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Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz, Oktober 2010 |
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Roggwil
BE, 31. Oktober 2010 |
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Dominic Lüthard,
Präsident der PNOS Schweiz und Mitglied der rechtsextremen Band
"Indiziert", wird nicht in die Bildungskommission gewählt.
Allerdings werfen 68 von 2664 Stimmberechtigten eine unveränderte
PNOS-Liste ein, dazu kommen noch 147 Zusatzstimmen von anderen Listen.
Lüthard hatte sich im Wahlkampf als Biedermann, Familienvater,
Vereinsmitglied und Musiker präsentiert. |
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Genf,
29. Oktober 2010 |
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Les Jeunes
Identitaires Genevois unterstützen ein Referendum gegen die Umzonung
eines Grundstückes (58ha) von der Landwirtschaftszone in die
Wohnzone, um den Bau von rund 2500 Wohnungen zu ermöglichen.
Das Referendum ergriffen haben zuerst linke und grüne Parteien
sowie Umweltorganisationen. Die Identitaires begründen die Unterstützung
allerdings mit einem xenophoben Slogan: "Schützen wir unsere
Landschaften, stoppen wir die Immigration!" (Protégeons
nos campagnes, arrêtons l'immigration!). Sie schreiben auch,
dass die Genfer Politiker eine weitere Zuwanderung begrüssen
würden. Ein Entschluss der durch eine kurzsichtige wirtschaftliche
Sicht bestimmt sei, verbunden mit "dem bekannten humanitären
und drittwelt-freundlichen Unsinn" (la traditionelle niaiserie
humanitaire et tiers-mondialiste). |
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Goldau
SZ, 24. Oktober 2010 |
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Rund 30 Personen
nehmen an einem Schulungsnachmittag der PNOS Schwyz teil. Der Referent
Adrian Segessenmann, vor allem bekannt als Sprecher der Avalon Gemeinschaft,
referiert - gemäss einem Veranstaltungsbericht - zuerst über
"Ordnung, Disziplin und gesundes Leben", anschliessend über
den "nationalen Kampf". |
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Paris/Genf,
23. Oktober 2010 |
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Gegen 500
Rechtsextremisten beteiligen sich an einer Kundgebung der Bewegung
Les Identitaires, überschrieben "Die Jugend an die Macht"
(La jeunesse au pouvoir). Unter den Rednern ist auch der Genfer Jean
David Cattin, Sprecher des Netzwerkes "Eine andere Jugend"
(Une autre jeunesse) und der Jeunes Identitaires Genevois. Er kritisiert
die 68er-Generation und beklagt diese habe ein Eurpa der Arbeitslosigkeit
und der Greise hinterlassen, ein beschämtes, unterjochtes und
gequältes Europa, ein Opfer der Immigration. Er behauptet die
Existenz eines "anti-weissen Rassismus". |
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Genf,
20. Oktober 2010 |
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Die "Tribune
de Genève" berichtet, dass eine bis anhin unbekannte rechtsextreme
Gruppierung Genève Non Conforme in einer Bar in der Altstadt
eine "Party" veranstalten wollte, die sie auch auf ihrer
Homepage ankündigte. Als der Wirt den Hintergrund erfahren habe,
habe er die Leute wieder ausgeladen. Der Anlass findet dann an einem
anderen Ort statt. Gemäss Jérôme Béguin,
Autor des Buches "L'extrême droite genevoise, des origines
à nos jours", handelt es sich um eine vor wenigen Monaten
gegründete Gruppe, die rund ein Dutzend Mitglieder zählt.
Sie verbinde - wie auch andere Gruppierungen in Europa - Nationalismus
und Ablehnung der Marktwirtschaft. |
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Sigriswil
BE, 20. Oktober 2010 |
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Vor dem Richter
mimen Antisemiten gern den Unschuldigen, den Harmlosen oder gar den
Naiven. So auch ein 62jähriger Bauer und Kleinunternehmer, der
im Januar 2010 im lokalen Gratisblatt "Sigriswiler Anzeiger"
einen Text mit vielen antisemitischer Passagen, teils angelehnt an
die "Zionistischen Protokolle", hatte erscheinen lassen.
Heute musste er sicht nun vor einem Thuner Einzelrichter verantworten.
