zündel. Anfang
2007 erschien auch ein Aufsatz des Holocaust-Leugners Jürgen
Graf in der PNOS-Parteizeitschrift "Zeitgeist". Im Spätherbst
unternahm die PNOS den untauglichen Versuch, mit einem eigenen Initiativkomitee
die SD-Volksinitiative zur Abschaffung der Rassismus-Strafnorm zum
Erfolg zu bringen . Die PNOS wolle nicht "für die SD auf
die Strasse" gehen, erklärte PNOS-Mediensprecher Mario
Friso. Wochen später versandte die PNOS Briefe an SD-Exponenten
mit der Aufforderung, "der kränkelnden SD den Rücken
zu kehren und stattdessen der PNOS beizutreten. Der SD fehlt spätestens
seit der Abwahl von Bernhard Hess jegliche politische Legitimation.
Mit ihren stümperhaften Angriffen auf die PNOS hat die SD ihre
hündische Haltung unter Beweis gestellt und kuschte vor der
Einheitsmeinung des Establishments. Die SD gibt sich gerne patriotisch
und national, ist in Tat und Wahrheit aber keinen Deut besser als
alle anderen Systemparteien, die sich dem Kapital vor die Füsse
werfen und auf einen Platz am Fressnapf hoffen."
Die PNOS verbindet in ihren politischen Aktivitäten kapitalismuskritische
Positionen mit rassistischen Lösungsansätzen, Ziel sei
ein "Eidgenössischer Rassismus". Die PNOS-Kapitalismuskritik
ist zumeist radikal, gelegentlich schimmert aber auch übliche
kleingewerbliche Argumentation durch, so in einem Flugblatt der
PNOS-Sektion Küssnacht am Rigi: "Heimische Betriebe werden
durch die herrschende Politik dem internationalen Preisdruck schutzlos
preisgegeben." Einerseits rief die Sektion dazu auf, bei den
"nächsten Besorgungen mal die heimischen Dorfbetriebe
den internationalen Grossunternehmen" vorzuziehen, andererseits
forderte sie auch die "Absage an die multikulturellen Wahnvorstellungen
und somit Rückführung der Billiglohnarbeiter" - im
Klartext: "Arme Ausländer raus" .
Die PNOS wurde im September 2000 gegründet, zu den Gründern
gehörten Skinheads aus der Blood and Honour-Bewegung. Erster
Präsident war Sacha Kunz. Er wurde im Frühjahr 2003 von
Jonas Gysin abgelöst. Dieser trat im August 2005 zurück.
Ende 2007 wird die Partei von einem vierköpfigen Bundesvorstand
geleitet, dem Denise Friedrich, André Gauch, Jonathan Leiggener
und Roland Renggli angehören. Zu den wichtigsten Akteuren gehörten
neben dem Bundesvorstand im Jahr 2007 die Berner Oberländer
Michael Haldimann, Mario Friso und Jordi de Kroon, die Langenthaler
Dominic Lüthard, Timotheus Winzenried, Raphael Würgler
und Tobias Hirschi, die Willisauer Michael Vonäsch und Dani
Wüthrich sowie David Schnurrenberger von Küssnacht am
Rigi.
Aktiv ist die Partei Ende 2007 in Langenthal und Umgebung, im Berner
Oberland, im Kanton Freiburg, in Willisau und in Küssnacht
am Rigi SZ. Die Solothurner Kantonalsektion löst sich im Herbst
2007 auf, nachdem deren Präsident Dominic Bannholzer zurückgetreten
war. Bannholzer bleibt allerdings weiterhin Gemeinderat von Günsberg.
An PNOS-Veranstaltungen treten mehrmals VertreterInnen der Nationaldemokratischen
Partei Deutschland NPD auf, PNOS-Vertreter ihrerseits treten 2007
sowohl in Portugal wie auch in Deutschland auf.
Im Dunstkreis der PNOS agieren mehrere Umfeldorganisationen, so
die Helvetische Jugend und der Kampfbund Nationaler Aktivistinnen
KNA.
Helvetische Jugend
Die Helvetische Jugend wurde Anfang Juli 2004 in der Region Oberaargau
(Langenthal und weitere Umgebung) gegründet. Zu ihren Zielen
zähle, so die Helvetische Jugend auf ihrer Homepage, dass "der
Multikultur ein Ende gesetzt" werde. Dies will sie unter anderem
erreichen mit: "Rückführung von gewalttätigen
Ausländern. Ausländeranteil muss gesenkt werden."
Weiter mit "Internierungslagern für Asylbewerber"
und "besserer und neutralerer Bildung von Schweizerschulen
(nicht weiter linke Stalin und Lenin Propaganda. Trennung von deutschsprechenden
Schülern zu nicht deutschsprechenden Schülern." Und
es solle Schluss sein "mit dem linken, desinformierten Medienterror,
wir brauchen neutrale Auskunftgeber."
Im Jahr 2007 beteiligten sich Mitglieder der Helvetischen Jugend
am Rechtsextremen-Aufmarsch bei der Sempacher Schlachtfeier und
versuchten am 1. August mit Schlauchbooten auf das gesperrte Rütli
zu gelangen. Auch beteiligten sie sich an einer Demo gegen Ausländergewalt
in Worb bei Bern . Ihre Mitglieder trugen oft ein T-Shirt mit der
Aufschrift: "Widerstand lässt sich nicht verbieten."
Die Gruppe verfügt über eine Internet-Präsenz, die
jedoch nur gelegentlich nachgeführt wird. Im vergangenen Jahr
erschienen auf der Homepage nebst Berichten über eigene Aktivitäten
unter anderem islamfeindliche Texte, ebenso zum rechtsextremistischen
Rütliaufmarsch.
Kampfbund Nationaler Aktivistinnen
Allzu oft würden sich die Frauen in der Nationalen Bewegung,
so beklagt sich die Administratorin des Kampfbund Nationaler Aktivistinnen
KNA, "mit der Anhängselrolle zufrieden" geben und
würden sich "von den Männern zu minderwertigen Wesen
degradieren lassen." In der Tat haben PNOS-Exponenten die Gründung
der Frauen-Umfeldorganisation teilweise mit offensichtlicher Abneigung
beobachtet: "Nun, ich halte es grundsätzlich für
etwas zu früh, Frauen auf diese Art integrieren zu wollen.
