Auslöser der Grafschen Schreiben an seine "Freunde" ist die Verhaftung Ernst Indlekofers. Der Herausgeber und Redaktor der Holocaust-leugnenden Zeitschrift "Recht+Freiheit" wurde am 19. August 1998 verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt, nachdem die baselstädtische Kantonspolizei bei einer Hausdurchsuchung unter anderem die neueste Nummer von "Recht+Freiheit" sowie weiteres Material beschlagnahmt hatte. Fünf Tage später konnte Graf, unlängst zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, seine antisemitischen Phantasien nicht mehr halten: Für Indlekofers Arretierung sei die Justiz eines "zionistischen Okkupantenregimes" verantwortlich. "Unter diesem Umständen muss sich jeder von uns auf die Arbeit im Untergrund vorbereiten." Graf ist allerdings vorsichtig genug, um dieser Aufforderung zur Illegalität, allenfalls zum Terrorismus, zugleich eine zwiespältige Distanzierung folgen zu lassen: "Ich appelliere aber dringendst vor allem an die jüngeren und ungeduldigeren unter Ihnen, von Gewaltakten Abstand zu nehmen. Unter den heutigen Umständen sind diese kontraproduktiv und nützen nur dem System." Die "heutigen" Umstände können sich allerdings schnell ändern.
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