Rund 25 Neonazis griffen die antifaschistische Demo an
Jonas G. war nicht der Einzige, der sich einer polizeilichen Aktion ausgesetzt sah. Bei insgesamt sechzehn Rechtsextremisten aus den Kantonen Luzern, Bern und Aargau kamen in jenen Tagen Ermittler vorbei, unter anderem beschlagnahmten diese auch jenes Foto, das Oberleutnant Jonas G. zusammen mit zwei Gesinnungskameraden beim Hitlergruss zeigt.
Die Beamten ermittelten gegen die Täter eines rechtsextremistischen Angriffs auf Teilnehmer einer antifaschistischen Kundgebung von Ende Oktober 2004 in Willisau LU. Rund 25 Rechtsextremisten hatten am 30. Oktober unter den Augen der Polizei die eintreffenden Teilnehmer einer bewilligten antifaschistischen Demonstration angegriffen. In den darauf folgenden Tagen ermittelte die Luzerner Kantonspolizei gegen insgesamt 18 Täter. Sie informierte die Öffentlichkeit erst Ende Januar über ihren Fahndungserfolg. Die Täter würden - gemäss der Medienmitteilung - zumeist der Helvetischen Jugend angehören, einer Organisation im Umfeld der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos).
Sie hätten die Demonstration angegriffen, berichtete der Rechtsextremist im Verhör, weil «die Linken überall demonstrieren» könnten, sie jedoch nicht. In den Polizeiverhören gab Jonas G. über seine politischen Verbindungen nur ausweichend Auskunft. Er bequemte sich nur zur Antwort, dass er «den einen oder anderen» aus der deutschen und Schweizer Szene kenne. Und die vielen einschlägigen Schriften habe er auch nur, weil ihn «das interessiert».
Unbestritten ist: Jonas G. blieb dem neonazistischen Milieu treu. Er treffe sich weiterhin, erklärte er Anfang Juni 2005, «mit Kollegen aus rechtsradikalen Kreisen». Aber er sei bei «keiner solchen Vereinigung Mitglied». Mitglied ist G. hingegen sowohl beim örtlichen Schiessverein als auch beim Turnverein.
In den letzten Jahren war G. vor allem Rekrut, Soldat, Korporal, Leutnant und zuletzt Oberleutnant. Warum merken Armeeausbilder nichts von den rechtsextremen Ansichten von Untergebenen, obwohl sie längere Zeit mit diesen Militärdienst leisten? Rechtsextreme seien, so VBS-Sprecher Felix Endrich, vielfach «grosse Patrioten, die mit grosser Motivation Militärdienst leisten». Diese würden sich daher «sehr zurückhalten, damit sie nicht auffallen». Im Klartext: «Sie hocken aufs Maul.» Jonas G. selbst wollte gegenüber der SonntagsZeitung nicht Stellung nehmen. |