Es sind letztlich bestimmt nicht viele, und wegen 10 Hühnern
so einen Umstand? Ich weiss nicht. Haben wichtigeres zu tun, finde
jedenfalls ich." In der Tat ist der Anspruch der KNA widersprüchlich.
Der Kampfbund will unabhängige Frauen, die sich für den
"nationalen Kampf", gegen "die kapitalistische Unterjochung
der Völker" einsetzen, dies jedoch - gemäss dem traditionalistischen
Rollenbild - in erster Linie als Frau und Mutter tun. Die intakte
Familie sieht die KNA als "höchstes anzustrebendes Glück",
und tendenziell seien "Frauen in Sachen Einfühlungsvermögen,
Verständnis, Kommunikation, Verantwortungsbewusstsein, Ordnungssinn
und Durchhaltevermögen den Männern voraus." Die KNA
behauptet weiter, dass der Feminismus "frauenfeindlich"
und "längst überholt" sei. "Wir müssen
die Forderung nach einer neuen, emanzipierten Weiblichkeit umsetzen
und den Volkstod verhindern."
Ende Juli 2007 trafen sich rund 40 Personen zur Gründungsfeier
des Kampfbund Nationaler Aktivistinnen in einer Waldhütte .
Als einzige KNA-Sprecherin trat bis anhin das PNOS-Vorstandsmitglied
Denise Friedrich in der Öffentlichkeit auf. Anfang 2008 verkündet
die KNA, sie wolle den "Aktivistenkreis weiter vergrössern,
um so eine möglichst breite Masse erreichen zu können."
Die KNA orientiert sich an ähnlichen Organisationen in Deutschland
wie beispielsweise der Gemeinschaft Deutscher Frauen, dem Ring Nationaler
Frauen oder dem Mädchenbund Thüringen.
Heimatbewegung
An der Sempacher Schlachtfeier 2007 waren auch Mitglieder der Heimatbewegung
anwesend, erkennbar an einem Pin. Ansonsten trat die Heimatbewegung,
die 2004 oder 2005 gegründet wurde und über ein Postfach
in Dübendorf erreichbar ist, nicht weiter in der Öffentlichkeit
auf. Unklar ist, wie viele Mitglieder sie hat und welche internen
Aktivitäten sie entfaltet. Die Heimatbewegung verfügt
über einen sporadisch nachgeführten Internet-Auftritt,
der sich vorwiegend mit Themen wie "Ausländer" befasst,
vielfach ausgelöst durch politische Aktionen des nationalkonservativen
Lagers.
Die Heimatbewegung strebt die Auflösung der viersprachigen
Schweiz an, sie will nämlich die "Überlebensinteressen
der Alemannischen Volksgruppe" wahren und kämpft "für
einen Eidg. Volksstaat in den Grenzen der heutigen Deutschschweiz."
Ansonsten vertritt sie Programmpunkte, wie sie bei rechtsextremistischen
Gruppierungen üblich sind: Förderung des Bauernstandes,
Wiedereinführung der Todesstrafe, Abschaffung des jetzigen
Asylrechtes, einen totalen Einwanderungsstopp, Verbot jeder Form
von Ausländerintegration und vollständigen Stopp von Einbürgerungen.
Identitaires de Romandie und Jeunesses
Identitaires Genève
In den französischsprachigen Ländern Europas hat sich
im rechtsextremistischen Lager eine Strömung verbreitet, die
sich Identitaires nennt, sich auf eine "europäisch-weisse
Identität" beruft und sich gegen Einwanderung aus anderen
Kontinenten ausspricht. In Frankreich hat sich auch eine aktive
und militante Splittergruppe Les Identitaires gebildet, die verschiedentlich
durch spektakuläre Aktionen aufgefallen ist. In der Schweiz
treten zwei Organisationen auf, Les Identitaires de Romandie und
die Jeunesses Identitaires de Genève. Unklar ist, wie viele
Mitglieder die beiden Organisatoren haben. Beide Organisationen
unterhalten einen Internet-Auftritt.
Aktiv war im Jahr 2007 vor allem die Jeunesses Identitaires Genève.
Anfang Oktober 2007 organisierte sie erstmals eine öffentlich
zugängliche Veranstaltung, die sich gegen den "antiweissen
Rassismus" richten sollte. Gemäss einem Bericht der "Tribune
de Genève" nahmen daran rund fünfzig Personen teil,
vorwiegend junge Männer zwischen 16 und 25 Jahren. Auf ihrer
Homepage berichtet die Sektion, dass auch Unterschriften für
die "Minarett-Verbots-Initiative" gesammelt und Bücher
und Broschüren verkauft worden seien. Als erster Redner stellt
Arnaud Borella die serbenfreundliche Organisation "Solidarité
Kosovo" vor.
Die Jeunesses Identitaires de Genève wurde 2005 gegründet.
Die Gruppe trat erstmals 2006 an die Öffentlichkeit. Im Sommer
2006 verteilte sie in einem Genfer Quartier Flugblätter gegen
einen immer wieder behaupteten "Schweiz-Hass" ,
Anfang Juli 2005 kündigen Les Identitaires de Romandie an,
sie würden dem Beispiel französischer und belgischer "Cousins"
folgen. Angesichts der Gefahren der Globalisierung, der massiven
Immigration, der Auflösung der "schweizerischen und europäischen
Identität" sehen sie nur eine Wahl "für die
Jugend der Westschweiz: handeln oder sich unterwerfen" (agir
ou subir). Und dies alles "für die Romandie, für
die Schweiz und für Europa". Im Jahr 2007 erschien die
dritte Ausgabe der "Cahiers identitaires romands", eines
primitiv gemachten Heftchens.