Er gab an, er habe den Text nicht geschrieben und wisse auch nicht,
woher er den Text habe. Er habe diesen nur flüchtig gelesen,
doch befunden, er passe zur Auseinandersetzung über die Schliessung
von Schulklassen in Sigriswil. Der Angeklagte weiter. "Ich weiss
ja nicht einmal, was ein Zionist ist." Und das die Juden im Text
erwähnt worden seien, habe er überlesen. Doch die Ausflüchte
fruchteten nichts. Der Einzelrichter verurteilte den Mann wegen Rassendiskriminerung
zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen (à 120
Franken) und einer Busse von 800 Franken. Am Verfahren beteiligten
sich auch zwei Privatklägerinnen, eine ortsansässige und
eine Genfer Jüdin, letztere als SIG-Vertreterin. Der Einzelrichter
verneinte die Klageberechtigung des SIG, da ein Verband keine Verletzung
der Menschenwürde geltend mache könne. Die zweite Klägerin
schloss mit dem Verurteilten einen Vergleich, wonach der Antisemit
750 Franken Genugtuung zu zahlen habe. Ein Betrag, den die Klägerin
an die Sigriswiler Schulen weiterleiten wird, zwecks Förderung
von Projekten gegen Rassismus und Antisemitismus. |
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Brig-Glis
VS, 16. Oktober 2010 |
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Unbekannte
sprayen in der Nacht an verschiedenen Orten in der Briger Innenstadt
"Nigger" und "Sieg Heil". |
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Basel/Moskau/Belgrad,
10. Oktober 2010 |
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Wie
einige serbische Medien berichteten, hat das Oberste Gericht vergangene
Woche in Belgrad die Verbreitung eines Buches des Schweizer Holocaut-Leugners
Jürgen Graf untersagt und die Beschlagnahmung aller vorhandenen
Exemplare verfügt. Gemäss einem Sprecher der Staatsanwaltschaft
habe das Gericht befunden, dass das Buch "Der Holocaust-Schwindel"
den Holocaust und seine historische Bedeutung verharmlose und ethnischen
und religiösen Hass gegenüber den Juden fördere. Das
Verfahren geht auf eine Klage der Jüdischen Gemeinden Serbiens
zurück, die im März 2010 ein Vertriebsverbot forderten,
nachdem die serbische Ausgabe des 1993 in Basel publizierten Buches
erschienen war. Jürgen Graf lebt seit längerer Zeit in Moskau,
nachdem er sich dem Strafantritt (15 Monate Gefängnis) durch
Flucht ins Ausland entzogen hatte. Zu den - auch vom Schweizer Bundesgericht
- als holocaust-leugnend eingeschätzten Büchern Grafs gehörte
auch das nun in Serbien verbotene Erzeugnis. |
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Langenthal
BE, 9. Oktober 2010 |
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Rund 150 Rechtsextremisten
folgen einem Aufruf von Dominic Lüthard, Präsident der Partei
National Orientierter Schweizer PNOS und von Willi Frommenwiler, Exponent
der autopartei.ch. Neben Lüthard und Frommenwiler tritt auch
Markus Borner, Präsident der Schweizer Demokraten des Kantons
Basel-Stadt auf, sowie Pierre Singer, früher Mitglied der Freiheitspartei.
Die Teilnehmer demonstrieren gegen gegen den Bau eines Minaretts auf
dem Gebetsraum der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Die Berner Baubehörden
hatten vor kurzem einen Rekurs gegen den Bau abgelehnt, da das Gesuch
vor der Annahme des Minarettverbotes eingereicht worden war. Am Schluss
der Veranstaltung drohte Lüthard der Islamischen Glaubensgemeinschaft,
falls diese das Baugesuch nicht zurückziehe, werde man "mit
weiteren Aktionen den Druck erhöhen". Anschliessend fegt
er mit einem Besen unter Applaus fünf Papier-Minarette von einer
Karton-Schweizerflagge. Bereits vor Jahren verwendete die PNOS Aargau
ein Plakat der braunen Fröntler. Es zeigte einen grossen Besen,
der Juden, Freimauern und Linke aus dem Lande wischt. Tage später
reicht ein Privatperson gegen Lüthards Aktion ein, da diese gegen
die Rassismus-Strafnorm verstosse. |
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Brüssel,
9. Oktober 2010 |
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Am Schluss
landet SVP-Nationalrat Oskar Freysinger, wo es ihm gefällt -
im flämischen Parlament, als Türöffner agierte Filip
Dewinter, Präsident der rechtsextremen Partei Vlaams Belang.
