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Am 1. August 2006 kontrollierte ein starkes Polizeiaufgebot alle
Zugänge zum Rütli und damit zur traditionellen Feier zum
Nationalfeiertag. Die Rütlikommission der Schweizerischen Gemeinnützigen
Gesellschaft SGG, hatte - endlich - auf die rechtsextremistische
Beanspruchung der Bundesfeier reagiert. Erstmals hatten sich 1996
vereinzelte Rechtsextreme an der Feier bemerkbar gemacht, in den
folgenden Jahren erschienen jedes Jahr mehr von ihnen, meist Naziskinheads,
aber auch Holocaust-Leugner. Im Jahr 2000 pfiffen sie den damaligen
Festredner Bundesrat Kaspar Villiger aus , der Aufmarsch erhielt
danach erstmals breite öffentliche Beachtung, das Boulevard-Blatt
"Blick" prägte den Ausdruck "Die Schande vom
Rütli". Seither wird Rechtsextremismus in der Schweiz
als gesellschaftliches Problem vermehrt wahrgenommen.
Doch die Rütlifeier-Organisatoren blieben bei der traditionellen
Form - mit den Versatzstücken der rückwärtsgewandten
Sonderfallideologie: Abschottung nach aussen, Betonung der bäuerischen
Vergangenheit und Ausgrenzung von Ausländern und Nichtbürgerlichen.
Erst nachdem am 1. August 2005 fast die Hälfte der Anwesenden
auf dem Rütli mit den Rechtsextremisten standen und den Redner,
SVP-Bundesrat Samuel Schmid, auspfiffen und beschimpften, wenn dieser
von "Integration", "Demokratie" und "Religionsvielfalt"
sprach, sah die Rütlikommission Handlungsbedarf. Im Januar
verkündete sie, dass 2006 BesucherInnen der Bundesfeier nur
mit einem Ticket auf die Wiese gelassen würden und man Rechtsextremisten
fernhalten wolle. Resultat der hilflosen Bemühungen: Ein paar
wenige Rechtsextremisten schafften den Zugang zum Rütli, wurden
aber weg gewiesen. Ingesamt kamen viel weniger Besucher, die Feier
blieb stimmungslos, und die hohen Sicherheitskosten ärgerten
die Kantonsregierungen von Uri und Schwyz.
Rechtsextremisten waren am Nationalfeiertag trotzdem nicht untätig
geblieben. Am Morgen hatte rund eine Hundertschaft von ihnen versucht,
auf das Schloss Lenzburg vorzudringen, wo Bundesrat Samuel Schmid
eine Rede hielt. Am Nachmittag formierten sie - nach einer Ansprache
von SVP-Bundesrat Christoph Blocher - einen Umzug durch Uster. Am
Abend feierten sie dann in Trüllikon bei Andelfingen, nachdem
sie vorher in einem Fackelzug durch das Dorf defiliert waren . Der
1. August ist in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Tag für
das rechtsextremistische Milieu der Schweiz geworden.
Gegen die aufwändige Vereitelung des Rütli-Aufmarsches
wurde Kritik laut, insbesondere von Exponenten des nationalkonservativen
Lagers. Einzelne verharmlosten dabei die rechtsextremistische Lage
insgesamt. Bereits im Vorfeld sprach der SVP-Nationalrat und AUNS-Geschäftsführer
Hans Fehr von "einigen pubertären Spinnern und ihren Mitläufer"
. Ein bezeichnender Vorgang: Immer wieder sind es SVP-Vertreter,
die entweder die Gefahren und Auswirkungen des Rechtsextremismus
verharmlosen oder Engagierte gegen Rechtsextremismus angreifen.
Fakt ist: Der Schweizer Rechtsextremismus gedeiht im grossen Schatten
des nationalkonservativen Lagers, dieses liefert - mit diskriminierenden
Kampagnen - die Zielopfer des Hasses.
Seit Mitte der 80er Jahre und mit dem Aufkommen der nationalkonservativen
Bewegung haben sich in einem Teil der Schweizer Gesellschaft nationalistische
- gelegentlich rassistisch motivierte - Deutungsmuster für
gesellschaftliche und soziale Probleme aller Art festgesetzt, seien
es beispielsweise die sozialen Folgen illegaler Drogen oder Bildungsprobleme
in den Volksschulen. Neben einigen Kleinparteien fördert auch
die Regierungspartei SVP mit diffamierenden Kampagnen ein diskriminierungsfreundliches
Klima. Insgesamt verfügt das nationalkonservative Lager über
eine Vielzahl von Organisationen (wie die AUNS), Publikationsmöglichkeiten
(beispielsweise Ulrich Schlüers "Schweizerzeit")
und finanziell potente Mitglieder sowie eifrige Exponenten, insbesondere
auch Leserbriefschreiber. Es gelingt dem nationalkonservativen Lager
immer wieder, die Themen der politischen Auseinandersetzung zu bestimmen.
Allerdings hat es in den vergangenen Jahren alle Volksabstimmungen
zum Thema "Verhältnis Schweiz-Ausland" verloren.
Siegreich war dieses politische Lager - im Verbund mit allen bürgerlichen
Parteien - im Jahr 2006 bei der Verschärfung der Ausländer-
und Asylgesetze.
Im Schatten des nationalkonservativen Lagers hat sich seit 1985
eine marginale, jedoch wellenförmig wachsende rechtsextremistische
Subkultur etabliert, die vorwiegend aus jungen männlichen Erwachsenen,
konkret aus Naziskinheads und "Patrioten" besteht, aber
auch aus wenigen Holocaust-Leugnern, aus Aktivisten in politischen
Projekten und Militanten in kulturell-politischen Organisationen
und Einzelprojekten, die durch ideologische Arbeiten die rechtsextremistische
Szene vorantreiben wollen. Wie aber hat sich diese rechtsextremistische
Szene im Jahr 2006 entwickelt?
Zwar gab es seit Ende des Zweiten Weltkrieges vereinzelte Bestrebungen
von unbelehrbaren Nationalsozialisten/Faschisten, beispielsweise
des Lausanners Gaston-Armand Amaudruz . Doch erst seit Mitte der
80er Jahre bildete sich in der Schweiz allmählich eine rechtsextremistische
Subkultur mit einem ersten Höhepunkt' im "kleinen
Frontenfrühling" von 1989 . Die zahlenmässig stärkste
Teilgruppe waren und sind die Skinheads', genauer die Nazi-Skinheads,
die sich zwar nur schwer in politischen Strukturen organisieren
lassen, doch die einschlägige Ideologie in einem subkulturellen
Milieu vor allem auch durch Veranstaltungen, insbesondere Konzerte,
pflegen. Es waren immer wieder Naziskinheads, die in den vergangenen
fünfzehn Jahren als Täter von Brandanschlägen auf
Asylbewerber-Unterkünfte, Angriffen auf missliebige Personen
und einschlägigen propagandistischen Akten überführt
werden konnten. Der Täter-Ideologie folgten also entsprechende
Taten.
Subkultureller Rechtsextremismus -
Naziskinheads und "Patrioten"
Der zahlenmässig grösste Teil der Schweizer Rechtsextremen
trifft sich in subkulturellen Strukturen, vorwiegend als Naziskins,
selten als NS-Heavy-Metal oder bei Gothic-Darkwave . Daneben existieren
organisatorisch schwach strukturierte Gruppen oder Cliquen von "Patrioten";
sie sind eher Milieu denn Szene. Die "Patrioten" zeichnen
sich durch einen militanten Nationalismus, aggressive Ablehnung
von missliebigen Ausländergruppen (zum Beispiel Männer
aus den verschiedenen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens,
Menschen aus Afrika und Asien) wie auch von linken Schweizern aus.
Die Übergänge dieses Milieus sind fliessend, einerseits
zu den rassistischen Naziskins, andererseits auch zu nationalkonservativen
Gruppen und Parteien.
Die Jugend-Subkultur "Skinheads" entstand Ende der 60er
Jahre in Grossbritannien, ihr gehörten vorwiegend männliche
Jugendliche aus dem Arbeitermilieu an. Skinheads waren Fussball
und Alkohol zugetan und liebten Ska, die Musik jamaikanischer MigrantInnen.
