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Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz, November 2010 |
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Schweiz/Deutschland/Frankreich,
29. November 2010 |
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Die SVP-Ausschaffungsinitative
erhält auch das angemessene Lob, mehrere rechtsextreme Parteien
gratulieren zum Abstimmungserfolg. Marine Le Pen, Vice-Präsidentin
des französischen Front National, "freut sich" über
den Entscheid "kriminelle Ausländer automatisch auszubürgern".
Da hat die rechtsextreme Frau zwar nicht genau hingesehen, doch sie
ist sich sicher, der Entscheid sei "eine Sieg des Volkes über
die Eliten". Der Entschied würde dem entsprechen, was der
Front National für Frankreich vorschlage. Auch Bruno Gollnisch,
Vize-Präsident des Front National, ist erfreut und meint, es
gelte dem Beispiel zu folgen, das die Schweiz gegeben habe. In Deutschland
veröffentlicht die NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag eine
Medienmitteilung und lobt "das Schweizer Vorbild", ihr Fraktionschef
meint sogar: "Der Rechtsruck in Europa wird von Wahl zu Wahl,
von Volksentscheid zu Volksentscheid stärker. Europa erwacht!"
Unerfreuliche Aussichten, wenn dem wirklich so wäre. Die NPD-Parteizentrale
publiziert ein Flugblatt, überschrieben "Vorbild Schweiz.
Mit kriminellen Ausländern kurzen Prozess machen." Und auch
die Republikaner gratulieren, ihr "Bundesvorsitzender" Rolf
Schlier erklärt, die "klare Ansage" der SVP-Initiative
sollte "in Europa Schule machen". |
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Schweiz,
28. November 2010 |
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Auch die Parteien
rechts der SVP sind erfreut über die Annahme der SVP-Ausschaffungsinitiative.
Ja, die Schweizer Demokraten (SD) sehen sich sogar als Mit-Sieger.
Ohne ihre Unterstützung wäre, so die Partei, "das Endergebnis
wohl kaum so herausgekommen". Die Partei der traditionellen AusländerdiskriminierInnen
rühmt sich "weit über 200'000 Sonderzeitungen zugunsten
der Ausschaffungsinitiative unter die Leute gebracht" zu haben.
Ein öffentliches Thema war die SD-Sonderzeitung allerdings nirgends.
Auch die Partei National Orientierter Schweizer PNOS sieht sich gestärkt,
die Annahme sei "ein deutliches Zeichen für ein Umdenken
in der Ausländerpolitik" und dieses komme "sicher"
auch der PNOS "zugute". Ebenfalls "erfreut" über
das Resultat sind die "Jeunes Identitaires Genevois", eine
seit mehreren Jahren in Genf aktive Gruppe, mit guten Verbindungen
nach Frankreich. Die Genfer Identitaires, die in den vergangenen Wochen
zusammen mit Mitgliedern der Jungen SVP Genf Plakataktionen durchgeführt
hatten, stellen auch gleich weitergehende Forderungen: Die "aussereuropäische"
Migration müsse gestoppt werden und die Schweiz müsse MigrantInnen,
"die nie in der Schweiz ihren Platz finden werden", wieder
in ihren Herkunftsländern anzusiedeln. Im Klartext: MigrantInnen
aus Asien und Afrika - raus! |
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Wien,
Ende November 2010 |
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Österreichische Medien
berichten, dass der Basler Rechtsextremist Eric Weber, der von 1984
bis 1992 für die Nationale Aktion im Basler Grossen Rat sass,
in der Oktober-Ausgabe des rechtsextremen und FPÖ-nahen Monatsmagazins
"Die Aula" ein frei erfundenes Interview mit dem niederländischen
Muslimfeind Gert Wilders veröffentlicht hat. Wilders Büro
habe bestätigt, dass Weber zwar um ein Interview angefragt habe,
jedoch abgewiesen worden sei. In der gleichen "Aula"-Ausgabe
erschien ein zweites Weber-Interview. Der frühere bayerische
Ministerpräsident Günther Beckstein hat sich tatsächlich
von Weber schriftlich interviewen lassen, dieser hatte sich jedoch
als Journalist einer deutschen Zeitschrift ausgegeben. Bereits seit
vielen Jahren versucht Weber sich als Journalist, meist in Deutschland. |
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Genf,
20. November 2010 |
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An der Generalversammlung
der Association des Amis de Robert Brasillach spricht - neben dem
Genfer Anwalt Pascal Junod - auch der französische Holocaust-Leugner
Eric Delcroix. |
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Sion,
16.November 2010 |
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Mehrere Westschweizer
berichten, dass der SVP-Nationalrat Oskar Freysinger Mitte Dezember
in Paris an einer Tagung - organisiert von rund zwanzig rechtsextremen
Organisationen, darunter dem Bloc Identitataire - zum Thema "Islamisierung"
aufzutreten gedenkt. Gemäss der Ankündigung der Veranstalter
sollen die Redner berichten, wie sie "dem Angriff des Islams"
(offensive de l'islam) widerstehen würden. Freysinger behauptet,
er habe auf die Anfrage eines Freundes reagiert. |
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Genf,
16. November 2010 |
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In den frühen
Morgenstunden befestigen Mitglieder der Jeunes Identitaires Genevois
ein Spruchband in der Nähe de1 Justizgebäudes, versehen
mit der Inschrift "Assez de juges laxistes! Oui aux renvois!"