Nachrichtenportale
In der Schweiz verfügt die rechtsextremistische Szene nur über
wenige Medien, insbesondere auch über wenige Printmedien. Doch
über mehrere Jahre hinweg existierten Nachrichtenportale wie
Freie Stimme (beziehungsweise Altermedia Schweiz), Altermedia Suisse
und Novopress Suisse. Im Jahr 2006 wurden zwei dieser Schweizer
Nachrichtenportale nur noch sehr unregelmässig nachgeführt.
Der Betreiber von Freie Stimme/Altermedia Schweiz erlitt im Herbst
2005 eine Hausdurchsuchung, seit Ende April 2007 wird das Portal
nicht mehr betrieben. Altermedia Suisse ist zwar noch aktiv, doch
verbreitet das Nachrichtenportal nur sehr selten Meldungen aus oder
über die Schweiz. Novopress Suisse hingegen berichtet kontinuierlich
und verbreitet vorwiegend Meldungen aus der politischen Agenda der
Nationalkonservativen. Weiterhin aktiv ist die Patriot-Site, ihre
Meldungen und Forumsbeiträge sind häufig geprägt
durch einen militanten Nationalismus.
Freie Stimme - geschlossen nach Schuldspruch
Seit Mitte April 2007 steht auf der Internet-Site "Altermedia
Schweiz: Freie Stimme" nur noch ein einziger Hinweis, nämlich
dass hier einmal ein Bericht über das Berliner Holocaust-Denkmal
veröffentlicht worden sei, aber "da derartige Äusserungen
per Gerichtsurteil in der Schweiz unter Strafe gestellt sind, musste
der Text entfernt werden." In der Tat: Am 25. Mai 2005 veröffentlicht
Freie Stimme einen Bericht über die Einweihung des Holocaust-Denkmals
in Berlin. Der Schreiber stellt unter anderem die Frage, "was
dereinst mit diesen 2711 Betonstelen geschehen soll, wenn eines
Tages wieder ein anderer Wind in Berlin - und im restlichen Europa
- herrscht. Da die Gedanken auch im Jahre 2005 noch frei sind, schlägt
die Schriftleitung von Freie Stimme ganz unverbindlich vor, dass
dereinst - getreu dem Verursacherprinzip - diejenigen Menschen,
welche dieses Denkmal zu verantworten haben, mit einem Hammer ausgerüstet
jeder einzelne dieser 2711 Betonklötze derart verkleinert,
dass nur noch Staub übrig bleibt. Staub aus der vergangenen
Zeit Deutschlands und Europas grösster Erniedrigung."
Die polizeilichen Ermittlungen führen im Herbst 2005 zu zwei
Hausdurchsuchungen. Anfang März 2007 verurteilt das Bezirksamt
Laufenburg den 24jährigen Markus G., der inzwischen im Kanton
Solothurn lebt, wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm
zu einer Busse von 1'000 Franken sowie einer bedingten Geldstrafe
von 50 Tagessätzen à 90 Franken. (Unklar bleibt, ob
das zweite Verfahren ebenfalls mit einem Schuldspruch endete oder
nicht.) Das Bezirksamt verfügt weiter auch die Vernichtung
von beschlagnahmten Propagandamaterial - neben vielen Tonträgern,
diversen Flugblättern, politischen Magazinen, Einladungen zu
Erntedankfesten auch Hefte der Nationalen Front und von Savitri
Devi, einer Vertreterin eines esoterischen Hitlerismus. Devi bestreitet
die Existenz von Gaskammern zur Vernichtung der europäischen
Juden und bezeichnet die Aussagen von KZ-Überlebenden als "jüdische
Lügen" . Der Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub
hatte im Jahr 2005 in seinem WotansWort Verlag einen Sonderdruck
publiziert .
In einem Mail an PNOS-Mitglieder demonstriert Markus G. im März
2007 seine ungebrochene nationalsozialistische Weltanschauung: "Wenn
jemand mitten in der deutschen Reichshauptstadt ein Denkmal verdient
hat, dann ist es der grösste Deutsche aller Zeiten mit seinen
treuen Mitkämpfern der Bewegung und dem tapferen Deutschen
Volk und seinen verbündeten europäischen Soldaten, die
bis zum Schluss gegen die vom Weltfeind aufgehetzten Mächte
gekämpft hat." Markus G., dessen Wirken bis anhin in der
Öffentlichkeit unbemerkt geblieben war, erwähnt in diesem
Mail auch, dass er auf dem beschlagnahmten Computer "Gestaltungsarbeiten
(Hefte, Bücher, Flugblätter, Internetseiten) für
mehrere namhafte Exponenten und Organisationen der heimattreuen
Bewegung" verrichtet habe .
Das Nachrichtenportal Freie Stimme veröffentlichte seit Mitte
2002 regelmässig Kommentare zum Zeitgeschehen aus einer nazifreundlichen
und rassistischen Perspektive, gelegentlich mit antisemitischen
Untertönen, gelegentlich mit Andeutungen, die Sympathien für
Holocaust-Leugner erkennen lassen. Wenn auch die Aktivitäten
des nationalkonservativen Lagers von der Freien Stimme meist wohlwollend
kommentiert wurden, so erntete doch Bundesrat Christoph Blocher
Kritik für seine Migrationspolitik: Er betreibe - wie seine
Partei SVP übrigens - ein "Doppelspiel", denn er
habe "immer wieder erklärt, dass die Schweiz Ausländer
und Einwanderung" brauche. Im Klartext: In der Ausländerpolitik
waren Blocher und SVP - zumindest für die Freie Stimme - nicht
konsequent genug.
Division Schweiz
Nicht mit Musik, sondern mit Kurzvideos will "Division Schweiz"
die politische Botschaft unter die Szeneleute bringen. Hinter diesem
Namen verbirgt sich wohl eine Einzelperson aus dem Raum Ostschweiz,
die allenfalls mit wenigen MitstreiterInnen zusammenarbeitet. Division
Schweiz wolle, so der Anspruch, "unabhängige Nationale
Filme" erstellen und den Kameraden auch aufzeigen, "das
wir nicht allein sind und um mehr kämpfen als nur um unsere
eigene Nation. Wir sind viel mehr als viele wissen mögen und
ganz anders als gehetzt wird." (Orthografie streng nach Original).