Sie suchten den Kitzel einer gelegentlichen Randale, sie waren gegen
langhaarige Jugendliche, insbesondere Hippies, und auch gegen indischstämmige
Einwanderer, jedoch noch nicht explizit rechtsextremistisch oder
neonazistisch . Erst Anfang der 80er Jahre, als die beiden britischen
Faschistenparteien National Front und British National Party versuchten,
in den Fussballstadien Mitglieder anzuwerben, bildete sich eine
Naziskin-Bewegung aus. In der Schweiz tauchten erste rechtsextremistische
Skinheads Anfang der 80er Jahre in Zürich auf, vielfach im
Umfeld von militanten Fussballfans/Hooligans, damals insbesondere
der "Hardturmfront".
Seit mehreren Jahren bewegen sich Schweizer Naziskins meist in
lokal oder regional verankerten Gruppen oder Cliquen, die weder
eine formelle Führung noch einen Namen haben. Naziskins sind
vielfach 15 bis 25 Jahre alt, arbeiten in einem handwerklichen Beruf
und leben in dörflichen oder kleinstädtischen Verhältnissen.
Oder wie es der Dienst für Analyse und Prävention (DAP)
ausdrückt: "Die rechtsextreme Szene besteht aus vielen
kleinen Gruppierungen. Diese sind meist nicht strukturiert, sondern
halten lose zusammen und wechseln häufig die Zusammensetzung
und den Namen." Die rechtsextreme Szene in der Schweiz, so
das DAP weiter, verfüge "weder über eine einheitliche
Weltanschauung noch über eine gemeinsame Basis. Man kann heute
von insgesamt gegen 1000 Rechtsextremen in der Schweiz ausgehen."
Und zur Bedrohung meint das DAP zutreffend: "Rechtsextrem motivierte
Aktivitäten gefährden teils punktuell, teils lokal erheblich
die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit. Die Schweiz gilt
nach wie vor als attraktiver Standort für Skinheadkonzerte
und ähnliche Veranstaltungen." Was das DAP "punktuelle
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" nennt, kann
allerdings für Angehörige von missliebigen Minderheiten
gravierende Folgen - beispielsweise schwere Verletzungen - in sich
bergen. Im Jahre 2005 mussten sich beispielsweise sechs Naziskins
aus dem Kanton Zürich vor dem Bezirksgericht Frauenfeld verantworten,
da sie im Frühling 2003 einen 15-jährigen Reggae-Fan dermassen
niedergeschlagen hatten, dass dieser lebenslänglich behindert
bleiben wird. Motiv der Täter: Sie wollten am Tatabend "Linke
jagen" . Das Obergericht Thurgau hat im Mai 2006 einen Teil
der Strafen erhöht.
Hammerskinheads und Blood and Honour
Obwohl die Naziskin-Szene in der Schweiz wenig strukturiert ist,
können sich seit Jahren zwei international vernetzte Organisationen
halten: Einerseits die Hammerskinheads, die 1986 in Houston/Texas
als weisse rassistische Bruderschaft gegründet wurden und unter
anderem "weisse Gebiete für weisse Menschen" (white
areas for white people) anstreben, andererseits die in England 1987
entstandene Blood and Honour, als "Independent Voice of Rock
against Communism" gegründet. Sie ist eine "politische
Organisation ohne Mitgliederausweis" , welche die neonazistische
Ideologie mit eigenen Zeitschriften, dem Vertrieb von einschlägigen
Devotionalien und Tonträgern wie auch der Organisation von
Konzerten verbreiten wollte und will. Im Blood and Honour-Umfeld
bildete sich auch eine terroristische Organisation (Combat 18, wobei
die Ziffer "18" für Adolf Hitler steht), die für
Anschläge in Grossbritannien und Schweden verantwortlich war.
Beide Organisationen haben auch Ableger in der Schweiz. Bereits
Anfang der 90er Jahre gründeten Innerschweizer Naziskins eine
Schweizer Sektion, heute die älteste noch bestehende europäische
Sektion der "Hammerskin-Nation". Die Schweizer Hammerskinheads
(SHS) gelten als gewiefte und erfolgreiche Konzert-Organisatoren.
In den vergangenen Jahren richteten sie immer wieder grosse Konzert
aus, am besucherstärksten war das "Sommerfest" 2002,
an dem rund 1'200 BesucherInnen aus mehreren europäischen Ländern
anwesend waren.
Eine Schweizer Blood and Honour-Sektion entstand erst 1997/98,
zuerst in der Deutschschweiz, dann in der Westschweiz, deren Exponent,
der Ex-Hammerskin Olivier Kunz , sich sowohl als Konzertveranstalter,
Zeitschriftenherausgeber als auch eine Zeit lang als Betreiber eines
Musikträgerversandes hervortat. Nach Kunz' Verurteilungen wegen
Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm wie auch dem Verbot
weiterer Naziskinhead-Konzerte - allen voran durch den Kanton Waadt
- gingen die Aktivitäten jedoch markant zurück, wenn auch
Blood and Honour Romandie sowohl 2003 und 2004 als Mitorganisator
von Kundgebungen in Erscheinung trat . Im Jahr 2004 gab es auch
verschiedene Hinweise auf eine Zürcher Sektion von Blood and
Honour, doch ist über diese noch nichts Näheres bekannt.
Im Internet besteht jedoch seit längerem auf einer Combat 18-Page
auch ein "Swiss Forum", das seit Mitte August 2004 aufgeschaltet
ist und in dem sowohl Westschweizer wie Deutschschweizer Skinheads
auftreten.
Von diesen beiden Naziskin-Organisationen ist 2006 in der Schweiz
wenig an die Öffentlichkeit gelangt.
Helvetische Jugend
Die Helvetische Jugend ist eine Umfeld-Organisation der PNOS. Sie
wurde Anfang Juli 2004 in der Region Oberaargau (Langenthal und
weitere Umgebung) gegründet. Zu ihren Zielen zähle, so
die Helvetische Jugend auf ihrer Homepage, dass "der Multikultur
ein Ende gesetzt" werde. Dies will sie unter anderem durch
"Rückführung von gewalttätigen Ausländern.
Ausländeranteil muss gesenkt werden" erreichen, weiter
mit "Internierungslagern für Asylbewerber" und "besserer
und neutralerer Bildung von Schweizerschulen (nicht weiter linke
Stalin und Lenin Propaganda. Trennung von deutschsprechenden Schülern
zu nicht deutschsprechenden Schülern." Und es solle Schluss
sein "mit dem linken, desinformierten Medienterror, wir brauchen
neutrale Auskunftgeber."
Im Jahr 2006 ist von Aktivitäten der Helvetischen Jugend nichts
an die Öffentlichkeit gedrungen. Die Gruppe verfügt zwar
weiterhin über eine Internet-Präsenz, doch wurde die Site
nicht weiter aktualisiert, nur im Gästebuch finden sich immer
wieder neue Einträge.
Nationaler Widerstand am Rigi
Die Gruppe "Nationaler Widerstand am Rigi" trat erstmals
im Jahr 2006 öffentlich in Erscheinung. Unbekannt ist, wie
gross die Gruppe ist, ebenso wie ihre ExponentInnen heissen. Sie
seien, so schreiben sie auf ihrer Homepage, "eine Vereinigung
von jungen Leuten, welche es satt haben beleidigt, angepöbelt
oder sogar zusammengeschlagen zu werden von nichtschweizerischen
Jugendlichen, die es sich zur Freizeitaktivität gemacht haben
uns Schweizer Jungen fertig zu machen." Sie seien "der
Widerstand gegen Multikultur, gewalttätige und kriminelle Ausländer,
eine orientierungslose Schweizer Jugend, Kinderschänder und
Sexualstraftäter, die Zerstörung unserer Umwelt, Drogenverkauf
und -Konsum, die Verharmlosung von linker Gewalt, die Unwahrheiten
der öffentlichen Medien, die Globalisierung unserer Sprache
und unseres Volkes." In den eigenen Reihen gelte "eine
aufrechte Kameradschaft, ein nationales und völkisches Denken
und ein Wille etwas zu ändern." Die Gruppe hat im Jahr
2006 drei Flugblätter produziert, ein "Kilbi"-, ein
"Multikultur"- und eine "AntiAntifa"-Flugblatt.
