1996
    PNOS: Freiheit für Holocaust-Leugner
    Die rechtsextremistische Partei National Orientierter Schweiz PNOS bemüht seit einiger Zeit sich in einen Mantel politischer Rechtschaffenheit zu hüllen. Aber von Zeit zu Zeit zeigt sie ihren weltanschaulichen Kern unverhüllt.
 
 

Letztmals vergangenen Woche, als sie unmittelbar nach der Verurteilung des kanadisch-deutschen Holocaust-Leugners Ernst Zündel dessen "Freiheit" forderte. Der 67jährige Zündel, der seit Mitte der 90er-Jahre von Kanada aus eine ausführliche Internet-Seite mit einschlägigem Angebot geführt hatte, war am Donnerstag in Mannhein/Deutschland Landgericht wegen Volksverhetzung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. In der Urteilsbegründung hatte der Richter befunden, Zündel sei "ein gefährlicher politischer Agitator, Hetzer und Brandredner", der eine "Rückkehr in das faschistische Staatswesen" anstrebe. Auf diese Begründung geht die PNOS nicht ein, hingegen erachtet sie in antisemitischer Weise den Holocaust als "moralischen Knüppel in den Händen einiger Hundertschaften", die den Völkermord an den Jüdinnen und Juden, instrumentalisieren würden, "um ihre Macht durch die Akkumulation von Kapital und das Erpressen von Milliardenbeträgen zu zementieren." Analog zu den deutschen Rechtsextremisten beschimpft die PNOS die deutsche Rechtsprechung als "Besatzerjustiz", 62 Jahre nach dem Fall des nationalsozialistischen Regimes hätten "Totalitarismus und Despotie in Deutschland wieder Einzug gehalten."

Hans Stutz
Alle Rechte beim Verfasser

Dieser Text erschien leicht bearbeitet in Die Wochenzeitung WOZ, 22. Februar 2007 und Tachles, 23. Februar 2007