Das Projekt begann mit einem Video über eine Kundgebung in
Budapest, an der Rechtsextremisten jährlich im Februar der
Waffen-SS gedenken. Seither sind mehrere Berichte über Veranstaltungen
deutscher Rechtsextremisten erschienen und über das Internet
abrufbar, dazu kommt ein verklärender Beitrag über den
Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess. Seit Herbst 2007 ist Division
Schweiz daran, Filmporträts aller Kantone der Schweiz zu erstellen.
Die bis anhin publizierten Porträts verbreiten den biederen
Charme der Geistigen Landesverteidigung der 1930er-Jahre.
Politisch-kulturelle Aktivitäten
Verschiedene Aktivisten und Organisationen stützen sich auf
ein rechtsextremistisches Gedankengut, sie beteiligen sich jedoch
nicht an der institutionalisierten Politik, insbesondere nicht an
Wahlen. Durch Bildungs- und Vernetzungsarbeit wollen sie politisch-kulturelle
Ideologiearbeit machen, so die Avalon Gemeinschaft, so Gaston-Armand
Amaudruz mit seiner Zeitschrift Courrier du Continent, so auch das
Waadtländer Ehepaar Paschoud mit ihrer Zeitschrift Le pamphlet.
Auch der Cercle Proudhon war 2007 wieder aktiv: Anfang November
organisierte er einen Vortrag mit dem französischen Anwalt
und Holocaust-Leugner Eric Delcroix . Der Cercle Proudhon, zu dessen
wichtigsten Exponenten der Genfer Anwalt Pascal Junod gehörte,
war 1984 gegründet worden und hatte verschiedene gut besuchte
Veranstaltungen an der Universität Genf veranstaltet. Ab 1990
war der Cercle längere Zeit inaktiv , Anfang April 2001 organisierte
er einen Vortrag des französischen Rechtsextremisten Guillaume
Faye . Ob die Cercle-Aktivitäten weiterhin von Pascal Junod
getragen werden ist noch nicht bekannt. Junod ist - nachdem er für
eine Zeitlang bei der SVP aktiv gewesen war - 2007 als Vertreter
der SVP-Abspaltung Mouvement Citoyens Genevois MCG in die kantonale
Ausländerkommission gewählt worden .
Avalon Gemeinschaft
Die Avalon Gemeinschaft befleissigte sich jahrelang einer weit gehenden
Geheimhaltung, so dass über ihre Aktivitäten nur wenig
an die Öffentlichkeit drang. Anfang 2007 machte die Avalon
Gemeinschaft aber publik, dass bereits 2003 ihr langjähriger
Primus Roger Wüthrich aus persönlichen Gründen von
seinem Amt als "Präsident" zurückgetreten sei
. In der Zwischenzeit sei Adrian Segessenmann, wohnhaft in Kirchberg
bei Burgdorf, an seine Stelle getreten. Aus den Einträgen auf
der Avalon-Homepage kann man schliessen, dass die Gemeinschaft im
Jahr 2007 mindestens zwei Veranstaltungen durchgeführt hat.
Anfang Februar hielt Richard Melisch einen Vortrag , später
im Jahr referierte der 94-jährige Hajo Herrmann, einst Pilot
der Deutschen Wehrmacht.
Der neue Avalon-Primus Adrian Segessenmann, Jahrgang 1979, ist
ein langjähriger Aktivist im rechtsextremistischen Milieu.
Bereits als 16-Jähriger war er 1995 dabei, als Hammerskinheads
in Hochdorf ein antifaschistisches "Festival für Völkerverständigung"
angriffen. Zusammen mit Wüthrich organisierte Segessenmann
im Frühling 1999 auch jenen Vortrag über die Waffen-SS,
der dem Bundesgericht Anlass bot, bei der Anwendung der Rassismus-Strafnorm
das Tatbestandsmerkmal "Öffentlichkeit" neu zu definieren:
Öffentlich ist alles, was nicht im privaten Rahmen erfolgt.
Er führt heute den Buchversand "Neue Zeitenwende",
der seit bald zwei Jahren einschlägige Literatur verbreitet
- von Büchern, die die Waffen-SS verteidigen, bis zu den "Landser"-Heften,
welche die Kriegsgeschichte aus Sicht der Wehrmacht erzählen.
Mitte Juli 2006 liess er die Einzelfirma Thor Steinar ins Handelsregister
eintragen, deren Geschäftszweck der Verkauf der in der Neonaziszene
beliebten Kleider der Marke Thor Steinar ist. Diese Aktivitäten
hat er zwischenzeitlich wieder eingestellt, die Einzelfirma ist
wieder aus dem Handelsregister gelöscht worden.
Die Avalon Gemeinschaft wurde im Juli 1990 gegründet, mit
dabei waren unter anderem Roger Wüthrich, vorher Anführer
der Wiking Jugend Schweiz, weiter Andreas Gossweiler, in jenen Jahren
Mitglied in mehreren rechtsextremistischen Fronten . An ihren Versammlungen
findet man neben den bekannten Exponenten auch Ahmed Huber, einen
Islamisten, und Roger Wüthrich, Altfaschisten wie auch junge
Naziskins.
Recht + Freiheit, Ernst Indlekofer
Seit Dezember 2006 könne Recht+Freiheit "eine Zunahme
von Abonnenten" verzeichnen, behauptet die Zeitschrift Anfang
2007. Nichtsdestotrotz werden die Mitglieder angehalten, "diesen
Trend durch persönliche Empfehlungen" zu verstärken.
Indlekofer selber greift - gemäss einem Bericht des Beobachters
- manchmal auch zu eher rüden Methoden: Er drohe "den
ehemaligen Spendern seines Vereins Presseclub Schweiz mit rechtlichen
Schritten, falls sie nicht abermals bezahlen."
Offiziell wird Recht+Freiheit von einem Presseclub Schweiz herausgeben,
doch de facto ist der Basler Ernst Indlekofer , inzwischen bald
siebzig, weitgehend allein verantwortlich für das Heft, das
pro Ausgabe meist zehn Seiten umfasst. 2007 hat er vier Doppelnummern
herausgegeben. Zu den Autoren aus der Schweiz zählten 2007
(der inzwischen verstorbene) Max Disteli, Olten und Gaston Armand
Amaudruz. Auch dieses Jahr hat der Herausgeber die Vereinsmitglieder
zur "Mitgliederversammlung" gerufen, diesmal auf den 29.
