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Anfang 2006 hatte der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad,
der zuvor mehrmals öffentlich den Holocaust bezweifelt hatte,
eine internationale «Holocaust-Konferenz» angekündigt.
Nachdem sie zweimal aus undurchsichtigen Gründen verschoben
worden war, fand sie nun am Montag und Dienstag dieser Woche in
Teheran statt, mit insgesamt 67 TeilnehmerInnen aus dreissig Ländern.
Neben iranischen Offiziellen und WissenschaftlerInnen traten RednerInnen
aus einigen islamischen Ländern wie Algerien, Indonesien oder
Bahrain auf, dazu eine ganze Reihe bekannter Holocaust-Leugner,
unter ihnen der Franzose Robert Faurisson, der Österreicher
Wolfgang Fröhlich, der Australier Frederik Toeben, aber auch
der ehemalige Exponent des rassistischen Geheimbundes Ku-Klux-Klan
David Duke aus den USA.
Deckert muss zu Hause bleiben
Es konnten allerdings nicht alle, die möglicherweise wollten,
auch kommen: Dem früheren Bundesvorsitzenden der Nationaldemokratischen
Partei Deutschlands (NPD), Günther Deckert, entzogen deutsche
Gerichte Ende November den Reisepass, damit er nicht in die iranische
Hauptstadt reisen konnte. Angekündigt auf einem ersten Tagungsprogramm
war auch Norman Finkelstein, der den Völkermord an den JüdInnen
nicht leugnet, jedoch dessen politische Instrumentalisierung kritisiert.
Finkelstein hat es offenbar vorgezogen, nicht aufzutreten.
Ein anderer allerdings nahm den weiten Flug auf sich. Gemäss
dem erst nachträglich veröffentlichten Programm sass am
Dienstagmorgen auch der Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub
auf dem Podium. Seine Rede war bereits am Sonntag auf eine einschlägige
deutsche Internetplattform geschaltet worden. In seiner Ansprache
lobte der erste Vorsitzende des Vereins zur Rehabilitierung des
wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten (VRBHV) den iranischen
Präsidenten, der «den Kampf gegen den Holocaust-Mythos
aufgenommen» habe. Schaub sprach dann von einem «Dickicht
von Gräuelpropaganda», mit dem «das wehrlos gemachte
Deutschland» seit sechzig Jahren überzogen werde. Er
schloss seinen Vortrag mit einem Aufruf, die europäischen Holocaust-Leugner
möchten «allen hier im islamischen Raum» zurufen,
sie hätten «denselben Feind». Es sei «der
Menschenverderber, der mit Hilfe des amerikanischen Kampfelefanten
die ganze Welt dem jüdischen Kapital unterwerfen und alle eigenständigen
Völker, Kulturen und Religionen vernichten» wolle. Im
Klartext: Schaub hielt eine antisemitische und nazifreundliche Rede.
Dank an Blocher
Lobende Worte fand Schaub dagegen für Bundesrat Christoph
Blocher und dessen Partei, die SVP. Blocher habe, so Schaub, «den
grossen Schritt» angekündigt, er wolle den Tatbestand
der Genozid-Leugnung aus dem Strafbuch entfernen, die SVP habe beschlossen,
allenfalls gegen die Rassismusstrafnorm eine Volksinitiative zu
starten. «Ermutigende Zeichen» nennt Schaub diese Absichtserklärungen.
Schaubs Teheraner Rede könnte ihm in der Schweiz juristischen
Ärger eintragen. Die Aktion Kinder des Holocaust AKdH hat gegen
ihn eine Anzeige eingereicht. Im Kanton Solothurn läuft gegen
Schaub bereits eine Strafuntersuchung wegen Widerhandlung gegen
die Rassismusstrafnorm, nachdem dieser Ende Oktober ein Flugblatt
des VRBHV in Dornach und Arlesheim verteilt hatte. ·
Hans Stutz
Die Wochenzeitung WOZ, 14. Dezember 2006
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