Die Kandidatenempfehlung folgte einer einzigen Bedingung
Doch der KFU-Einfluss blieb bescheiden. Glarner erachtet es zwar als Verdienst seiner Organisation, dass die beiden Zürcher SVP-Rechtsaussen Ulrich Schlüer und Hans Fehr in den Nationalrat gewählt wurden. Sonst aber sei «die Aktion von 1995 kein grosser Erfolg gewesen», findet der Luzerner SVP-Grossrat Josef Huber, Präsident der KFU-Sektion Waldstätte - und folgert: «Man muss in den Parteien mitreden und bei den Nominierungen mitbestimmen können.»
Die negative Einschätzung hinderte Hubers KFU-Sektion nicht daran, auch heuer - als einzige Sektion - mehrere Inserate zu platzieren. Sie warben nur für SVP-Mann Huber. Als eine «Art Nachfolger der KFU» versteht der Badener «Abendland»-Herausgeber Meier die «Überparteiliche Wahlempfehlung: Für eine echte bürgerliche Vertretung in Bern», die er in der SonntagsZeitung geschaltet hat. Unterzeichnet ist das Inserat von einer Reihe gestandener Rechtsbürgerlicher, so von Rudolf Burger aus Burg AG, einem Sympathisanten des hoch umstrittenen Vereins für Psychologische Menschenkenntnis VPM. Die Auswahl der Kandidaten folgte einer einzigen Bedingung: Die Empfohlenen mussten «Gegner des Volleintrittes in die EU» sein. Dazu kam als strategisches Kriterium «Kandidat auf einer Liste, die effektiv einen Sitz machen kann».
Dass das Schweizer Wahlsystem seine Fallstricke habe, verdeutlichte Meier im «Abendland» am Beispiel des Abtreibungsgegners Gody Studer (CVP) aus Escholzmatt LU. Nur bei «guter Chance» auf eine Wahl solle man Studer zweimal auf die Liste nehmen, da sonst «die beiden Kandidatenstimmen nur Leuten» zugute kämen, die «in Bern das genaue Gegenteil» vertreten würden.
In der kommenden vierjährigen Legislatur und nach dem Abschluss der bilateralen Verträge werde es, so Glarner, «keinen grossen Druck zum EU-Beitritt» geben. Konsequenterweise benutzte die AVV «die Ausländer- und Asylpolitik» als Auswahlkriterium. In vier Inseraten (Text: «Unglaublich: 55% der Straftaten werden von kriminellen Ausländern verübt.») werden eine Kandidatin und drei Kandidaten unterstützt. Die beiden FDP-Kandidaten Philipp Müller und Luzi Stamm (bisher) empfehlen alle vier Inserate, alternierend hinzu kommen die Badener Treuhänderin Monica Benz und der Aargauer SVP-Nationalrat und Transportunternehmer Ulrich Giezendanner. |