September 2007. Wie in früheren Jahren wurden die Mitglieder
gebeten, "ihre persönliche Eintrittskarte" vorher
anzufordern. Wie in früheren Jahren drang von dieser Versammlung
nichts an die Öffentlichkeit.
Inhaltlich hat sich in Indlekofers Blättchen nicht viel verändert.
Er geifert gegen die Rassismus-Strafnorm und sympathisiert mit den
Holocaust-Leugnern. Mehrere Beiträge thematisieren und dokumentieren
die Teheraner Konferenz "Review of the Holocaust: Global Vision"
von Mitte Dezember 2006. Unter anderem publiziert er die Rede des
antizionistischen Rabbis Moishe Arye Friedman . Weiterhin verbreitet
Indlekofer einen kruden Mix aus Rassismus, Antisemitismus, Neonaziversatzstücken
und Verschwörungsfantasien. Zur Dokumentation nur ein Beispiel:
"Die Hochfinanz will die EU, ihr treibender Motor ist der US-Vasallenstaat
BRD. Und sie will auf dem Weg zur Weltherrschaft die Völkervermischung
mit Ausnahme Israels. Wenn unser Volk die Wahrheit wüsste,
wäre der Einwanderungslobby längst der Garaus gemacht
worden und das dumme Toleranzgeschwätz verebbt."
Im August 1998 eröffneten die Basel-städtischen Strafbehörden
gegen Indlekofer ein Verfahren wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm.
Nach über neun Jahren ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen.
Ende März 2006 stellte das Strafgericht Basel das Verfahren
zwar ein, da die Untersuchungsbehörden das "Beschleunigungsgebot"
verletzt hätten. Die Staatsanwältin rekurrierte gegen
diesen Entscheid, das Strafgericht verschickte die schriftliche
Urteilsbegründung jedoch erst Ende November 2007.
Courrier du Continent, Gaston Armand Amaudruz
Gaston Armand Amaudruz, inzwischen 86-jährig,
war Zeit seines Erwachsenenlebens ein Aktivist für Nationalsozialismus
und Rassismus , noch immer publiziert er regelmässig sein hektografiertes
zwölfseitiges Blättchen Courrier du continent. Der Inhalt
bleibt seit Jahren gleich, in einem ersten Teil "Bloc-Notes"
veröffentlicht Amaudruz Zitate aus Zeitungen, gelegentlich
mit hämischen Kommentaren versehen. Die "Bloc-Notes"
vermitteln jedoch auch Hinweise (samt Bezugsadressangaben) auf neu
erschienene rechtsextremistische Hefte und Bücher und leisten
daher Vernetzungsarbeit. Dazu kommen regelmässige Rubriken
wie "Kriminalität" oder "Lois-Baillons"
- wie Amaudruz die Rassismus-Strafnorm zu nennen beliebt. Dazu kommen
Texte von MitarbeiterInnen wie Giuseppe Patanè, Yann Woltering,
Martine Boimond. Zu den Schreibern gehört 2007 auch der französische
Holocaust-Leugner Robert Faurission, der in mehreren Artikeln über
angebliche zwanzig Erfolge von Holocaust-Leugnern berichtet . Die
letzte Seite bestreitet Amaudruz mit einem Leitartikel, in dem er
seine rassistischen, antisemitischen und Holocaust leugnenden Auffassungen
verbreitet. Mehrere dieser Kommentare haben Amaudruz vor einigen
Jahren zwei dreimonatige Gefängnisaufenthalte eingetragen.
Der Courrier du continent erschien erstmals 1946. Anfang der 1950er-Jahre
übernahm Amaudruz das Heft. Während Jahrzehnten war das
hektografierte Blättchen das offizielle Organ der NOE, einer
rassistischen Kleinorganisation, zu deren wichtigsten Exponenten
Amaudruz selbst gehörte. Es erscheint heute in einer Auflage
von mehreren hundert Exemplaren.
Le Pamphlet aus dem Hause Paschoud
Im Dezember 2007 verkündete Mariette Paschoud in der Zeitschrift
Le Pamphlet, die sie zusammen mit ihrem Ehemann Claude herausgibt,
sie sei nun pensioniert, laufe nicht mehr Gefahr, die Stelle zu
verlieren. Sie erlaube sich nun grössere Freiheit bei der Auswahl
der Stoffe . Sie kündigt die Einführung einer Rubrik "Les
nouvelles aventures
" an, die Informationen zum "Revisionismus"
verbreiten wolle, "die einen Teil der Leser" interessieren
könnten. In der Tat, bereits in der vorherigen Ausgabe hatte
Paschoud das Gerichtsverfahren gegen den kanadischen Holocaust-Leugner
Ernst Zündel aufgegriffen, dieses sei nicht ehrenhaft und "selbst
jene Gegner des Revisionismus, die sonst vernünftig und abwägend"
seien, würden ihr in diesem Punkt recht geben . Sie zitiert
auch aus einem Brief Zündels, in dem dieser "von gemeinsamen
Freunden und Bekannten" schreibt. Sie beklagt weiter, dass
die AUNS vor Jahren Holocaust-Leugner ausgeschossen habe. Sie begrüsst
auch Blochers Vorstoss zur Änderung der Rassismus-Strafnorm.
Zuerst hätte, so meint Paschoud, "Herr Blocher" von
den Freuden der Rassismus-Strafnorm kosten müssen, "dass
die Dinge sich zu verändern beginnen." Es sei zu hoffen,
dass "es nicht zu spät" sei .
Auch Mitherausgeber Claude Paschoud vertritt Einschätzungen
mit zumindest antisemitischen Untertönen, so behauptet er,
die Rassismus-Strafnorm schütze nur das Andenken an einen Völkermord,
"nämlich genau jenen, der noch heute den Anspruch Israels
an Reparationszahlungen" begründe ." Wie Nazis oder
Naziapologeten behauptet Paschoud auch, dass die Rassismus-Strafnorm
als "allgemeines und absolutes Verbot die Dogmen des Nürnberger
Prozesses in Frage stelle."
