2007
    «Allerletzte Chance»
 
  David Mulas, inzwischen 28jährig, Gründer der Nationalen Partei der Schweiz (NPS), ist noch einmal knapp äusserst knapp um einen längeren Gefängnisaufenthalt herumgekommen. Allerdings nur durch die starke Betonung seiner schweren Persönlichkeitsstörungen, unter denen er seit seiner frühen Kindheit leide. Angeklagt war Mulas in erster Linie wegen eines Schusses, den er im Februar 2002 in Richtung eines Türstehers und Amateurboxers der Klasse Superschwergewicht bei einer Auseinandersetzung in der Berner Altstadt abgegeben hatte. Das Kreisgericht Bern-Laupen verurteilte ihn nun zu 12 Monaten Gefängnis unbedingt. Dies nachdem Mulas bereits im Mai 2001 unter anderem wegen gewerbsmässigem Betrug zu 17 Monaten bedingt aufgebrummt erhalten hatte. Das Gericht schob die Strafe jedoch diesmal zugunsten einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung und Anordnung einer Schutzaufsicht auf. Es könne zwar «keine günstige Prognose» gestellt werden, erklärte die Gerichtspräsidentin bei der Urteilsverkündigung, doch habe sich die Situation des Angeschuldigten im letzten Jahr derart positiv verändert, dass er mit dem Strafaufschub «eine allerletzte Chance» erhalte. Wie bei Rechtsextremisten beliebt, hat auch Mulas vor dem Kreisgericht Bern-Laupen behauptet, nichts mehr mit der Szene zu tun zu haben.
Blöd allerdings nur, dass der letzte Eintrag auf der immer noch aufgeschalteten NPS-Internet-Site erst einige Wochen alt ist. Der Eintrag schildert einen unlängst verlorenen Prozess von Mulas gegen einen Blick-Journalisten. Darin wird unter anderem behauptet, Rechtsextremismus heisse doch heute: «Ohne Wenn und Aber fürs ein Volk einstehen!» Weiter ist auf der Site auch ein «kleiner Ausflug zum DUCE in Predappio (Forli) im November 2003» dokumentiert. Tröstlich immerhin, dass die NPS, die nur wenige Mitglieder zählte, nie über die politische Bedeutungslosigkeit hinausgekommen ist, auch wenn sie noch vor zwei Jahren grossmaulig die Teilnahme an den nationalen Wahlen vom Herbst 2003 angekündigt hatte.

Hans Stutz
Leicht gekürzt erschienen in Tachles, 30. April 2004
Alle Rechte beim Verfasser.