Diese
Woche erschien folgende Meldung in den Medien: "Die Weltwirtschaft
ist mitten in der tiefsten Rezession, die wir je erlebten, ausgelöst
von einer globalen Finanzkrise und verschärft durch einen
Zusammenbruch des grenzüberschreitenden Handels", sagte
OECD-Chefökonom Klaus Schmidt-Hebbel. Die Rezession werde
sich im Jahresverlauf verschärfen, bevor im kommenden Jahr
eine Erholung zu spüren sei, die durch die weltweiten Konjunkturprogramme
beflügelt werde, teilte die Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung weiter mit. Für 2010 sagen
die OECD-Experten ein mageres Plus für die Weltwirtschaft
von 1,25 Prozent voraus. Die Fraktion der Grünen und Jungen
Grünen versucht sich hier nicht als Orakel. Nicht mehr -
auch nicht von den unbelehrbar optimistischen Finanz- und Ökonomieprofessoren
- bestritten wird heute, dass die Welt, Europa, die Schweiz sich
in einer Wirtschafts- und nicht mehr nur in einer Finanzkrise
befinden, und dass sich diese in sinkenden Steuererträgen
und steigenden Sozialkosten (nicht nur für die Sozialversicherungen,
sondern auch für die Kommunen) auswirken wird. Selbst der
Stadtrat von Luzern schreibt in seinen Medienunterlagen ja inzwischen
von "Weltwirtschaftskrise". Die Lage ist also ernst,
doch die Stadtregierung und Stadtparlament können diese Entwicklung
nicht beeinflussen, aber sie beeinflusst die städtische Politik.
Tatsache ist: Die Stadt Luzern hat im vergangenen Jahr 2008 noch
einen Gewinn schreiben können, rund 12 Millionen Franken
Rohgewinn sind es, vor der Äufnung eines Fonds für die
Pensionskassen-Sanierung und von Abschreibungen. Allerdings sind
in diesen 12 Millionen Rohgewinn auch einmalige Einnahmen enthalten,
beispielsweise 5 Millionen aus dem Verkauf der Aktien Parkhaus
Zentrum AG.
Nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Nettoschuld im vergangenen
Jahr um rund 20 Millionen Franken gestiegen ist, auf inzwischen
wieder 44 Millionen Franken. Das ist noch wenig, im Vergleich
zu der Verschuldung, die der Stadt bereits im Jahr 2013 blüht.
Man kann zwar - und dies zu recht - einwenden, dass diesen grossen
Schulden entsprechende Werte - die Investitionen - gegenüberstehen.
Fakt ist aber auch: Die jährlichen Schuldzinsen werden die
jährlichen Ausgaben belasten, zur Zeit noch im bescheidenen
Massen, bei rund 400 Millionen Schulden wären dies allerdings
schnell mal der Ertrag eines Steuerzehntels.
Die Zukunftsaussichten, wie sie der Stadtrat sieht, sind unerfreulich,
doch immer noch zu hoffnungsfroh eingeschätzt. Mindestens
zwei Positionen sind - bei realistischer Betrachtungsweise - nämlich
zu optimistisch eingeschätzt. Einerseits die kantonale Annahme,
dass durch die Steuergesetzrevision 2011 ein Kompensationseffekt
- durch die Ansiedlung von neuen Unternehmern und vermögenden
Privaten - von 4 Millionen Franken entstände, andererseits
ist nicht berücksichtigt, dass bei der Stadt noch Pflegekosten
von 5 Millionen bis 10 Millionen Franken jährlich anfallen
könnten.
Die Verluste der kommenden Jahre werden höchstwahrscheinlich
noch grösser ausfallen.
Wie ist es soweit gekommen? Wer trägt die politische Verantwortung,
wenn überhaupt? Und was unterstützt die Fraktion der
Grünen und Jungen Grünen?
Die bürgerliche Mehrheit im Grosse Stadtrat hat im November
2007 beschlossen, den Steuerfuss um 0,1 Einheiten zu reduzieren
und hat damit in Kauf genommen, dass die geplante ausgewiesene
Verschuldung der Stadt von rund CHF 55 Mio. bis 2012 auf CHF 220
Mio. Franken ansteigt. Schon vor der Abstimmung über die
Steuerfussreduktion wurde bekannt, dass die Verschuldung mutmasslich
noch stärker ansteigen will. Das war ein gefährliches
Spiel! Die kantonale Steuerpolitik und die Weltwirtschaftskrise
haben nun diese Strategie endgültig scheitern lassen
Bei der Debatte im November 2007, als die bürgerliche Mehrheit
dieses Rates kurzsichtig eine Steuerfussreduktion beschloss, erklärte
unsere Fraktion: "Es widerspricht sowohl der politischen
wie der wirtschaftlichen Logik, in einer Zeit der Hochkonjunktur
Schulden zu machen. Dem Finanzdirektor kann noch zugestimmt werden,
dass Steuersenkungen nur in einer Hochkonjunktur möglich
sind - aber nicht mit Schulden machen. (
) Die weitere Entwicklung
ist absehbar. Da im Kapitalismus die nächste Krise so sicher
ist wie der Penalty nach einem Handspiel im Strafraum, wird die
Stadt dann wieder Sparprogramme durchziehen müssen. Die Bürgerinnen
und Bürger der Stadt Luzern können dann nur hoffen,
dass die Bürgerlichen in diesem Parlament nicht mehr die
Mehrheit haben. Das gilt für die grosse Mehrheit in dieser
Stadt, denn diese hat ein steuerbares Einkommen von 50'000 Franken
und tiefer. Sie kann nur hoffen, dass (
) sich der soziale
und der ökologische Schaden in Grenzen halten wird."