Im übrigen verbreitet "Le Pamphlet" in erster Linie
Texte aus dem Diskussionszusammenhang von Rechtskatholiken und Nationalkonservativen,
immer wieder finden sich aber auch Texte mit antisemitischen, antimuslimischen
oder ausländerfeindlichen Anspielungen bis hin zur lobenden
Erwähnung von Rechtsextremisten wie Jean Marie Le Pen und seines
Front National. Vor allem aber finden sich immer wieder polemische
Aussagen gegen Menschen, die gegen Rassismus oder gegen die Verschärfung
des Ausländer- und des Asylrechtes eintreten. Zu den Autoren
zählen neben den Paschouds noch Michel de Preux, Gérald
Berruex, auch mehrere anonyme Schreiber, so Max L'Impertinent, Pollux
und Iratus.
Le Pamphlet, gegründet von Claude Paschoud, erscheint seit
1970. Grössere öffentliche Beachtung erntete das Blättchen,
das auch schon eine Auflage von 2'000 Exemplaren erreichte, durch
einen Auftritt von Mariette Paschoud. Die (damalige) Mittelschullehrerin
trat 1986 in Paris an einer Pressekonferenz des Holocaust-Leugners
Henri Roques auf und äusserte "Zweifel an der Existenz
der Vergasungskammern in Konzentrationslagern." Sie wäre
1991 beinahe dennoch zum Major des Militärischen Frauendienstes
befördert worden, nur heftiger publizistischer und politischer
Protest verhinderte den Karrieresprung. Ein von Mariette Paschoud
angestrengter Ehrverletzungsprozess gegen einen Redaktor des Bieler
Tagblattes, der Paschoud "braune Mariette" genannt hatte,
führte zu einem fatalen Eigentor für die Holocaust-Leugner.
Das Bundesgericht hielt nämlich in einem bis heute gültigen
Grundsatzurteil fest: "Die Forderung nach einem einzigen Beweis
für die Existenz von Gaskammern ist indessen angesichts des
vorhandenen Beweismaterials derart absurd, dass sich, auch wenn
andere Motive theoretisch immer denkbar sind, der Schluss auf eine
Sympathie zum nationalsozialistischen Regime in einem Masse aufdrängt,
welches für das Gelingen des Wahrheitsbeweises ausreicht, zumal
der Schluss aus äusseren Umständen (Handlungen, Äusserungen)
auf innere Tatsachen (Absichten, Motive) naturgemäss kein naturwissenschaftlich
exakter sein kann."
Holocaust-Leugner
Holocaust-LeugnerInnen bestreiten drei offensichtliche historische
Tatsachen: erstens dass es einen Plan zur Ermordung der europäischen
Juden gegeben habe; zweitens dass Gaskammern zur Ermordung der Opfer
gebaut worden seien; und drittens dass die Zahl der durch die nationalsozialistische
Judenverfolgung umgekommenen Jüdinnen und Juden mehrere Millionen
betrage. Im Spätherbst 2005 wurde ein massgeblicher Teil der
Infrastruktur der Holocaust-Leugner lahm gelegt: Durch die Verhaftung
und Auslieferung von Germar Rudolf wurde der grösste und zweisprachig
publizierende Verlag inaktiv, ebenso die wichtigste sowohl deutsch
wie englisch erscheinende Szene-Zeitschrift und die materialreichste
Internet-Homepage. Mehrere wichtige Exponenten wie Germar Rudolf
und Ernst Zündel sind im Jahr 2007 verurteilt worden, Zündel
zu fünf Jahren Gefängnis, Rudolf zu zwei Jahren und sechs
Monaten. Es ist den Holocaust-Leugnern nicht gelungen, diese Verurteilungen
in der Öffentlichkeit zu skandalisieren.
Explizite öffentliche Unterstützung erhält die Internationale
der Holocaust-Leugner in der Schweiz von der Partei National Orientierter
Schweizer PNOS. Die Partei forderte "Freiheit" für
den verurteilten Ernst Zündel, den sie - in der Art deutscher
Neonazis - als Opfer der "Besatzerjustiz" bezeichnet.
Die Holocaust-Diskussion habe zwar, so die PNOS weiter, für
sie "keinerlei politische Relevanz." In antisemitischer
Weise behauptet die Partei jedoch, der Holocaust verkörpere
"einen moralischen Knüppel in den Händen einiger
Hundertschaften, die den Holocaust dahingehend instrumentalisieren,
um ihre Macht durch die Akkumulation von Kapital und das Erpressen
von Milliardenbeträgen zu zementieren."
Die ersten Schweizer Holocaust-Leugner traten Anfang der 90er-Jahre
an die Öffentlichkeit. Während des Referendumskampfes
um die Einführung der Rassismus-Strafnorm (1994) organisierten
sich die vier Hauptexponenten Jürgen Graf, Arthur Vogt, Andres
J. Studer und Bernhard Schaub, zuerst in der "Arbeitsgemeinschaft
zur Enttabuisierung der Zeitgeschichte (AEZ)", später
umbenannt in "Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Zeitgeschichte
(AEZ)". In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre reduzierte
die AEZ ihre Aktivitäten, woraufhin sich die Deutschschweizer
Holocaust-Leugner mit Westschweizer Gesinnungskameraden zur Vereinigung
Vérité et Justice zusammentaten . Dieser Verein wurde
im März 2002 vom Bezirksgericht Veveyse in Châtel-Saint-Denis
gerichtlich aufgelöst und hat inzwischen seine Aktivitäten
eingestellt. Der ehemalige Vereinssekretär René-Louis
Berclaz, der trotz der Auflösung die Vereinsaktivitäten
weiter betrieb, wurde im Herbst 2006 in Rumänien zuerst verhaftet,
dann unter Hausarrest gestellt. Die Untersuchungsbehörden ermittelten
unter anderem wegen rassistischer Propaganda und unerlaubtem Waffenbesitz.