Im "Kilbi"-Flugblatt heisst es: "Die Kilbizeit wird
jedes Jahr von Schlägereien und Drogenkonsum überschattet.
Diese Schlägereien werden nicht etwa wegen blosser Trunkenheit
gemacht, nein, es geht hier vielmehr um reinen Hass und Böswilligkeit
gegenüber Schweizer Opfern welche von, hauptsächlich jungen,
Ausländern geschürt wird."
Im Flugblatt zu den "Auswüchsen der Multikultur"
heisst es: "Denn das Problem liegt in der Vermischung der verschiedenen
Kulturen, die in der Schweiz schon drastisch fortgeschritten ist
und von "öffentlicher Hand" auch noch gefördert"
würde. Und in einem "AntiAntifa"-Flugblatt heisst
es kurz und bündig, man soll "den roten Chaoten, Multikulti-
und Bolschewismussympathisanten" keine Chance geben.
Bereits vor dem Auftauchen des Nationalen Widerstandes am Rigi
tauchten im Internet einschlägige Exponenten aus der Region
auf. Anzunehmen ist, dass auch die PNOS-Ortsgruppe Küssnacht
am Rigi ihre Mitglieder und Sympathisanten in diesem Umfeld anspricht.
Heimatbewegung
An der 1.-August-Feier 2006 in Trüllikon trat ein Exponent
der "Heimatbewegung" als Redner auf. Es ist der einzige
bekannte Auftritt eines Exponenten dieser Organisation, die 2004
oder 2005 gegründet wurde und über ein Postfach in Dübendorf
erreichbar ist. Unklar ist, wie viele Mitglieder sie hat und welche
internen Aktivitäten sie entfaltet. Die "Heimatbewegung"
verfügt über einen sporadisch nachgeführten Internet-Auftritt,
der sich vorwiegend mit Themen wie "Ausländer" befasst,
vielfach ausgelöst durch politische Aktionen des nationalkonservativen
Lagers.
Die "Heimatbewegung" strebt die Auflösung der viersprachigen
Schweiz an, sie will nämlich die "Überlebensinteressen
der Alemannischen Volksgruppe" wahren und kämpft "für
einen Eidg. Volksstaat in den Grenzen der heutigen Deutschschweiz."
Ansonsten vertritt sie Programmpunkte, wie sie bei rechtsextremistischen
Gruppierungen üblich sind: Förderung des Bauernstandes,
Wiedereinführung der Todesstrafe, Abschaffung des jetzigen
Asylrechtes, totaler Einwanderungsstopp, Verbot jeder Form von Ausländerintegration
und vollständiger Stopp von Einbürgerungen.
Les Identitaires
In den französischsprachigen Ländern Europas hat sich
im rechtsextremistischen Lager eine Strömung verbreitet, die
sich Identitaires nennt, sich auf eine europäisch-weisse
Identität' beruft und sich gegen Einwanderung aus anderen Kontinenten
ausspricht. In Frankreich hat sich auch eine aktive und militante
Splittergruppe "Les Identitaires" gebildet, die verschiedentlich
durch spektakuläre Aktionen aufgefallen ist. In der Schweiz
treten zwei verschiedene Organisationen auf, einerseits Les Identitaires
de Romandie, andererseits die Jeunesses Identitaires de Genève.
Unklar ist, wie viele Mitglieder die beiden Organisationen haben,
auch die Exponenten sind bis anhin nicht namentlich bekannt. Beide
Gruppen verfügen über einen Internet-Auftritt.
Anfang Juli 2005 kündigten Les Identitaires de Romandie an,
sie würden dem Beispiel französischer und belgischer "Cousins"
folgen. Angesichts der Gefahren der Globalisierung, der massiven
Immigration, der Auflösung der "schweizerischen und Europäischen
Identität" sehen sie nur eine Wahl "für die
Jugend der Westschweiz: handeln oder sich unterwerfen" (agir
ou subir). Und dies alles "für die Romandie, für
die Schweiz und für Europa." Im Jahr 2006 erschienen zwei
Nummern der "Cahiers identitaires romands", einem primitiv
gemachten Heftchen.
Die Jeunesses Identitaires de Genève traten erstmals 2006
an die Öffentlichkeit. Im Sommer 2006 verteilten sie in einem
Genfer Quartier Flugblätter gegen einen angeblichen "Schweiz-Hass"
. Ende Oktober organisierten sie in Genf eine Kundgebung zum Gedenken
an den Ungarischen Aufstand von 1956 und Anfang November fuhren
Genfer Identitaires mit Traktor und Karren durch einige Genfer Dörfer
und verteilten Flugblätter gegen gentechnisch veränderte
Lebensmittel.
Dark-Wave und NS-Black Metal - zwei
Subkulturen mit rechtsextremistischen Tendenzen
Auch in einem kleinen Teil der Dark Wave/Neofolk-Szene konnte sich
eine neofaschistisch orientierte Richtung festsetzen, und auch in
der Schweiz, vorwiegend in der Westschweiz, finden einschlägige
Konzerte statt. Organisiert wurde ein solcher Abend von der Vereinigung
"Soleil Noir", die vom Lausanner Lars Kophal präsidiert
wird. In der Selbstdarstellung von "Soleil Noir" wird
die ambivalente Weltanschauung deutlich. Zuerst behauptet sie "unpolitisch"
zu sein, um dann allerdings auch festzuhalten, dass "Soleil
Noir" auf die wurzellose Moderne kotze, wie auch "auf
den geistlosen Materialismus und den zerstörerischen Ultraliberalismus,
die Arbeiterausbeutung durch das internationale Finanzkapital, die
planetweite Globaliserungs-Vereinheitlichung, die grosse seichte
Suppe des Multikulturalismus, die Amerikanisierung wie auch die
Dritt-Weltisierung". Sie seien Schweizer und Europäer,
und dies ohne Schande oder Schuld zu fühlen . Das pessimistische
und europazentrierte Kulturverständnis wird politisch verdeutlicht
durch lobende Erwähnungen des faschistischen Ideologen Julius
Evola. Ein grosser Teil der Dark Wave/Neofolk-Szene steht dieser
neofaschistisch inspirierten Minderheit unkritisch gegenüber,
manchmal übernehmen auch unkritische Medienschaffende diese
Sichtweise .
Buch- und Musikversände
Bis vor wenigen Jahren mussten Schweizer Rechtsextremisten sowohl
einschlägige Bücher wie Tonträger aus dem Ausland,
insbesondere aus Deutschland beziehen. In den Jahren 2004 und 2005
hatte Sacha Kunz, vormals PNOS-Präsident, allerdings den Aufbau
eines Tonträgervertriebes und -Labels vorangetrieben. White
Revolution Records wolle, so die Ankündigung auf der Homepage,
ein Schweizer Musik-Label sein, "das sich zum Ziel gemacht
hat, in der Nationalendenkenden Musik Szene mitzumischen" (Orthografie
im Original). Angegliedert sei dem Label "das Tonstudio Swastika
Records, wo professionelle Musikproduktionen realisiert werden."
Im Herbst 2005 gab Kunz seinem Versand den unverfänglicheren
Namen Helvetia Versand, später den von Utgard Versand. Das
Angebot blieb unverändert und war auch über Internet erhältlich,
bis die Aargauer Kantonspolizei bei Kunz im Rahmen eines Verfahrens
wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm eine Hausdurchsuchung
durchführte. Der Versand hatte eine wachsende Kundschaft, wie
die Berner Antifa bereits Mitte August 2005 nachgewiesen hatte.
Sie hatte die Kundendatenbank mit über 150 Kundennamen zugespielt
erhalten.
Im Sommer 2006 stellte Kunz seine Tätigkeit ein, dies auch
nach finanziellen Rückschlägen. Im Winter 2006 verurteilte
ihn ein deutsches Gericht zu einer Geldbusse und ordnete gleichzeitig
die Einziehung von bereits produzierten Tonträgern an . Gegenüber
der Boulevardzeitung "Blick" behauptete Kunz Mitte September
2006: "Ich steige aus." Die Zukunft wird weisen, ob dies
mehr ist als eine Ankündigung. Kunz war auch Mitglied des Duos
"Die Eidgenossen", das im Jahr 2006 nicht in Erscheinung
trat. Fazit: Schweizer Rechtsextremisten müssen ihre Tonträger
wieder vorwiegend aus dem Ausland beziehen, ausser sie decken sich
an den üblichen Verkaufsständen bei Konzerten ein.
