Rechthaberisches Sammelbecken
Auch mit der Qualifizierung des Bergier-Berichtes als "Geschichtsklitterung" folgt der einstige Poch-Mitbegründer einer Argumentation, die weder in der Mitte noch im linken politischen Spektrum geteilt wird. Und mit dem mehrfachen Verwendung des Begriffes "Spin-Doctor" (Verdreher oder Manipulatoren) legt Mattmann gar eine verräterische Fährte: Diesen Begriff verwenden sonst vor allem Mitglieder des Vereins für Psychologische Menschenkenntnis (VPM), der sich in den letzten fünfzehn Jahren als ebenso sektierisches, wie rechthaberisches Sammelbecken von (meist parteiungebundenen) Nationalkonservativen entwickelte.
Bereits die einstige Bewegung für eine neutrale Schweiz ohne EU-Nato-Anschluss (BNS), Vorläuferin der CHance21, war durch eine besondere Nähe zum VPM aufgefallen. Immer wieder erschienen BNS-Aufrufe in den VPM-dominierten "Zeit-Fragen, mehrmals war Mattmann bei VPM-dominierten Komitees aktiv. Zwar hat sich der VPM am 3. März 2002 - genau an jenem Sonntag, als die Schweiz den Vereinigten Nationen (UNO) beitrat - offiziell aufgelöst. Nur die einstigen VPM-ExponentInnen treten weiterhin auf, vermehrt sogar. So beispielsweise am kommenden Dienstag bei der CHance 21, anlässlich der "1. Vollversammlung von CHance21".
Angekündigt sind Renata Rapp; Zürich und der Historiker Thomas Kaiser, Zürich. Sie sollen über die "Historischen Wurzeln und geopolitische Implikationen im Nahostkrieg" sprechen. Rapp beispielsweise gehörte zu den ExponentInnen einer VPM-Privatschule, die in der aargauischen Mutschellengemeinde Rudolfstetten entstand. Verfolgt man die Nahost-Berichterstattung in der VPM-dominierten "Zeit-Fragen", stellt man immerhin fest, dass die Zeitung eine palästinafreundliche Linie ohne Hetze vertritt. Was hingegen die "geopolitischen Implikationen" betrifft, ist mit verschwörungsphantastistischen Gedankenflügen zu rechnen.
Bereits zwei Wochen später lädt die CHance21 zu einem Vortrag "Multikulturalität versus nationale Identität - das Konzept der Gastfreundschaft als Ausweg aus der Sachgasse?" Referent ist Johannes Heinrichs. Wer aber ist Johannes Heinrichs? Der 60jährige ehemalige Jesuit - heute offensichtlich und herzerfrischend kirchenfeindlich - ist seit 1998 an der Humboldt-Universität zu Berlin Professor für Agrar-Kultur und Sozialökologie. Dies als Nachfolger des einstigen linken DDR-Dissidenten Rudolf Bahro, der gegen Ende seines Lebens zunehmend esoterischen Schwachsinn veröffentlichte. |