Im Sommer 2007 berichtet die Freiburger Tageszeitung La Liberté,
dass Vérité et Justice in Rumänien wieder auferstanden
sei, ohne allerdings von neuen Aktivitäten zu berichten . Im
Herbst 2007 kehrte Berclaz in die Schweiz zurück. Gemäss
seinen Angaben habe es weder einen Prozess gegeben, noch habe er
eine Busse zahlen oder eine Kaution hinterlegen müssen .
Die Schweizer Holocaust-Leugner - mit Ausnahme von Bernhard Schaub
und Philippe Brennenstuhl - haben 2007 in der Schweiz keine Aktivitäten
mehr entfalten können. Jürgen Graf und Andres J. Studer
verliessen das Land bereits vor Jahren, um unbedingten Gefängnisstrafen
zu entgehen. Vom Netz verschwunden ist 2007 auch die "Wilhelm-Tell-Site",
der Internet-Auftritt der Schweizer Holocaust-Leugner, nachdem er
bereits seit mehreren Jahren inhaltlich nicht mehr weitergeführt
worden war.
Jürgen Graf
Jürgen Graf, der vor einigen Jahren sich einer unbedingten
Gefängnisstrafe durch Flucht ins Ausland entzog, lebt weiterhin
in Russland. Im Jahr 2007 veröffentlichte er zwar kein Buch,
jedoch mehrere Texte, unter anderem eine heftige Kritik am französischen
Rechtsextremisten Guillaume Faye, nachdem dieser über die Holocaust-Leugner
geschrieben hatte, "dass ihr Kampf eine vollkommen unnütze,
ineffiziente und kontraproduktive Halbwüchsigen-Marotte und
ausserdem mit schweren methodologischen Fehlern sowie ideologischen
Vorurteilen" behaftet sei . Diese niederschmetternde Einschätzung
hat Graf offensichtlich geärgert, in seiner Replik griff er
Faye heftig persönlich an. Grafs Text endet mit antisemitischen
Tiraden, wie sie in der Zwischenkriegs- und Kriegszeit in Deutschland
üblich waren. Graf schreibt: "Das Misstrauen gegenüber
ihren Gastvölkern, der Hass auf die europäische Zivilisation
im allgemeinen und das Christentum im besonderen ist dermassen tief
in der kollektiven jüdischen Psyche verankert - selbstverständlich
gibt es zahlreiche Juden, welche diese Gefühle persönlich
nicht teilen! -, dass die jüdische Gemeinschaft in jeder beliebigen
europäischen Gesellschaft versuchen wird, ihr Zerstörungswerk
weiterzuführen, selbst wenn dies zu einer Islamisierung führt,
welche die Juden tödlich bedroht!" In einem weiteren Text
lobte Graf einen russischen Rassentheoretiker und anerkannte insbesondere,
dass dieser den "Rassentheoretikern des Dritten Reiches gebührende
Anerkennung" zolle .
Im Januar 2007 veröffentlichte Graf auch einen Text in der
PNOS-Parteizeitung Zeitgeist, in dem er behauptet, dass "ausnahmslos
alle auf Grund des Antirassismusgesetzes' gefällten Urteile,
ganz besonders aber jene gegen Revisionisten, rechtswidrig"
seien . Grafs Einfluss auf die Schweizer Rechtsextremisten-Szene
ist ansonsten nach seiner Flucht nachhaltig zurückgegangen.
Bernhard Schaub
Der Holocaust-Leugner Bernhard Schaub ist zurzeit der einzige in
der Schweiz wohnhafte Rechtsextremist, der seit längerem auch
in Deutschland tätig ist. Im November 2003 gehörte er
zu den Mitbegründern des Vereins zur Rehabilitierung der wegen
Bestreitens des Holokaust Verfolgten VRBHV. Er wird dessen Präsident
und tritt über Jahre hinweg öfters in Deutschland als
Vortragsredner auf, sowohl bei der Nationaldemokratischen Partei
Deutschlands NPD wie auch bei radikaleren Freien Kameradschaften.
Im Dezember 2006 nimmt er als VRBHV-Repräsentant an der Teheraner
Holocaust-Leugner-Konferenz teil, hält einen einschlägig
beachteten Vortrag und wird nach Konferenzabschluss auch Mitglied
einer fünfköpfigen Kommission, die weitere Aktivitäten
vorbereiten sollte. Von irgendwelchen Resultaten ist bis anhin nichts
an die Öffentlichkeit gelangt.
In der Schweiz bäckt Einzelkämpfer Schaub kleine Brötchen.
Im Herbst 2006 verteilt er in seiner Wohngemeinde und in Arlesheim
Holocaust leugnende Flugblätter. Mitte November 2007 verurteilt
ihn das Amtsgericht Dornach-Thierstein zu einer bedingten Freiheitsstrafe
von 80 Tagen .
Schaub hat in den vergangenen Jahren den Aufbau einer "Nordischen
Gymnastik", die sich einerseits aus anthroposophischen, andererseits
aus nazistischen Quellen bedient, betrieben. Im Sommer 2007 führte
er in den Bündner Bergen ein Sommerseminar durch . Im Herbst
2007 verschwindet Schaubs Nordische-Gymnastik-Homepage vom Netz.
Philippe Brennenstuhl
Der Westschweizer Philippe Brennenstuhl trat zuerst als Gehülfe
von Holocaust-Leugnern in Erscheinung, unter anderem als Kassier
des Vereins Vérité et Justice, der in der Zwischenzeit
gerichtlich aufgelöst worden ist . In diesem Zusammenhang wurde
Brennenstuhl auch selbst wegen Leugnung des Holocausts zu einer
unbedingten Gefängnisstrafe verurteilt.
In der Zwischenzeit ist der kahlköpfige Brennenstuhl zu einem
politisch irrlichternder Pamphletist geworden, der in der rechtsextremen
Szene allerdings einige Beachtung erhält. Am 5. August hielt
er an der PNOS-August-Feier auf dem Rütli eine Freimaurer feindliche
Rede, am PNOS-Parteitag Ende November wurde eine Rede verlesen,
die Brennenstuhl Anfang September 2007 in Jena am "Fest der
Völker" nicht hatte halten können. Behörden
beschäftigt er mit aggressiven Eingaben, insbesondere gegen
die Verantwortlichen der Rütlikommission, verantwortlich für
die Organisation der 1. August-Feier auf dem Rütli.
