| Am vergangenen Sonntag leuchteten seine Wangen, seine Augen glänzten, seine Haare standen borstig, und an seiner Jeansjacke, die ein bei Naziskins beliebtes Pitbullshirt überdeckte, prangte das Abzeichen der Partei National Orientierter Schweiz (PNOS), ein Schweizer Kreuz mit Morgenstern. Tobias Hirschi, zwanzigjährig und Strassenbauer, war eben in das vierzigköpfige Parlament der Oberaargauer Kleinstadt Langenthal gewählt worden.
Mit ihm strahlte der Berner PNOS-Stützpunktleiter Pascal Lüthard, der sich nichts von seinem mittwöchigen Gerichtsauftritt anmerken liess. Es ist das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass in der Schweiz ein Rechtsextremist auf einer rechtsextremistischen Liste in ein Parlament gewählt wurde. Und dies in einer Kleinstadt, die Ende der achtziger Jahre ein Knotenpunkt des Deutschschweizer Rechtsextremismus war.
Der Grund für Hirschis Wahlerfolg hat mit dieser Vergangenheit wohl nichts zu tun. Nur wenig mehr als 35 Prozent begaben sich an die Urne. Genau 36 WählerInnen von knapp 9000 Wahlberechtigten legten eine unveränderte PNOS-Liste ein, 53 fügten der Liste noch weitere Namen hinzu. Weiter erhielt der einzige PNOS-Kandidat 149 Panaschierstimmen von SVP-WählerInnen, was immerhin mehr als ein Drittel der insgesamt 415 persönlichen Hirschi-Stimmen ausmacht. Gegenüber den Medien erklärte SVP-Präsident Roland Christen postwendend, seine Partei wolle mit Hirschi nichts zu tun haben. Und er schob die Schuld für den PNOS-Erfolg der SP zu, deren «Distanzierungsinserate» im Wahlkampf wohl «kontraproduktiv» gewesen seien. Für SVPler ist die Linke an allem schuld.
Die PNOSler schwankten am Sonntag zwischen Staunen über den Erfolg und Pessimismus über ihre Einflussmöglichkeiten. Noch am Sonntag veröffentlichte die PNOS auf ihrer Site eine skeptische Einsicht: Mit nur einem Sitz im Stadtrat könne Hirschi «keinen grossen Einfluss» ausüben, doch alles daran setzen, dass «Langenthal für die Schweizer wieder lebenswerter» werde. Diese Argumentation verweist auf das PNOS-Parteiprogramm, das die «zügige Rückführung kulturfremder Ausländer in ihre Heimat» postuliert. Und auch: Schweizer könne nur sein, wer «dem Volk angehört oder ihm durch Abstammung und Kulturverwandtschaft so nahe steht, dass er sich einfügen kann». Ähnlich steht es auch im NSDAP-Rassengesetz. Folgerichtig erklärt Hirschi in einem «Blick»-Interview, das Problem des grossen Ausländeranteils sei die «Rassenvermischung».
Hirschi war bis zu seiner Kandidatur politisch nicht hervorgetreten.
Eine Woche vor den Wahlen hatten die rechtsextremistischen Wahlkämpfer
in der Kleinstadt am Samstag einen Infostand aufgestellt. Es sei
aufgefallen, so die PNOSler auf ihrer Homepage, «dass vor
allem die ältere Generation (zwischen 50 und 80 Jahren) auf
der nationalen Seite» stehe. Dabei hatte das PNOS-Flugblatt
Hirschi als Kandidaten angepriesen, der «der Schweizer Jugend
eine Stimme geben» wolle. Natürlich nicht der linken
Jugend: Das lokale Kulturzentrum Lakuz will er schliessen, es sei
«ein Ort, an dem sich Jugendliche treffen, um Drogen zu konsumieren».
Ansonsten wetterte die PNOS über Ausländer, so genannte
Ausländerkriminalität und verschlechterte Bildungschancen
für «Schweizer Kinder». Ganz im Tonfall eines SVP-Wahlflugblatts
also - was auch verrät, in welchem politischen Schatten der
PNOS-Wahlerfolg möglich geworden ist.
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