Adrian Segessenmann - Buchversand
Neue Zeitenwende und Thor Steinar-Klamotten
Der Buchversand Neue Zeitenwende ist über ein Postfach in Aefligen
(Nähe Kirchberg BE) erreichbar, betrieben wird er von Adrian
Segessenmann. Der Versand bietet - gemäss Eigeneinschätzung
- "Bücher zu diversen Themen" an, wie "Geschichte,
Kultur und Brauchtum, Politik und anderen Themen". In Realität
verbreitet er verschwörungsfantastische Bücher über
Geheimbünde, verherrlichende Literatur über die Waffen-SS,
dazu Bücher von rechtsextremistischen Autoren wie Jürgen
Schwab oder Peter Dehoust. Allerdings hat er sein Angebot im vergangenen
Jahr nur unwesentlich erweitert.
Der 27-jährige Adrian Segessenmann ist seit vielen Jahren
in der Rechtsextremen-Szene aktiv, unter anderem war er am Hammerskin-Überfall
auf ein antifaschistisches Musikfestival in Hochdorf (4.11.1995)
beteiligt. Auch ist er gemäss eigenen Aussagen bei der Avalon
Gemeinschaft tätig und gehörte zu den Organisatoren jener
Vortrags-Veranstaltung, die zu einem Paradigmawechsel beim Tatbestandsmerkmal
"Öffentlichkeit" führte. Segessenmann liess
Mitte Juli 2006 auch eine Einzelfirma "Thor Steinar" ins
Handelsregister eintragen, deren Geschäftszweck der Verkauf
der in der Neonazi-Szene beliebten Kleider der Marke Thor Steinar
ist. Den KundInnen traut man offenbar nicht ganz über den Weg.
Unter den Geschäftsbedingungen findet sich der Eintrag: "Regel
Nummer 1: Bestelle keine Ware wenn du kein Geld hast um diese zu
bezahlen. Wir werden säumige Zahler solange beelenden bis wir
unser Geld haben!" (Orthografie gemäss Original).
Im Forum der Hammerskin tritt Segessenmann (unter dem Pseudonym
"Schwed") immer wieder als Schreiber in Erscheinung, auch
als Verfechter revisionistischer, das heisst Holocaust leugnender
Positionen. So schrieb "Schwed" Ende Oktober 2006, dass
"der Revisionismus einer der Wichtigsten Schlüssel zum
erfolg in unserem Kampf ist und man Leute wie German Rudolf oder
Ernst Zündel unterstützen sollte" (Orthografie gemäss
Original).
Musikgruppen
Musik spielt in allen Jugend-Subkulturen eine identitäts- und
werteschaffende Rolle, einerseits als Vermittlerin eines Lebensgefühls,
andererseits als Medium zur Verbreitung politischer Botschaften
. Konzerte dienen einerseits dem Szenen-Zusammenhalt, andererseits
auch der Verbreitung der politischen Botschaft insbesondere bei
Naziskin-Konzerten, da an diesen Veranstaltungen meist an entsprechenden
Ständen sowohl Tonträger und Bücher/Broschüren
wie weitere szenetypischen Artikel angeboten werden. Bis zum Grundsatzurteil
des Bundesgerichtes zu Rassismus-Strafnorm und Öffentlichkeit
erachteten Polizei und Untersuchungsrichter Naziskin-Konzerte als
private Veranstaltungen, auch wenn über tausend Personen anwesend
waren und die Konzertankündigungen ebenfalls Medienschaffenden
zugänglich waren
Im Jahr 2006 änderte sich die Polizeipraxis nur unwesentlich.
Zwar stürmte erstmals ein Polizeikorps ein Konzert; Anlass
für den Grosseinsatz war allerdings die Verweigerung kooperativen
Verhaltens durch einige Konzertbesucher und nicht die Durchsetzung
der Rassismus-Strafnorm . Kooperativ mit den rechtsextremen Konzertorganisatoren
wirkte hingegen die Berner Kantonspolizei. Dies obwohl sie von der
politischen Führungsbehörde wie auch von Seiten der Judikative
angehalten gewesen wäre, ein geplantes Konzert zu verhindern.
Doch Drohungen der Veranstalter bewogen die Polizei zur Kooperation,
wie Gehülfen wiesen die Beamten - auf Veranstalterwunsch -
einen recherchierenden Medienschaffenden vom Gelände. Die Einhaltung
der Rassismus-Strafnorm kontrollierte sie indessen nicht .
In den vergangenen Jahren traten mehrere rechtsextremistische Schweizer
Bands an die Öffentlichkeit, vor über zehn Jahren bereits
die Basler Gruppe "Sturmtruppen Skinhead", später
die Ostschweizer Hammerskin-Band "Erbarmungslos". Ebenfalls
aus der Hammerskin-Bewegung stammen Mitglieder der Luzerner Band
"Dissens". In einem Interview kündigten sie im Sommer
2006 die Produktion eines neuen Tonträgers an, ebenso die Entstehung
einer neuen einschlägigen Schweizer Band namens "Vargr
I Veum". Noch keinen Tonträger herausgegeben haben zwei
Bands, die 2005 an Konzerten aufgetreten sind, nämlich die
Zürcher Gruppe "Amok" und die Walliser "Helvetica".
"Indiziert"
"Indiziert" ist die zurzeit bekannteste Schweizer Rechtsextremisten-Combo.
Sie kam im Jahr 2006 aber nur zu wenigen Auftritten. Anfang 2006
veröffentlichte die Band ihren zweiten Tonträger "Marsch
auf Bern". In einem Interview mit der "Berner Zeitung"
gab der Sänger Lüthard rassistischen Klartext von sich:
Er würde sich nicht mit einem dunkelhäutigen Journalisten
unterhalten. Einer, der für eine Schweizer Zeitung arbeite,
solle Schweizer Wurzeln haben. Und weiter: "Ein Dunkelhäutiger
gehört nicht in die Schweiz." Sowohl wegen der Liedtexte
wie auch der Interview-Aussagen eröffneten die Strafverfolgungsbehörden
nach mehreren Anzeigen ein Verfahren wegen Widerhandlung gegen die
Rassismus-Strafnorm. Ende November stellte das Strafeinzelgericht
das Verfahren ein. Ein Teil der Liedtexte sei zwar "geschmacklos,
moralisch fragwürdig und beleidigend", würde jedoch
nicht gegen das Gesetz verstossen.
Die Band "Indiziert" besteht aus den Brüdern Alex
und Cedric Rohrbach, Dominic Lüthard und Benjamin Lingg. Lüthard
kandidierte erfolglos auf der Liste der PNOS wie auch für den
Roggwiler Gemeinderat. Offizielle Organisatorin des Rechtsrock-Festivals
"Helvetien Rockt" war zwar das Plattenlabel "HRD-Records",
doch wird dieses - ganz oder allenfalls vorwiegend - von den "Indiziert"-Exponenten
betrieben. Angekündigt waren sechs einschlägige Bands,
auftreten konnten dann allerdings nur zwei.
Politisch-kulturelle Aktivitäten
Verschiedene Aktivisten und Organisationen stützen sich auf
ein rechtsextremistisches Gedankengut, sie beteiligen sich jedoch
nicht an der institutionalisierten Politik, insbesondere nicht an
Wahlen. Durch Bildungs- und Vernetzungsarbeit wollen sie politisch-kulturelle
Ideologie-Arbeit machen, so die Avalon Gemeinschaft, so Gaston-Armand
Amaudruz mit seiner Zeitschrift "Courrier du Continent",
so auch das Waadtländer Ehepaar Paschoud mit ihrer Zeitschrift
"Le pamphlet". Von der Bildfläche verschwunden ist
2006 der "Bund Oberland". Seine Exponenten haben die PNOS-Sektion
Oberland gegründet.