Nur: So irrlichternd kann kein Rechtsextremist in der Schweiz sein,
dass er nicht noch Unterstützung von einem SVP-Exponenten erhält.
In einem Leserbrief kritisierte der Schwyzer JSVP-Sekretär
Bernhard Diethelm Ende Januar 2007 zuerst, dass man "mit übertriebenen
polizeilichen Massnahmen und Kosten von über einer Million
Franken am 1. August 2006 den Zugang für Rechtsextremisten"
zum Rütli eingeschränkt habe. "Nur richtig also,
wenn der zuständige Schwyzer Justiz- und Polizeiverantwortliche
Regierungsrat Alois Christen eine Strafklage unter anderem wegen
Freiheitsberaubung, Amtsmissbrauch und Nötigung am Hals hat.
In diesem Zusammenhang gratuliere ich Herrn Brennenstuhl, der sich
die Mühe und die Zeit genommen hat, gegen diese Fehlleistungen
seitens der Rütlikommission und des zuständigen Regierungsrats
zu opponieren. Seine Broschüre "Der Verrat - 1. August
2006 auf dem Rütli" verdient die grösste Anerkennung."
Selbstverständlich versucht sich Diethelm nachher herauszureden,
auf einen kritischen Bericht im Bote der Urschweiz reagiert er gar
mit einer - später vollständig abgewiesenen - Eingabe
an den Presserat .
Nach rechts immer offen
Die Übergänge zwischen Rechtsextremismus und nationalkonservativen
Bewegungen sind fliessend, auch in der Schweiz. Gelegentlich verwendet
die SVP auch Begriffe aus rechtsextremistischen Zusammenhängen,
beispielsweise wenn sie die politischen Gegner als "Systemparteien"
zu diskreditieren versucht, so SVP-Parteipräsident Ueli Maurer
nach der Abwahl von SVP-Bundesrat Christoph Blocher . Insgesamt
will die SVP sich mit Tendenzen rechts von ihrer eigenen Partei
nicht anlegen, so wie es neben Blocher auch SVP-Nationalrat Christoph
Mörgeli bereits vor Jahren erklärte: "Eine demokratische
Partei rechts von der SVP sollte es nicht geben." Später
fügte er noch an: "Wen man beerben will, behandelt man
so freundlich wie eine Erbtante. " Tatsache ist, dass die SVP
andere Rechtsaussenparteien aufgesogen (Freiheitspartei) oder verdrängt
(Schweizer Demokraten) hat . Manchmal lässt sich ein SVP-Exponent
auch die Gelegenheit nicht entgehen, um im rechtsextremen Umfeld
aufzutreten, beispielsweise Ulrich Schlüer, als er im Dezember
2006 in München bei von der Burschenschaft Danubia organisierten
Gesprächsrunde auftrat. Einschätzung des Verfassungsschutzes:
"eine erwähnenswerte rechtsextremistische Organisation.
"
Allerdings kann die nachgewiesene Zusammenarbeit mit Neonazis immer
noch eine junge Politikerkarriere schnell beenden. So geschah es
Roland Wagner, Vizepräsident der Schweizer Demokraten Schweiz,
nachdem er in einem Schützenhaus deutschen Neonazis die Handhabung
des Schweizer Sturmgewehres beigebracht hatte. Kurz nach der Publikation
von Medienberichten trat er von seinem Parteiamt zurück . Die
Kandidatur für den Nationalrat konnte er allerdings nicht mehr
zurückziehen. Die SD erreichte im Kanton Aargau gerade noch
0,66 Prozent, Wagner im ganzen Kanton 2067 Stimmen.
Fazit
Rechtsextremismus blieb auch 2007 in der Schweiz eine gesellschaftliche
und politische Realität, die jedoch gerne von nationalkonservativen
Exponenten negiert oder zumindest verharmlost wird. Die Szene ist
zwar insgesamt marginal, doch ist sie zahlenmässig so stark
wie seit 1945 nicht mehr. Die Subkultur der Naziskinheads als anteilsmässig
grösste Untergruppe ist 2007 - wenn überhaupt - nur wenig
gewachsen. Vor allem in Kleinstädten und in Dörfern treten
rechtsextremistische Cliquen und/oder Gruppen auf, zu deren Feindbilder
sowohl Linke wie Ausländer' zählen. Die Naziskin-Subkultur
verfügt über ein stabiles Netz von Szene-Angeboten wie
Musikgruppen und Konzerte. Kontinuierlich weiter arbeiten jene Organisationen
und Einzelpersonen, die rechtsextremistisches Gedankengut durch
politisch-kulturelle Aktivitäten - jedoch nicht durch die Teilnahme
an der institutionalisierten Tagespolitik - vorantreiben wollen.
Allerdings sind diese HauptexponentInnen bereits betagt, so dass
ihre Projekte über kurz oder lang wohl von der Bildfläche
verschwinden werden. Aussergewöhnlich ist, dass erstmals eine
rechtsextremistische Organisation ausschliesslich von und für
Frauen entstanden ist. Die rechtsextremistische Szene verfügt
inzwischen über eine politische Kraft, die Partei National
Orientierter Schweizer PNOS. Noch nie seit 1945 konnte sich eine
rechtsextremistische Partei/Gruppe so lange halten. Kaum noch in
Erscheinung - mit Ausnahme zweier Einzelkämpfer - treten die
Schweizer Holocaust-Leugner. In einem Teil der Schweizer Rechtsextremistenszene
hat sich jedoch den Holocaust leugnendes bzw. verharmlosendes Gedankengut
festgesetzt.
Luzern, 15. Januar 2008
Hans Stutz
Der Text - erweitert mit Fussnoten und Literaturangaben - erschien
in "Rassismus in der Schweiz, Ausgabe 2007".
Alle Rechte beim Verfasser.
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