Amaudruz hatte bereits in den Kriegsjahren die ersten politischen Projekte vorangetrieben und war von der Bundespolizei als «Nationalsozialist» eingeschätzt worden. Auch unterhielt er, gemäss Beobachtungen der Bundespolizei, 1944 Kontakte mit einem Mitarbeiter der nazideutschen Gesandtschaft in Bern. Schon kurz nach dem Krieg beteiligte er sich an Neugründungen, die von einstigen Fröntlern und Nazis angestrebt wurden. Anfang der 50er Jahre beklagte er den Sieg der Allierten: «Sie haben Europa verraten, während Adolf Hitler sein Möglichstes tat, um es zu retten.» In jener Zeit beteiligte er sich an zwei neonazistischen Neugründungen: der Volkssozialistischen Partei der Schweiz (VPS) und Neuen Europäischen Ordnung (NEO). Die VPS ging bald wieder ein, die NEO existierte als schwindsüchtige Kleingruppe bis in die erste Hälfte der neunziger Jahre.
In den 80er Jahren wurde Amaudruz der zentrale Kopf der «Nationalen Koordination», in der sich Vertreter von neonazistischen Gruppierungen sowie Skinheads wie auch einige Vertreter der Nationalen Aktion zu strategischen Diskussionen trafen. Amaudruz betrieb während Jahrzehnten auch einen Bücherversand, in dem er rassistische und holocaust-leugnende Bücher verkaufte. Gestützt auf die in der Schweiz fehlenden gesetzlichen Vorschriften konnte er lang in den deutschen Rechtsextremisten-Blättern behaupten, bei ihm gäbe es keine verbotenen Bücher. Im September 1994, als er in seinem Blättchen «Courrier du continent» letztmals eine Angebotsliste veröffentlichte, bemerkte er ausdrücklich, dass 27 Werke durch die Rassismus-Strafnorm «bedroht» seien. Nach Inkrafttreten der Strafnorm zog er sein Angebot nicht zurück.
Als er dann im März 1995 im «Courrier du continent» vom Holcocaust als «Mythos» («des faits mythiques») schrieb, erstattete der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) Strafanzeige. Im Juni 1995 titelte Amaudruz weiter: «Ich glaube nicht an Gaskammern.» Bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmte die Polizei im September 1995 verschiedenste einschlägige lieferbare Bücher, darunter auch Amaudruz' eigene rassistische Schriften.
Ihren Strafantrag wird die Staatsanwaltschaft erst während dem Prozess stellen. Theoretisch mögliche Höchststrafe: drei Jahre Gefängnis. Die Verhandlungen werden rund eine Woche dauern. Die Urteilsverkündigung ist provisorisch auf Montag, den 10. April terminiert.
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