Avalon Gemeinschaft
Die Avalon Gemeinschaft befleissigt sich einer weit gehenden Geheimhaltung,
so dass über ihre Aktivitäten nur wenig an die Öffentlichkeit
dringt. Zwar behauptet ihr Exponent Ahmed Huber, nebenbei aktiver
Islamist, gelegentlich gegenüber JournalistInnen, auch NationalrätInnen
und weitere einflussreiche Leute würden an den Veranstaltungen
der Avalon Gemeinschaft teilnehmen . Immerhin bestätigte Huber
im Wahlherbst 2003 gegenüber der SonntagsZeitung, dass Bernhard
Hess, Berner Nationalrat der Schweizer Demokraten (SD), an Avalon-Veranstaltungen
teilgenommen habe . Hess bestritt allerdings - wenig überzeugend
- seine rechtsextremistischen Kontakte. Im Jahr 2005 machte Recht+Freiheit-Redaktor
Ernst Indlekofer, erbost über eine Hess-Aussage zum "unwiderruflich
untergegangenen Deutschen Reich", weitere Andeutungen: "Dem
Vernehmen nach geht Hess seit Jahren bei Versammlungen der AVALON
ein und aus." Und daher müsse Hess auch wissen: "Deutschlands
Wandel und Geschichte ist nämlich das Hauptthema anlässlich
der jährlich zweimal zelebrierten Sonnwendfeier dieser dem
Germanentum frönenden Gesellschaft."
Die Avalon Gemeinschaft wurde im Juli 1990 gegründet, mit
dabei waren unter anderem Roger Wüthrich, vorher Anführer
der Wiking Jugend Schweiz, weiter Andreas Gossweiler, in jenen Jahren
Mitglied in mehreren rechtsextremistischen Fronten . An ihren Versammlungen
treffen sich neben den bekannten Exponenten Ahmed Huber und Roger
Wüthrich Altfaschisten wie auch junge Naziskins.
Gaston-Armand Amaudruz' "Courrier
du continent"
Der Altfaschist Gaston-Armand Amaudruz ist inzwischen 85-jährig,
doch er publiziert weiterhin regelmässig sein hektografiertes
zwölfseitiges Blättchen "Courrier du continent".
Der Inhalt bleibt seit Jahren gleich, in einem ersten Teil "Bloc-Notes"
veröffentlicht Amaudruz Zitate aus Zeitungen, gelegentlich
mit hämischen Kommentaren versehen. Die "Bloc-Notes"
vermitteln jedoch auch Hinweise (samt Bezugsadressangaben) auf neu
erschienene rechtsextremistische Hefte und Bücher und leisten
daher Vernetzungsarbeit. Dazu kommen regelmässige Rubriken
wie "Kriminalität" oder "Lois-Baillons"
- wie Amaudruz die Rassismus-Strafnorm zu nennen beliebt. Dazu kommen
Texte von Mitarbeitern Giuseppe Patanè, Willi Märki,
Yann Woltering, Martine Boimond und Eduardo Longo. Zu den Schreibern
gehörte 2006 auch der Holocaust-Leugner René-Louis Berclaz,
der über eine Gerichtsverhandlung gegen Robert Faurission berichtete
. Die letzte Seite bestreitet Amaudruz mit einem Leitartikel, in
dem er seine rassistischen, antisemitischen und Holocaust leugnenden
Auffassungen verbreitet. Mehrere dieser Kommentare haben Amaudruz
vor einigen Jahren zwei dreimonatige Gefängnisaufenthalte eingetragen.
"Courrier du continent" erschien erstmals 1946, seit rund
fünfzig Jahren wird es nun vom Lausanner Altfaschisten Gaston-Armand
Amaudruz herausgeben, geschrieben und redigiert. Während Jahrzehnten
war das hektografierte Blättchen das offizielle Organ der NOE,
einer rassistischen Kleinorganisation, zu deren wichtigsten Exponenten
Amaudruz selbst gehörte . Es erscheint heute in einer Auflage
von mehreren hundert Exemplaren.
Claude und Mariette Paschouds "Le
pamphlet"
Mit seiner grossen Mehrfachnummer vom Sommer 2006 lud "Le Pamphlet"
seine Getreuen zu einem Dinner zum 35. Geburtstag, mit Ansprachen
von Max L'Impertinent, Daniel Bassin, Michel de Preux und Claude
und Mariette Paschoud . In der "Spezialnummer" zum 35-jährigen
Erscheinen frohlockten die Verantwortlichen des Blättchens
"Le pamphlet",fünf Jahre zuvor seien sie vor dem
Aus gewesen, aber nun sähen sie wieder mit Optimismus in die
Zukunft . Zehn Nummern veröffentlichte "Le Pamphlet".
Die Autoren waren neben den Paschouds Michel de Preux, Gérald
Berruex und mehrere anonyme Schreiber, so Max L'Impertinent und
Pollux.
Auch 2006 publizierte "Le Pamphlet" in erster Linie Texte
aus dem Diskussionszusammenhang von Rechtskatholiken und Nationalkonservativen,
immer wieder fanden sich aber auch Texte mit antisemitischen, antimuslimischen
oder ausländerfeindlichen Anspielungen, bis hin zur lobenden
Erwähnung von Rechtsextremisten wie Jean Marie Le Pen und seiner
Front National. Vor allem aber waren immer wieder polemische Aussagen
gegen Menschen, die gegen Rassismus oder die Verschärfung des
Ausländer- und des Asylrechtes eintreten, enthalten.
"Le pamphlet", gegründet von Claude Paschoud, erscheint
seit 1970. Grössere öffentliche Beachtung erntete das
Blättchen, das auch schon eine Auflage von 2'000 Exemplaren
erreichte, durch einen Auftritt von Mariette Paschoud. Die (damalige)
Mittelschullehrerin trat 1986 in Paris an einer Pressekonferenz
des Holocaust-Leugners Henri Roques auf und äusserte "Zweifel
an der Existenz der Vergasungskammern in Konzentrationslagern."
Sie wäre 1991 beinahe noch zum Major des Militärischen
Frauendienstes befördert worden, nur heftiger publizistischer
und politischer Protest verhinderte den Karrieresprung. Ein von
Mariette Paschoud angestrengter Ehrverletzungsprozess gegen einen
Redaktor des "Bieler Tagblattes" führte zu einem
fatalen Eigentor für die Holocaust-Leugner. Das Bundesgericht
hielt nämlich in einem bis heute gültigen Grundsatzurteil
fest: "Die Forderung nach einem einzigen Beweis für die
Existenz von Gaskammern ist indessen angesichts des vorhandenen
Beweismaterials derart absurd, dass sich, auch wenn andere Motive
theoretisch immer denkbar sind, der Schluss auf eine Sympathie zum
nationalsozialistischen Regime in einem Masse aufdrängt, welches
für das Gelingen des Wahrheitsbeweises ausreicht, zumal der
Schluss aus äusseren Umständen (Handlungen, Äusserungen)
auf innere Tatsachen (Absichten, Motive) naturgemäss kein naturwissenschaftlich
exakter sein kann." In den vergangenen Jahren beklagte "Le
pamphlet" mehrmals sinkende AbonnentInnen-Zahlen. Als Reaktion
darauf ist das Blättchen seit einigen Jahren auch im Internet
vertreten.
"Recht+Freiheit", Ernst
Indlekofer
Wer noch des Denkens fähig sei, stelle fest, so behauptet Ernst
Indlekofer, dass "das stets laute Geschrei gegen Rechtsextremismus
bloss von den wahren Übeltätern ablenken" solle.
Und wer das ist, dies weiss der Basler "Recht+Freiheit"-Redaktor,
verurteilt wegen Holocoust-Leugnung , seit langem: die Juden und
die Freimaurer. Zu den wiederkehrenden Themen seiner Publikation
gehören Angriffe auf die Rassismus-Strafnorm, die Bestreitung
der deutschen Verantwortung für die Auslösung des Zweiten
Weltkrieges wie auch wohlwollende Berichterstattung über Holocaust-Leugner.
Im Sommer 2006 legte Indlekofer dem Heft ein Flugblatt bei, überschrieben
"Das ARG muss weg!" (ARG steht hier für Antirassismusgesetz).
