Es braucht detaillierte Kenntnisse
Und selbst wenn es zuträfe, dass Medienberichte das Selbstwertgefühl des rechtsextremistischen Milieus fördern würden, dürften die Medien nicht schweigen. Denn nur das öffentliche Wissen über rechtsextremistische Strukturen und Vorkommnisse stärkt jene Männer und Frauen, die Rechtsextremismus - wie übrigens auch Rassismus - als unvereinbar mit einer demokratischen und menschenrechtsfreundlichen Gesellschaft erachten, seien es Eltern, Lehrer, Politiker oder Aktivisten der Antifa. Sie alle brauchen detaillierte Kenntnisse. Dazu kommt: Rechtsextremisten halten dem gesellschaftlichen Druck in öffentlichen Diskussionen meist nicht stand.
Die Frage ist folglich nicht, ob Medien über Rechtsextremismus berichten sollen, sondern wie sie berichten sollen. Medien sollen nicht nur amtliche Mitteilungen zusammenfassen, sondern sie auch politisch einordnen, vor allem dort, wo die Behörden (Polizei, Justiz oder Armee) nicht hinsehen wollen. Wie beispielsweise bei der Frage: Welcher Rechtsextremist hat wieder einen Vorschlag für eine Vorgesetztenfunktion erhalten?
Sollen Medien aber auch über angekündigte Ereignisse (wie Konzerte und Kundgebungen) berichten? Angenommen, eine Schweizer Sektion des Nazi-Skin-Netzwerkes «Blood and Honour» plant für morgen Samstag ein grösseres Konzert an einem noch unbekannten Ort in der Schweiz, vielleicht in einer gemeindeeigenen Mehrzweckhalle oder in einer ländlichen Turnhalle. Die Publikation einer solchen Information erhöht die Wachsamkeit, auch der Saalvermieter und Gemeindeverwaltungen. Es wäre nicht das erste Mal, dass nach entsprechenden Hinweisen die angemieteten Räume noch rechtzeitig gekündigt wurden. Nur wer konkrete Informationen hat, kann handeln. |