Zuerst hätte Freysinger, eingeladen von einer rechtskatholischen
Vereinigung und angekündigt als der "Mann, der in der Schweiz
den Bau von Minaretten stoppte", in einem Vorort der belgischen
Hauptstadt einen Vortrag halten sollen, überschrieben "Der
Islam - eine Bedrohung?". Eine Provokation, in einer Gegend in
der rund fünfzig Prozent der EinwohnerInnen muslimischen Glaubens
sind. Der Saalvermieter steigt aus dem Vertrag aus, ebenso später
ein Hotel, in dem die Veranstalter ausweichen wollen. In einem Comminiqué
schreibt die rechtsextreme Partei nach Freysinger Auftritt, dieser
habe vor rund fünfzig Personen gesprochen und tiefere Einblicke
in die Motive der Schweizer Anti-Minarett-Initiative geboten. Die
Schweizer Medien berichten über die Absage der ersten Veranstaltung,
nicht aber über Freysingers Auftritt bei Rechtsextremen. |
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Zürich,
7. Oktober 2010 |
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Der "Tages-Anzeiger" veröffentlicht ein Interview
mit Melinda Nadj Abonji, Verfasserin des erfolgreichen Romans "Tauben
fliegen auf", in der sie das Leben einer ungarischsprechenden
serbischen Familie darstellt, die in die Schweiz gezogen ist.
Frage: "Das Buch endet in den Neunzigerjahren, mit den Auflösungskriegen
in Jugoslawien. Ist die Schweiz seither toleranter geworden, offener
gegenüber Einwanderern?"
Abonji: "Es ist schwer, bei diesem Thema zu verallgemeinern.
Es ist ein schichtenspezifisches Problem. Ich bin als Autorin in
einer privilegierten Position obwohl auch ich auf der Strasse
beleidigt wurde und Drohbriefe erhalten habe, und das ist noch nicht
so lange her. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und kenne auch
in der Schweiz viele Menschen aus dem Milieu. Dort ist die Stimmung
gegenüber Ausländern nicht entspannter geworden. Wo Angst
herrscht, findet man schnell Sündenböcke. Nein, die Schweiz
ist nicht toleranter geworden. Aber es gibt zum Glück auch
Gegenkräfte." |
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Luzern,
5. Oktober 2010 |
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Das Amtsstatthalteramt
Luzern weist die Ehrverletzungs-Strafklage von Anian Liebrand, Präsident
der Jungen SVP Luzern, gegen mich "von der Hand". Kläger
Liebrand hat weder den Kostenvorschuss von 1'000 Franken noch den
Friedensrichter-Weisungsschein (Bestätigung für eine missglückte
Einigung) eingereicht. Im Klartext: Liebrand hat laut getrommelt,
und nichts geliefert. Aber der stille Rückzieher ist folgerichtig,
seiner Strafklage mangelte es an Substanz. |
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Entscheid
vom 5. Oktober 2010 |
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Bericht
20 Minuten - Klage gegen Stutz ist nun vom Tisch |
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Strafanzeige
von Anian Liebrand |
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Bericht
20 Minuten - Mit Fehler im Titel |
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Nachtrag
vom 31. Oktober 2010: |
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Liebrand reagiert auf
die Veröffentlichung seines selbstverschuldeten Misserfolges
mit einer Verschwörungsphantasie. Er schreibt vom "linken
Filz" und behauptet, die Klage nicht weiter verfolgt zu haben,
da diese "von einer SP-Friedensrichterin behandelt" worden
wäre. Liebrand demonstriert damit seine Wissenslücken. Eine
Friedensrichterin hat "nur Vermittlungsfunktion
und keine Entscheidkompetenz". In einem Ehrverletzungsverfahren
fragt sie die Parteien, ob diese sich einigen wollen oder können,
und wenn es zu keiner Einigung kommt, dann stellt sie einen "Weisungsschein"
aus, und das Verfahren geht seinen ordentlichen juristischen Verlauf. |
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Stans
NW, 3. Oktober 2010 |
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Der Waldstätterbund
veröffentlicht aus seiner Homepage einen Veranstaltungsbericht
über eine "Gedenkfeier zum Franzosenüberfall".
Ein unbekannter Redner (Pseudonym Randolf) lässt sich dabei über
die "Folgen der Niederlage beim Überfall der Franzosen auf
die heutige Zeit" aus. Er sei davon überzeugt, "dass
es 'Auserwählte' gibt, welche die Fäden in der Hand halten.
Und Politiker nur deren Marionetten sind." Und weiter: "Gewissen
solchen Leuten sagt man nach, ein grosses hervorstehendes Körperteil
zu haben." (Damit meint er 'die Juden'). Er fährt dann fort:
"Doch es sind nicht nur solche. Es sind all jene, welche sich
in unserer liberalistischen Wirtschafts-Welt als Parasit so richtig
wohl fühlen." |
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Altdorf
UR, 1. Oktober 2010 |
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Das Urner
Obergericht bestätigt das Urteil gegen Markus Martig, einst Mitglied
des PNOS-Vorstandes, einst Exponent der PNOS-Sektion Emmental. Ausserdem
überbinden die Richter ihm die Kosten des Verfahrens vor Obergericht,
macht 4'900 Franken. (Siehe Altdorf UR, 22. September 2010) |
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