Mit dem Pamphlet wollte Indlekofer sondieren, wer eine Volksinitiative
zur Abschaffung der Rassismus-Strafnorm und die Kündigung des
UNO-Übereinkommens gegen Rassismus allenfalls unterstützen
würde. Aus diesem Projekt ist offenbar nichts geworden, zumindest
bis Jahresende 2006 berichtete Indlekofer in seinem Blättchen
nichts über allfällige Fortschritte. Indlekofer, beschuldigt
der Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm, erreichte Ende
März einen juristischen Erfolg. Das Strafgericht stellte das
1998 eröffnete Verfahren ein, da die Untersuchungsbehörden
das "Beschleunigungsgebot" verletzt hätten, soweit
die Anklagepunkte nicht bereits verjährt seien. Im Klartext:
Staatsanwältin Eva Eichenberger hat den Prozess verschlampt
. Sowohl die Staatsanwältin wie auch Indlekofer (wegen der
auferlegten Kosten) haben gegen die Einstellung appelliert, doch
neun Monate nach der Gerichtsverhandlung ist die schriftliche Urteilsbegründung
des Basler Strafgerichtes immer noch ausstehend. Zu seinem Prozess
publizierte Indlekofer eine "Recht+Freiheit-Sonderausgabe 23.
März 2006", worin er sein "Schlusswort" vor
dem Gericht dokumentierte.
Offiziell wird "Recht+Freiheit" von einem "Presseclub
Schweiz" herausgeben, doch de facto ist der Basler Ernst Indlekofer
, inzwischen über 60-jährig, weitgehend allein verantwortlich
für das Heft, das pro Ausgabe meist um zehn Seiten umfasst.
2006 erschienen neben der bereits erwähnten "Sonderausgabe"
insgesamt vier Nummern, wobei das vierte Heft als Dreifachnummer
"Nr. 4-6". Zu den Autoren aus der Schweiz zählten
Max Disteli, Olten; Felix Berger, Zürich; Alex Brunner, Wetzikon
und "Prof. Dr. jur. Hans Ulrich Walder", Sempach LU.
Der "Presseclub Schweiz" hielt seine Generalversammlung
am 22. Juli 2006 an einem unbekannten Ort ab. Wie in den vergangenen
Jahren hatten Mitglieder vorher eine persönliche Eintrittskarte
anfordern müssen.
MIHAG - Militärhistorische Arbeitsgemeinschaft
Im vergangenen Jahr nicht in Erscheinung trat die Militärhistorische
Arbeitgemeinschaft MIHAG, die über ein Postfach in Hinterkappelen
erreichbar ist. Die MIHAG Schweiz wurde Mitte der 90-er Jahre gegründet.
Sie schottet sich von der Öffentlichkeit ab. Unklar ist, wie
viele Mitglieder die MIHAG hat. Erwiesen ist jedoch, dass einer
ihrer Exponenten, der Berner Bäcker-Konditor Stefan Kernen,
regelmässig an "Kameradschaftstreffen" von Ehemaligen
der Waffen-SS teilnimmt und dort als "Schweizer Kamerad"
oder "eidgenössischer Freund" bezeichnet wird .
Nachrichtenportale
In der Schweiz verfügt die rechtsextremistische Szene nur über
wenige Medien, insbesondere auch über wenige Printmedien. Doch
über mehrere Jahre hinweg bestanden Nachrichtenportale wie
"Freie Stimme" (beziehungsweise Altermedia Schweiz), Altermedia
Suisse und Novopress Suisse. Im Jahr 2006 wurden zwei dieser Schweizer
Nachrichtenportale nur noch sehr unregelmässig nachgeführt.
Der Betreiber von Freie Stimme/Altermedia Schweiz sah sich im Herbst
2005 mit einer Hausdurchsuchung konfrontiert und hat seinen Mitteilungseifer
offenbar verloren. Auch Altermedia Suisse setzte 2006 nur noch wenige
Mitteilungen ins Netz. Lediglich Novopress Suisse erreichte noch
eine gewisse Kontuinität; das Nachrichtenportal verbreitete
2006 insbesondere auch die Communiqués der Westschweizer
Identitaires.
Politische Organisationen
In den vergangenen Jahren versuchten Rechtsextremisten ab und an,
politische Parteien aufzubauen, mit dem Ziel sich auch an den Wahlen
zu beteiligen. Diese Projekte - wie beispielsweise David Mulas'
Nationale Partei der Schweiz (NPS) - scheiterten meist bald. Ausnahme
ist die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS), die inzwischen
gefestigte Strukturen aufgebaut hat. Als Einzelkämpfer produzierte
sich noch der Basler Eric Weber. Als Vertreter seiner "Volks-Aktion
gegen zu viele Ausländer und Asylanten in unserer Heimat"
beteiligte er sich in Basel-Stadt am zweiten Wahlgang für die
Regierungsratswahlen. Weit abgeschlagen erreichte Weber 2530 Stimmen
und damit den dritten Platz. Allerdings übertraf er damit die
stadtbekannte Vertreterin der Schweizerischen Bürger Partei
(SBP), einer SVP-Abspaltung . Weber hat eine lange Karriere im rechtsextremistischen
Milieu hinter sich. 1986 wurde er - auf der Liste der Nationalen
Aktion - in den Grossen Rat gewählt, wo er bald durch seine
flegelhaften Auftritte auffiel. Nach seinem Ausscheiden aus dem
Grossen Rat übersiedelte er für mehrere Jahre nach Deutschland,
wo er als Journalist zu arbeiten versuchte. Er war bereits Anfang
der 90-er Jahre wegen Urkundenfälschung bei Wahlen verurteilt
worden . 2003 beteiligte er sich an den Nationalratswahlen, 2004
bei den Grossratswahlen, dies jeweils auf den Listen der Schweizer
Demokraten (SD). Bei diesen letzten Wahlen versuchte Weber Wahlcouverts
zu kaufen und wurde dabei erwischt.
Nicht mehr in Erscheinung trat 2006 die Nationale Ausserparlamentarische
Opposition NAPO, die im Vorjahr noch zwei Kundgebungen organisiert
hatte. Auch die NAPO-Homepage, die zuerst längere Zeit nicht
mehr aktualisiert wurde, verschwand während des Jahres 2006
vom Netz. Die NAPO trat erstmals Anfang 2003 in Erscheinung. Gemäss
ihrem "Aktionsprogramm" ist das Ziel von NAPO-Aktionen
"die Störung der Medienherrschaft in unserem politischen
System und die Vorbereitung eines Machtwechsels innerhalb der Schweiz
im Sinne der Volksstaats-Idee". Das heisst unter anderem die
Ausweisung von EinwohnerInnen nichteuropäischer Herkunft, denn
die NAPO betrachtet "Kulturfremde und Fremdrassige in unserem
Land und in Europa als Zivilbesatzer". Und weiter: "Wir
treten ein für die Rückführung der Fremdrassigen
und Kulturfremden". Und zu ihren "Visionen" zählte
die NAPO "kinderreiche weisse Familien". Rassistischer
Klartext also. Weiterhin aktiv ist jedoch der NAPO-Exponent und
Holocaust-Leugner Bernhard Schaub, auch die Internet-Präsenz
der "Reichsbewegung" ist weiter online - die NAPO sah
sich einst als Schweizer Teil dieser "Bewegung".
Partei National Orientierter Schweiz
PNOS
Wie andere Parteien auch verbreitete die Partei National Orientierter
Schweizer PNOS zum Jahresende Zuversicht: Die Partei habe versucht,
so verkündete der Parteivorstand auf der Homepage Anfang 2006,
"mit einer neuen ideologischen Ausrichtung von ihren Altlasten
Abstand zu nehmen." Dies sei dadurch geschehen, dass sich "die
PNOS vom historischen Nationalsozialismus distanziert" habe
und damit "endlich den schon lange notwendigen Weg in die Moderne"
getan habe . Auslöser für diesen Kurswechsel' war
allerdings nicht nur Einsicht, sondern ein Strafverfahren wegen
Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm. Mehrere PNOS-Parteivorstandsmitglieder
waren erstinstanzlich verurteilt worden, und kurz vor der öffentlichen
Verhandlung vor dem Aarauer Bezirksgericht zogen die Angeschuldigten
ihre Appellation zurück, so dass die Verurteilungen rechtskräftig
wurden .
