«SVP und Rechtsextremismus» war ein Hauptthema der letzten Phase des Wahlkampfes. Nach der Zweitpublikation von Blochers Lob für einen Holocaust-Leugner verlangten die anderen drei Bundesratsparteien, aber auch viele Medienkommentare, von der SVP den Tatbeweis für ihre Abgrenzung von Rechtsextremisten und Rassisten. Nach dem Wahlsonntag gingen Bundesratsparteien wie Medien schnell zur Tagesordnung über. Auf die Einforderung des Tatbeweises verzichteten sie.
Nun sorgt ein SVP-Vertreter wieder einmal dafür, dass die rechtsextreme Klientel sich parlamentarisch vertreten fühlt. Der 39-jährige Medizinhistoriker Christoph Mörgeli, im Oktober neu in den Nationalrat gewählt, reichte kurz vor Weihnachten seinen ersten parlamentarischen Vorstoss ein. Die Vorgeschichte: Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus warnte nach der Publizierung von Blochers Brief: «Nicht akzeptabel ist, wenn Täter, die den Antisemitismus durch ihr Handeln - wenn auch vielleicht nur unbewusst - begünstigen, sich selber schnell als Opfer einer Medienkampagne darstellen und dabei ihre eigene Mittäterschaft als Anheizer von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ausblenden. Auch eine nationalkonservative Politik muss so vertreten werden, dass keine Alt- und Neonazis sowie Holocaustleugner im Kielwasser mitschwimmen können.» Blocher reagierte gereizt auf die EKR-Stellungnahme und kündigte umgehend politische Vorstösse gegen die Kommission an.
Nun hat Mörgeli, Blochers Knecht fürs Grobe, den Auftrag ausgeführt. Er fordert die Abschaffung der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, allenfalls die «Einschränkung» ihres Aufgabenbereiches. In der Begründung seines Vorstosses lehnt sich Mörgeli an die rechtsextreme Kritik an der Rassismus-Strafnorm. Er bezeichnet die Kommission als «Quasizensurbehörde, welche die Kontaktaufnahme mit Kantonen und Gemeinden zu «verfassungswidrigen, indirekten Zensurmassnahmen» missbrauche. |