Die Steuergesetzrevision 2011 schlägt nun dem Fass den Boden
aus. Der Stadtrat zeichnet ein unerfreuliches Bild, was die Finanzplanung
bis 2014 betrifft. Und es könnte noch dicker kommen: Unklar
ist, ob er die Verhandlungen mit dem Kanton in seinem Sinn wird
abschliessen können. Gehen wir einmal davon aus, dass das
lokale Monopolblatt für einmal korrekt berichtete, so hat
der kantonale Finanzdirektor Marcel Schwerzmann der Stadt bereits
die kalte Schulter gezeigt. Die Fraktion der Grünen/Jungen
Grünen wird aber den Stadtrat unterstützen, damit er
beim Kanton die Entlastungen ab 2011 erreicht, sei dies beim Finanzausgleich,
bei der Aufklassifizierung von Gemeindestrassen zu Kantonsstrassen,
bei der Kultur, beim Volksschule-Kostenteiler oder sei dies bei
der Pflegefinanzierung.
Wie weiter?
Das ist das erste und wichtigste: Die Kantonale Steuergesetzrevision
2011 muss in der Volksabstimmung scheitern. Sie bringt den Gemeinden
- nicht nur der Stadt Luzern, aber dieser ganz besonders - unverantwortlich
hohe Einnahmensausfälle. Die Fraktion der Grünen und
der Jungen Grünen ruft alle dazu auf, das Referendum gegen
die kantonale Steuergesetzrevision 2011 zu unterstützen und
sich dafür auch zu engagieren. Tatkräftig und mit Engagement.
Probleme löst man nicht in dem man im stillen Kämmerlein
den Kopf schüttelt. Und wer wegen angeblicher drohender Missstimmung
mit dem Kanton keinen Abstimmungskampf führen will, hat schon
verloren. Er nimmt - gemäss der Einschätzung der Fraktion
der Grünen/Jungen Grünen - die Verantwortung für
die Stadtfinanzen zu wenig ernst, ausser er befürwortet den
rücksichtlosen Steuerwettbewerb und die damit einhergehende
Umverteilung der Lasten von oben nach unten.
Und zweitens. Der städtische Steuerfuss - vor allem falls
die Steuergesetzrevision 2011 unglücklicherweise angenommen
würde - muss wohl bereits im Jahr 2011 erhöht werden.
Ja, bei ausschliesslich sachimmanenter Betrachtung müsste
man diese Forderung bereits für das kommende Rechnungsjahr
stellen. Es kann ja nicht sein, dass die Stadt die in den vergangenen
Jahren angehäuften Rückstellungen innerhalb von zwei
Jahren quasi vollständig aufbraucht: Dies zu einer Zeit,
wo man davon ausgehen muss, dass die Wirtschaftskrise und deren
sozialen Folgen die Stadt während mehreren Jahren beschäftigen
werden. Die Fraktion der Grünen/Jungen Grünen wird die
Forderung (Erhöhung des städtischen Steuerfusses) spätestens
im kommenden Jahr stellen. Wie viel ist noch unklar, aber ein
Zehntel wird es im mindestens sein müssen. Den bürgerlichen
Mitglieder des Rates möchte ich entgegen halten, was der
Stadtrat in seiner Antwort auf das CVP-Postulat schreibt: "Die
Diskussion um den Steuerfuss sollte ohne ideologische Scheuklappen
geführt werden, damit hier eine gewisse Flexibilität
- (
) - möglich bleibt."
Und Drittens: Die Fraktion der Grünen und der Jungen Grünen
lehnt eine erneute Sparrunde ab, sie geht - wie es das noch nicht
vollständig umgesetzte Entlastungs- und Überprüfungsprogramm
EÜP aufgezeigt hat - in erster Linie zu ungunsten der städtischen
Lohnabhängigen und jener, die über ein geringes Einkommen
verfügen. Vergessen Sie nicht, die Mehrheit der städtischen
Wohnbevölkerung verfügt über eine steuerbares Einkommen
von weniger als 50'000 Franken jährlich. Und diese profitieren
nicht von der kantonalen Steuergesetzrevision, die eine Entlastung
der mittleren und hohen Einkommen und die Halbierung der Unternehmenssteuern
bringt.
Hans Stutz