Sie werben damit für die Annahme der SVP-Ausschaffungsinitiative. |
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Morgarten
ZG, 13. November 2010 |
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Gemäss
einem PNOS-Veranstaltungsbericht nehmen rund 100 Rechtsextremisten
an der PNOS-Schlachtfeier teil. Die Reden halten der Schwyzer Daniel
Herger und der Basler Philippe Eglin. Dieser habe, so der Bericht,
über den "politischen Kampf für unser aller Vaterland"
gesprochen und über die von der Wirtschaft gekauften Politiker
und über die einseitigen und gleichgeschalteten Medien".
Anschliessend besuchten die meisten TeilnehmerInnen ein Konzert der
einschlägig bekannten Band "Indiziert", das irgendwo
im Kanton Schwyz stattfand. |
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Sarnen
OW, 6. November 2010 |
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Ein Reporter
der Wochenzeitung WOZ besucht Sarnen und erkundigt sich dort über
die Ansichten zur SVP-Ausschaffungsinitiative. Er protokolliert. "'De
Güsel mues use', sagt eine Frau wie aus der Pistole geschossen
auf die Frage, was sie von der Ausschaffungsinitiative halte. Sie
wohne in Bitzighofen, da habe es viele von denen. Von welchen? 'Usländer,
wo immer nur ä tummi Schnorre händ. Und dänn zahle
mer au no für die. De tunim Schwiizer hebt doch immer de Geldseckel
uf! Jetz isch gnueg!' Wieso sie denn nicht auf die Banker wütend
sei, die die Schweizer Wirtschaft beinahe in den Abgrund geritten
hätten. 'Für die zahl i jo nöd', sagt die Bewohnerin
einer der radikalsten Steueroasen der Schweiz. Eine ältere Dame
mischt sich ein und sagt mit deutschem Akzent: 'Muesch luege,der junge
Mann muess mal no under de Islamischte lebe.' Dann stapfen sie zum
Stand,wo es Käseschnitten gibt." |
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Zürich,
6. November 2010 |
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Organisiert
von der SVP diskutieren der abgewählte Bundesrat Christoph Blocher
und Daniel Vischer, Nationalrat der Grünen, über die Ausschaffungsinitative.
Die NZZ berichtet über die Veranstaltung: "Mit grossem Applaus
bedachten die Besucher auch die Erwähnung des französischen
Präsidenten Sarkozy, der kürzlich mehrere tausend Roma ausgeschafft
hatte, sowie die dänische Ausweisungspraxis weist das
Land doch laut Blocher im Vergleich zur Schweiz ein Mehrfaches an
Personen aus, und das bei einem deutlich kleineren Ausländeranteil.
Offenbar befindet sich die Schweiz in einem Wettbewerb um den kleinsten
Ausländeranteil bei gleichzeitig höchster Ausschaffungsquote.
Konsequenterweise wurde auch die Fragerunde nicht dazu genutzt, sich
über die Umsetzbarkeit der Initiative oder etwa den unvollständigen
Deliktskatalog zu erkundigen. Eine höflich vorgetragene, aber
nicht im Zusammenhang mit der Ausschaffungsinitiative stehende Frage
eines Palästinensers, was Blocher gegen Palästina habe,
quittierte eine Besucherin mit einem «Den kann man gleich mit
ausschaffen»." |
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Hérémence
VS, 2. November 2010 |
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Grégory
Logean und Patrice Thomas, beide CO-Präsidenten der Jungen SVP
des französischsprachigen Wallis, reagieren mit einer Medienmitteilung
auf ein Attentat auf eine Kirche in Bagdad und fordern "ein Moratorium
für die Einwanderung von Muslimen, die aus Ländern kommen,
in denen solche barbarischen Akte verübt" würden. Die
Ereignisse in Bagdad würden zur Vorsicht mahnen, "angesichts
dieses barbarischen und eroberungswilligen Islam". |
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Genf,
2. November 2010 |
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Drei Personen
demonstrieren gegen die Ausschaffungsinitiative vor einem Gebäude,
in dem Christoph Blocher gegen Flavio Pelli zu einem Streitgepräch
antritt. Sie werden von mehreren Naziskins angegriffen. Die Polizei
nimmt zwei Angreifer fest. |
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Bern,
1. November 2010 |
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Die
Monatszeitung "Standpunkt", Parteiorgan der Eidgenössischen
Demokratischen Union EDU, veröffentlicht einen Text von Dorothea
Scarborough, Vorsitzende der südafrikanischen und konservativ-evangelikalen
Vereinigung United Christian Action. Sie schreibt: "Apartheid
ist das afrikaanse Wort für getrennte Entwicklung. Sie war notwendig,
weil in Südafrika eine christlich-europäische Hochkultur
und eine heidnisch-afrikanische Steinzeitkultur aufeinander trafen.
Sie war auch erfolgreich, indem sie den Schwarzen erlaubte, in relativ
kurzer Zeit in die christliche Zivilisation einzusteigen." Die
"(marxistischen) Befreiungskämpfe" hätten dann
den Begriff Apartheid "zum Schimpfwort gemacht und mit Unterdrückung
und Rassenhass" gleichgesetzt. Auf Nachfrage von Medienschaffenden
distanziert sich selbst Hans Moser, Präsident der EDU Schweiz,
von diesen rassistischen Aussagen. Dass der Text im Parteiorgan erschienen
sei, habe mit der Meinungsfreiheit innerhalb der EDU zu tun. Im Klartext:
In der EDU gehört Rassismus zu den akzeptierten Grundhaltungen. |
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Opfikon
ZH, 1. November 2010 |
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Das Stadtparlament
wählt Urs Wagner (vormals Grünliberale) als Präsident
des Rates ab. Wagner hatte am 1. August eine Rede mit rassistischen
Aussagen gehalten. (Siehe Opfikon ZH, 1. August 2010). |
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