In ihrem neuen Parteiprogramm beansprucht die PNOS, dass sie einen
"Eidgenössischen Sozialismus" anstrebe. In der Tat
kritisiert die Partei immer wieder die systemimmanenten sozialen
Ungerechtigkeiten des Kapitalismus. Sie will die Widersprüche
durch die Proklamation eines Volksganzen überwinden, genau
wie es einst die rechtsextremistischen Parteien in der Tat zwischen
den Weltkriegen taten. Das neue Parteiprogramm hat eine diskriminierende
Forderung beibehalten: "Kulturfremde Ausländer können
das Schweizer Bürgerrecht nur in Ausnahmesituationen erhalten",
in concreto: Einheimische mit asiatischer oder afrikanischer Herkunft
sollen nicht eingebürgert werden können und müssten
die Schweiz verlassen, denn - so der PNOS-Vorschlag: "Wer nicht
als Staatsangehöriger in der Schweiz lebt, untersteht dem Gastrecht
und hält sich für begrenzte Zeit in unserem Land auf."
Im Weiteren verlangt die Partei einen autoritären Staat. Zwar
soll die Landesregierung (ein Landammann und sein Stellvertreter)
von den Stimmbürgern gewählt werden, jedoch unbegrenzt,
und die Entscheidungsbefugnis soll massiv ausgebaut werden. Der
Landammann soll dann sowohl Bundesrat wie Bundesgericht ernennen
. Die PNOS folgt damit auch hier den Vorstellungen frontistischer
Organisationen der 30-er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Wie die
Fronten verlangt auch sie ein Verbot der Freimaurerei, denn "wer
geheimen Logen und Bünden angehört, verfolgt automatisch
andere Ziele als der Staat." Dies alles weist darauf hin, dass
die PNOS-Schale zwar geändert wurde, der Kern jedoch gleich
geblieben ist.
Auch ein Blick in die Parteizeitschrift "Zeitgeist" macht
die Kontinuität deutlich. Auch im Jahre 2006 erschienen ausländerfeindliche,
muslimfeindliche und antisemitische Aufsätze. Kruden Rassismus
verbreitete beispielsweise der PNOS-Exponent Dominic Bannholzer.
Er beklagte die "Rassenvermischung", dies sei "eine
kranke Illusion". Weiter empörte er sich darüber,
dass Spieler schwarzer Hautfarbe in der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft
mitspielen. Und gemünzt auf Johan Djourou schrieb er, er wünsche
"nichts sehnlicher, als dass dieser dunkelhäutige Romand'
seinen guten Fussball anderswo spielen und somit das Land, aus dem
er stammt und dessen Erbgut er besitzt, in der ganzen Welt vertreten
würde." Weiter behauptete ein "Kemal Samadhi",
dass der Holocaust "unzweifelhaft das einzige tatsächlich
Unantastbare in den freien' Weststaaten" darstelle und
"eine negative Pseudoreligion" sei, die nicht daran interessiert
sei, Werte zu vermitteln, "sondern die Menschen mittels andauernder
Schuldzuweisung zu Knechten einer auf ein einziges, noch dazu in
Zweifel zu ziehendes Ereignis reduzierten Geschichte" machen
wolle . Nimmt man die "Zeitgeist"-Texte als Massstab,
dann ist das Verhältnis der PNOS zum Islam zwiespältig:
Die "Zeitgeist"-Schreiber befehden die europäischen
Muslime, unterstützen jedoch Muslime, wenn es um den Widerstand
gegen Israel und um deren Kritik am westlichen Kapitalismus geht.
Die PNOS behauptet, sie habe ihre Mitgliederzahl um "über
30 %" steigen können. Diese Angaben lassen sich nicht
überprüfen. Klar ist jedoch, dass die Partei im Jahr 2006
drei neue Sektionen - Willisau, Küssnacht am Rigi und Berner
Oberland - gegründet hat. Sie nahm zweimal erfolglos an Wahlen
teil. Bei den Berner Grossratswahlen trat sie im Frühjahr 2006
im Bezirk Oberaargau mit Dominic Lüthard und Tobias Hirschi
an. Die Partei erreichte einen Stimmenanteil von unbedeutenden zwei
Prozent. Über fünf Prozent erreichte die PNOS bei den
Gemeinderatswahlen von Roggwil, insgesamt 46 Stimmende legten eine
unveränderte, 37 eine veränderte PNOS-Liste ein. Einziger
Kandidat war hier Dominic Lüthard, PNOS-Exponent wie auch Sänger
der Musikgruppe "Indiziert".
In der näheren Zukunft beabsichtigt die Partei den Ausbau
der internen Strukturen, zudem soll "ein reger Kontakt ins
benachbarte Ausland angestrebt werden, um auf breiter europäischer
Ebene ein Bollwerk gegen Kapitalismus, Ausbeutung und Despotie zu
schaffen." Was damit gemeint ist, verdeutlichen drei Beispiele:
Am PNOS-Parteitag Wauwil trat Thomas Gerlach auf, der die PNOS im
Namen der NPD, des KDS (Kampfbund Deutscher Sozialisten) und der
freien Kräfte in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern begrüsste
. Mitte Dezember 2006 nahm eine PNOS-Delegation an der Gründungsversammlung
der Sektion Bodensee der Jungnationaldemokraten, der Jugendorganisation
der NPD, in Friedrichshafen teil. Und drittens verwies Denise Friedrich,
einzige Frau im PNOS-Bundesvorstand in einem Aufsatz zur "nationalen
Frau", die einerseits ihre natürlich Aufgabe als Mutter
übernehmen müsse, anderseits sich emanzipieren und politisch
partizipieren soll, auf vorbildliche' Organisationen in Deutschland,
nämlich den "Ring-Nationaler-Frauen", die "Gemeinschaft-Deutscher-Frauen"
und den "Mädelring Thüringen" , alles Organisationen
im weiten Umfeld der Nationaldemokratischen Partei NPD und der Freien
Kameradschaften.
Holocaust-Leugner
Holocaust-LeugnerInnen bestreiten drei offensichtliche historische
Tatsachen: Erstens dass es einen Plan zur Ermordung der europäischen
Juden gegeben habe; zweitens dass Gaskammern zur Ermordung der Opfer
gebaut worden seien; und drittens dass die Zahl der durch die nationalsozialistische
Judenverfolgung umgekommenen Jüdinnen und Juden mehrere Millionen
betrage. Im Spätherbst 2005 wurde ein massgeblicher Teil der
Infrastruktur der Holocaust-Leugner lahm gelegt: Durch die Verhaftung
und Auslieferung von Germar Rudolf wurden der grösste und zweisprachig
publizierende Verlag, die wichtigste sowohl deutsch wie englisch
erscheinende Szene-Zeitschrift sowie die materialreichste Internet-Homepage
gleichzeitig inaktiv. Mehreren wichtigen Exponenten wie Germar Rudolf
und Ernst Zündel wurde im Jahr 2006 der Prozess gemacht. Die
Urteile waren Ende Jahr 2006 noch ausstehend.
Trotz dieser Krise behaupten Holocaust-Leugner, sie könnten
nun wieder optimistisch in die Zukunft schauen. Anlass ist eine
"Holocaust-Konferenz", die Mitte Dezember 2006 in Teheran
stattfand. Sie wurde Anfang 2006 vom iranischen Staatspräsident
Mahmoud Ahmadinejad angeregt, und es nahmen vorwiegend Holocaust-Leugner
und Rechtsextremisten, aber auch wenige antizionistische Juden an
ihr teil . Die Konferenz bediente zwei Motivationsstränge,
einerseits die Bestreitung oder Banalisierung des Holocausts, anderseits
die Entlegitimierung des Staates Israel . Zum Abschluss gründeten
einige KonferenzteilnehmerInnen eine Kommission, der vorwiegend
westliche Holocaust-LeugnerInnen, darunter der Schweizer Bernhard
Schaub, angehören und die eine Stiftung gründen und weitere
Konferenzen organisieren soll. Es bleibt aber zweifelhaft, ob diese
Pläne auch weitergehende Folgen haben werden: Insgesamt steckt
die Internationale der Holocaust-Leugner seit Jahren in der Krise,
da sie einerseits mit ihren lügnerischen Gespinsten offensichtlich
intellektuell am Ort tritt, andererseits es ihr nicht mehr gelingt,
über den kleinen Kreis des rechtsextremistischen Milieus hinaus
zu wirken.
