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Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz, Januar 2010 |
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Sigriswil
BE, 29. Januar 2010 |
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Im nichtamtlichen
"Sigriswiler Anzeiger" erscheint der zweite Teil eines Textes,
überschrieben "Agenda 21: Die Durchsetzung einer totalitären
Weltherrschaft". Als Autor zeichnet Otto Grossglauser, Inhaber
einer Holzverbauungsgeschäftes und halbamtlich dörflicher
Schwellenmeister. Der Text enthält eine Vielzahl antisemitischer
Passagen, teils angelehnt an die "Zionistischen Protokolle".
Der Verfasser behauptet: "Das organisierte Weltjudentum (Zionismus)
hat die totale Ausraubung gewisser reicher Länder wie Deutschland,
Schweiz, Österreich und anderer Staaten längst begonnen."
Oder auch: "Das Prinzip der Weltanschauung der Zionisten ist
Zerstörung. Darauf kann nichts entstehen, das es wert wäre,
Leben genannt zu werden." Und weiter: "Die Wahrheit (...)
wird strafrechtlich verfolgt, wenn sie mit den Interessen des Staates
und der Macht im Staat, den Zionisten, nicht konform ist." Der
Herausgeber behauptet gegenüber Medienschaffenden, er habe nur
den Beginn des Textes gelesen und er entschuldige sich für die
Publikation. Der Gemeinderat distanziert sich vom Inhalt. Der Schweizerische
Israelitische Gemeindebund (SIG) erstattet Strafanzeige wegen Widerhandlung
gegen die Rassismus-Strafnorm. |
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Bülach
ZH, 28. Januar 2010 |
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Das Bezirksgericht
Bülach verurteilt Erwin Kessler, Präsident des Vereins gegen
Tierfabriken VgT, wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm,
sieht jedoch von einer Bestrafung ab. Kessler erklärt umgehend,
er werde den Schuldspruch anfechten. Das bezirksgerichtliche Urteil
ist der vorläufige Schlusspunkt eines Strafverfahrens, das im
Jahr 1998 begonnen hatte und in dem inzwischen mehrere Vorwürfe
verjährt sind. Die Zürcher Strafbehörden machten in
der Auseinandersetzung mit dem prozesswütigen VgT-Präsidenten
- zurückhaltend ausgedrückt - nicht immer die beste Figur.
Auche einer früheren Bestrafung (45 Tage Gefängnis unbedingt)
konnte sich Kessler dank einer "Hinhaltetaktik" (Regierungsrat
des Kantons Zürich) so lange entziehen, bis die Vollstreckungsverjährung
eintrat. |
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Zum
vierten Mal am Start |
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Kessler
düpiert die Zürcher Strafverfolgungsbehörden |
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Luzern/Sempach
LU, 26. Januar 2010 |
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Bei der Beantwortung
eines kantonsrätlichen Vorstosses erklärt der Luzerner Regierungsrat,
dass es Ende Juni zwar einen Gottesdienst, doch keine Schlachtfeier
mehr geben werde. Die Feier sei "zunehmend von extremen politischen
Gruppierungen für ihre eigenen Zwecke missbraucht" worden.
Fakt ist, dass RechtsextremistInnen seit 2003 ungehindert im offiziellen
Umzug mitmarschieren konnten. Seit einigen Jahren konnten sie auch
ungehindert nach dem offiziellen Festakt eine eigene Kranzniederlegung
beim Schlachtdenkmal durchführen. Der Kanton war damit seit Jahren
Mitorganisator einer rechtsextremen Kundgebung. Der Regierungsrat
reagiert nun aber, weil bei der Schlachtfeier 2009 eine von der Juso
organisierten Demonstration gegen die Beteiligung der Rechtsextremen
stattfand und eine grosse Polizeipräsenz erforderlich war (Siehe
Eintrag vom 27. Juni 2009). Im Kantonsrat spricht Guido Luternauer
(SVP) nicht von Rechtsextremen sondern von "guten Eidgenossen".
Fakt ist: Der Aufruf zum Aufmarsch erfolgte jeweils durch die PNOS.
Selbst der Staatsschutz schreibt über diese Partei: "Die
PNOS blieb in der Schweiz die politisch aktivste rechtsextreme Organisation".
Und weiter auch: "Die PNOS hat ihre Wurzeln im gewalttätigen
Extremismus; etliche Mitglieder blieben auch im Berichtsjahr aktive
Skinheads." (Bericht Innere Sicherheit der Schweiz, 2008. Erschienen
im Mai 2009). |
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Langnau
am Albis ZH, 25. Januar 2010 |
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Georg
Jaggi, der sich als PNOS-Kandidat für das Amt des Gemeindepräsidenten
bewirbt, vertreibt ein Flugblatt in die Briefkästen, worin unter
anderem steht: "Ich will eine germanische Volksgenossenschaft
errichten, in welcher nur Germanen leben, in welcher alle Menschen
hilfreich und friedlich miteinander zusammenarbeiten." Oder auch:
"Es bekümmert mich sehr, dass die Germanen aussterben und
die nicht germanischen Menschenrassen sich so sehr vermehren, dass
es immer mehr Menschen gibt und das Leben wegen Überbevölkerung
immer unerträglicher und immer qualvoller wird." Jaggi verbreitet
weiter einen biologisch begründeten Rassismus: "So wie man
heutzutage Pflanzen- und Tierarten züchtet, will ich eine hochwertige
und reine germanische Rasse züchten, nämlich indem ich dafür
sorge, dass die Wertlosen, Nutzlosen oder Schädlichen überhaupt
kein Kind zeugen, und indem ich dafür sorge, dass diese Germanen
und Germaninnen gesund leben können."
Jaggi hatte sich Ende Dezember 2009 als PNOS-Kandidat vorgestellt.
Parteisprecher Kevin Mareque hatte zuerst verlauten lassen, dass es
jedem Mitglied frei gestellt sei, für ein politisches Amt zu
kandidieren. Später hatte die Partei eine Stellungsnahme nachgeliefert,
wonach sie sich von Jaggi distanziere.
Nachtrag: Anfang Februar gibt die PNOS bekannt, dass nach einem Telefonat
Jaggi schriftlich den Austritt aus der Partei erklärt habe. Und
weiter: "Wir wünschen Herr Jaggi trotz der Differenzen einen
erfahrungsreichen und fairen Wahlgang!" |
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Stein
AG, 14. Januar 2010 |
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Das Bezirksgericht
Rheinfelden verurteilt einen 22jährigen wegen qualifizierter
Brandstiftung zu zwei Jahren Gefängnis, bedingt auf fünf
Jahre. Der Verurteilte gibt an, sich seit der 2-wöchigen Untersuchungshaft
geläutert zu haben. Zusammen mit vier Mittätern, die sich
allesamt vor dem Jugendrichter verantworten mussten, hatte er am Ostersonntag
2008 einen Molotowcocktail gegen die Aslybewerber-Unterkunft geworfen,
ohne dass dieser das Gebäude in Brand setzte. "Die Flasche
habe ich damals geworfen, um den Asylanten Angst zumachen, um zu zeigen,
dass wir sie hier nicht haben wollen." |
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