Vertrauen des Parteipräsidenten
Maurer wird sich noch mit einem vierten Fall auseinandersetzen müssen. Im Kanton Jura kandidiert für den Nationalrat mit Jean-Jacques Kottelat ein SVP-Grossrat, der wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm zu einer Busse verurteilt worden ist. Kottelat bezeichnete im April 1998 in einem Leserbrief bosniakische und kosovo-albanische Flüchtlinge als «ces moulaffes errantes et déboutés, qui sont entrés clandestinement chez nous, qui veulent prendre du travail aux Suisses, font baisser les salaires et foutent ce pays dans la merde» (diese herumvagabundierenden und abgewiesenen Mullahs, die illegal zu uns gekommen sind, die den Schweizern die Arbeit nehmen wollen, die Löhne sinken lassen und dieses Land in die Scheisse stossen).
Gegenüber der Sonntags-Zeitung bedeuerte Maurer zwar unlängst: «Rechtsextreme, die sich am Nationalsozialismus orientieren, haben bei uns nicht den Hauch einer Chance.» Nur sind ja nicht alle Rechtsextremisten auch Nationalsozialisten. Fakt ist: Wie einst die Nationale Aktion (heute Schweizer Demokraten), die Partei mit den «braunen Flecken auf ihrer weisen Weste», reagiert die SVP erst auf Medienberichte, wenn überhaupt. Allfällige Parteiausschlüsse geschehen nur zögerlich. Wenn überhaupt. Auch Pascal Junod erhielt von Parteipräsident Maurer zuerst das Vertrauen ausgesprochen, bis der Sonntags-Blick nochmals nachbohrte, zwar keine neuen Tatsachen ans Licht förderte. Abgesehen von einem Statement Junods, das Junod mindestens in die Nähe der Holocaust-Leugner brachte: «In den historischen Berichten (über die Judenvergasungen, H. St) finde ich nichts, was mir eine definitive Antwort gibt». Und Roger Etter erhielt noch Donnerstag vergangener Woche das Vertrauen seiner Kantonalpartei. Weniger zögerlich hingegen Etters Arbeitgeber, die Bank Vontobel, sie entliess den SVP-Nationalratskandidaten.
Vom altgedienten SVP-Antisemiten Emil Rahm, verurteilt wegen der Verbreitung des Buches «Geheimgesellschaften» von Jan van Helsing, mochte sich die Partei bis heute nicht verabschieden. Im Gegenteil, unlängst verteidigte Maurer den uneinsichtigen Hallauer Verschwörungsphantasten. Zu Rahms «Ehrenrettung» müsse man sagen, so Maurer, «dass er in Schaffhausen für eine Anschuldigung verurteilt wurde, die in anderen Kantonen zum Freispruch führten.» Nur: Die Freisprüche erfolgten nicht wegen des Inhaltes des van Helsingschen Machwerkes, sondern weil das Tatbestandsmerkmal «Öffentlichkeit» nicht erfüllt war.
Zögernd auch die Trennung vom Basler Ernst Indlekofer, der bereits Anfang der 90er-Jahre mit rüden ausländerfeindlichen Aktionen aufgefallen war und sich allmählich zum Hofberichterstatter der Holocaust-Leugner mauserte. Erst als Indlekofer 1996 unmittelbar vor dem Ausschluss stand, trat er aus der Partei aus. |