Die ersten Schweizer Holocaust-Leugner traten Anfang der 90-er
Jahre an die Öffentlichkeit. Während des Referendumskampfes
um die Einführung der Rassismus-Strafnorm organisierten sich
die vier Hauptexponenten Jürgen Graf, Arthur Vogt, Andres J.
Studer und Bernhard Schaub, zuerst in der "Arbeitsgemeinschaft
zur Enttabuisierung der Zeitgeschichte (AEZ)", später
umbenannt in "Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Zeitgeschichte
(AEZ)". In der zweiten Hälfte der 90-er Jahre reduzierte
die AEZ ihre Aktivitäten, woraufhin sich die Deutschschweizer
Holocaust-Leugner mit Westschweizer Gesinnungskameraden zur Vereinigung
"Vérité et Justice" zusammentaten . Dieser
Verein wurde im im März 2002 vom Bezirksgericht Veveyse in
Châtel-Saint-Denis gerichtlich aufgelöst und hat inzwischen
seine Aktivitäten eingestellt.
Die Schweizer Holocaust-Leugner - mit Ausnahme von Bernhard Schaub
und Philippe Brennenstuhl - konnten 2006 in der Schweiz keine Aktivitäten
mehr entfalten. Jürgen Graf und Andres J. Studer haben die
Schweiz verlassen, um unbedingten Gefängnisstrafen zu entgehen.
Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die beiden noch Einfluss
auf das rechtsextremistische Milieu in der Schweiz haben.
Bernhard Schaub
Mitte Dezember hatte Bernhard Schaub einen grossen Auftritt in Teheran,
eingeladen als Redner an der "Holocaust-Konferenz.". In
seiner Ansprache lobte Schaub als erster Vorsitzender des Vereins
zur Rehabilitierung des wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten
(VRBHV) den iranischen Präsidenten, der "den Kampf gegen
den Holocaust-Mythos aufgenommen" habe. Schaub sprach dann
von einem "Dickicht von Gräuelpropaganda", mit dem
"das wehrlos gemachte Deutschland" seit sechzig Jahren
überzogen werde. Er schloss seinen Vortrag mit einem Aufruf,
die europäischen Holocaust-Leugner möchten "allen
hier im islamischen Raum" zurufen, sie hätten "denselben
Feind". Es sei "der Menschenverderber, der mit Hilfe des
amerikanischen Kampfelefanten die ganze Welt dem jüdischen
Kapital unterwerfen und alle eigenständigen Völker, Kulturen
und Religionen vernichten" wolle. Im Klartext: Schaub hielt
eine antisemitische und nazifreundliche Rede. Lobende Worte fand
Schaub dagegen für Bundesrat Christoph Blocher wie auch seine
Partei, die SVP. Blocher habe, so Schaub, "den grossen Schritt"
angekündigt, er wolle den Tatbestand der Genozid-Leugnung aus
dem Strafbuch zu entfernen, die Partei habe beschlossen, allenfalls
gegen die Rassismus-Strafnorm eine Volksinitiative zu starten. "Ermutigende
Zeichen", nannte der Holocaust-Leugner diese Ankündigungen
.
Ansonsten glänzte Schaub im Jahr 2006 nicht mit besonderen
Aktivitäten, ausser dass er Ende Oktober in seiner Wohnregion
über tausend Flugblätter des Vereins zur Rehabilitierung
des wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten (VRBHV) in die Briefkästen
steckte. Eine Aktion, die ihm ein Strafverfahren wegen Widerhandlung
gegen die Rassismus-Strafnorm eintrug.
Sonst betätigt sich Schaub weiterhin als freischaffender Erwachsenenbildner.
Der 52-Jährige bietet eine ganze Reihe von Veranstaltungen
an: "Ghibellinum - Seminar für Philosophie, Gymnastik
und Rezitation" nennt sich ein Projekt mit wöchentlich
drei Veranstaltungen, einem "Studienkreis Philosophie",
einem Filmkreis und einer Vortragsreihe "Kunst und Dichtung".
Eine Aufgabe des Filmkreises sei, so Schaub, "das Bekanntmachen
von zeitgeschichtlichen Forschungen und Dokumentationen, die von
den öffentlichen Medien unterdrückt" würden.
Naiv, wer dabei nicht an Holocaustleugnung denkt. Unklar ist, wie
viele Interessenten das Angebot anzieht. Weiterhin betreibt Schaub
seine "Nordische Gymnastik". Nordisch heisse sie, weil
sie "dem Bewegungstyp des mittel- und nordeuropäischen
Menschen" entspreche. Sie stütze sich auf Graf Fritz von
Bothmer und Hinrich Melau. Von Bothmer war Anthroposoph, Hinrich
Melau ist Begründer einer "Deutschen Gymnastik",
die im Dritten Reich besonders beim Bund Deutscher Mädchen
verbreitet war.
Philippe Brennenstuhl
Einer der wenigen Rechtsextremisten, die sich am 1. August demonstrativ
auf das Rütli begeben wollten, war der Westschweizer Holocaust-Leugner
Philippe Brennenstuhl, der sich dort im Vorjahr an der Seite eines
bekannten "Blood and Honour"-Skinhead gezeigt hatte. Bei
der polizeilichen Anhaltung erklärte er, er wolle eine patriotische
Rede auf dem Rütli halten .
Ein "internationaler Sekten-Orden, jener der Freimaurer",
so behauptet Brennenstuhl, habe sich zur geheimen Aufgabe gemacht,
"den Menschen über die Materie auszubeuten und zu unterjochen
und dies durch die Internationalisierung des Handels sowie durch
Monopolisierung der Waren und Dienstleistungen (zum Beispiel Massenmedien!)
mit dem Endziel, eine globale Weltregierung unter amerikanisch-zionistischer
Herrschaft zu errichten." Bis zum heutigen Tag kanalisierten
die Freimaurer "in eigennütziger Weise die meisten politischen,
finanziellen, intellektuellen und religiösen Kräfte dieser
Welt."
Brennenstuhl, der seine Karriere im rechtsextremistischen Milieu
der Schweiz im Februar 1999 als Vorstandsmitglied des Vereins "Vérité
et Justice" begann, ist heute ein Einzelkämpfer, der Behörden
mit irrlichternden Eingaben beschäftigt. Die kommentierten
Resultate dieser Briefwechsel veröffentlicht er auszugsweise
als Broschüre.
Fazit
Rechtsextremismus blieb auch 2006 in der Schweiz eine gesellschaftliche
und politische Realität. Die Szene ist zwar insgesamt marginal,
doch ist sie zahlenmässig so stark wie seit 1945 nicht mehr.
Die Subkultur der Naziskinheads als anteilsmässig grösste
Untergruppe ist 2006 - wenn überhaupt - nur wenig gewachsen,
vor allem in Kleinstädten und in Dörfern treten rechtsextremistische
Cliquen und/oder Gruppen auf, zu deren Feindbilder sowohl Linke
wie Ausländer' zählen. Die Naziskin-Subkultur verfügt
über ein stabiles Netz von Szene-Angeboten wie Musikgruppen
und Konzerten.
Kontinuierlich weiter arbeiten jene Organisationen und Einzelpersonen,
die rechtsextremistisches Gedankengut durch politisch-kulturelle
Aktivitäten - jedoch nicht durch die Teilnahme an der institutionalisierten
Tagespolitik - vorantreiben wollen.
Die rechtsextremistische Szene verfügt inzwischen über
eine politische Kraft, die Partei National Orientierter Schweizer
PNOS. Noch nie seit 1945 konnte sich eine rechtsextremistische Partei/Gruppe
so lange halten.
Kaum noch in Erscheinung - mit Ausnahme zweier Einzelkämpfer
- treten die Schweizer Holocaust-Leugner. In einem Teil der Schweizer
Rechtsextremisten-Szene hat sich jedoch Holocaust leugnendes bzw.
verharmlosendes Gedankengut etabliert.
Luzern, 8. Januar 2007
Hans Stutz
Der Text - erweitert mit Fussnoten und Literaturangaben - erschien
in "Rassismus in der Schweiz, Ausgabe 2006".
Alle Rechte beim Verfasser.
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