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Aarau, Interlaken, Küssnacht am Rigi, an diesen drei Orten
waren Schweizer Rechtsextremisten am 1. Mai aktiv. An allen drei
Orten verbanden sie Kritik an Kapitalismus und Globalisierung mit
nationalistischen beziehungsweise rassistischen Vorstellungen. In
Aarau bemerkten die organisierenden GewerkschafterInnen allerdings
zuerst nicht, wer sich in ihren Kundgebungszug eingereiht hatte.
Unter dem Transparent «Gemeinsam gegen Globalisierung. Wirtschaft
für das Volk» lief eine Gruppe der «Nationalen
Kräfte Aargau».
Gemäss einem Eintrag auf der Website der Partei national orientierter
Schweizer (Pnos) sind diese «Nationalen Kräfte Aargau»
«ein Aktionsbündnis aus Exponenten der Pnos, der Schweizer
Demokraten und freien Nationalen Aktivisten». Das Flugblatt
war den Umständen entsprechend zurückhaltend formuliert
und forderte die «Nationalisierung der Wirtschaft»,
womit nicht Verstaatlichung gemeint ist, sondern die protektionistische
Abschottung. Antisemiten werden sich in ihren Vorstellungen bestätigt
finden durch die Kritik der «Zinsherrschaft» und die
Frage, ob «der Zins (Umverteilung von unten nach oben) wirklich
ein Segen für die Menschheit» sei.
Bereits einige Tage vorher hatte die Pnos ein Flugblatt ins Netz
gestellt, auf dem es hiess, der 1. Mai sei «der Kampftag der
Arbeiterschaft gegen das nomadische Grosskapital». Wobei «nomadisch»
auch hier als Codewort für «jüdisch» verstanden
werden kann. Leichter zu dechiffrieren war die Forderung «Heimführung
der Sozialdrücker und Billiglohnarbeiter» - was so viel
heisst wie «arme Ausländer raus».
Demos vor «McDonalds»
Flugblätter verteilten Pnos-Exponenten und «freie Aktivisten»
auch in Interlaken, dazu entrollten sie vor den Filialen von «McDonalds»
und Benetton ein Transparent mit der an sich unterstützungswürdigen
Forderung «freie Menschen statt freie Märkte».
In seinem Bericht über die Aktion kritisiert Mario Friso, Pnos-Sektionsvorsitzender
Berner Oberland, zuerst, in den «McDonalds»-Filialen
würden «vorwiegend MigrantInnen und ArbeiterInnen ohne
Berufsbildung zu einem Hungerlohn angestellt». Grobschlächtig
rassistisch begründet Friso hingegen die Kundgebung gegen den
Kleiderfabrikanten (Slogan: «United Colours of Benetton»),
dieser Konzern stehe «für Völkermischung und die
Zersetzung organisch gewachsener Völker und Rassen» und
sei «Inbegriff der kulturellen und völkischen Bastardisierung
und Ausbeutung von Minderheiten».
Auch in Küssnacht am Rigi nahmen die Pnos-Exponenten Rücksicht
auf die lokalen Gepflogenheiten. In die Briefkästen steckten
sie ein Flugblatt mit der Parole «raumorientierte Volkswirtschaft
gegen internationales Grosskapital». Den Kapitalismus kritisierten
sie hier aus gewerblicher Sicht: «Heimische Betriebe werden
durch die herrschende Politik dem internationalen Preisdruck schutzlos
preisgegeben.» Einerseits riefen sie dazu auf, bei den «nächsten
Besorgungen mal die heimischen Dorfbetriebe den internationalen
Grossunternehmen» vorzuziehen, andererseits forderten sie
auch die «Absage an die multikulturellen Wahnvorstellungen
und somit Rückführung der Billiglohnarbeiter».
Seit dem 11. September 2001
Die Schweizer Rechtsextremisten bewegen sich mit diesen Aktionen
in bekannten politischen Bahnen. Bereits im Frühjahr 2004 hatte
der deutsche Autor Anton Maegerle in seinem Buch «Globalisierung
aus Sicht der extremen Rechten» festgestellt, dass sich der
deutschsprachige Rechtsextremismus seit dem 11. September 2001 «systematisch
zur Globalisierung» geäussert habe. Massenarbeitslosigkeit
und soziale Not würden von den «Gegnern der Demokratie,
Gewaltenteilung und Menschenrechten» instrumentalisiert. Über
das Vehikel der Angst vor dem sozialen Abstieg sollten nationalistische
Ziele vorangetrieben werden. In diesem Nationalismus vereinigen
sich Fremdenhass, Agitation gegen fremde Kultureinflüsse und
Polemik gegen Überfremdung durch eine multikulturelle Gesellschaft.
Hans Stutz
Die Wochenzeitung WOZ, 10. Mai 2007
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