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Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz, Dezember 2009 |
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Beromünster
LU, 16. Dezember 2009 |
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Das Amtsstatthalteramt
Sursee stellt das Verfahren gegen den JSVP-Präsidenten Anian
Liebrand ein. Dieser hatte Mitte August ein "Musterablehnungsgesuch"
veröffentlicht, um Leute zu Einsprachen gegen Einbürgerungen
zu animieren. Das Gesuch richtet sich explizit gegen Menschen "aus
dem Balkan". Der Amtstatthalter begründet die Einstellung
folgendermassen: Die Mustervorlage beinhalte "weder negative
Äusserungen gegen die 'Personen aus dem Balkan' noch werden diese
in einer die Menschenwürde verletzenden Weise herabgesetzt".
(Siehe Eintrag vom 10. August 2009) |
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Köln/Aarau,
9. Dezember 2009 |
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Die islamfeindliche
"Bürgerbewegung Pro Köln" meldet, dass Andreas
Glarner, Grossrat und Fraktionspräsident der Aargauer SVP, ihrer
Organisation beigetreten sei. Sie behauptet, Glarner gehöre zu
den "profiliertesten Islamisierungskritikern" und Glarner
wolle "auch in Nordrhein-Westfalen über die Erfahrungen
in der Schweiz und über die Minarettsverbotsinitiative"
referieren. Im Verfassungsbericht des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen
wird "Pro Köln" seit 2004 unter dem Verdacht
einer rechtsextremistischen Bestrebung aufgeführt. Gegenüber
Schweizer Medien behauptet Glarner: "Ich habe es nicht gewusst.
Aber in Deutschland stehen fast alle Parteien unter Beobachtung. Dort
würde auch die SVP unter Beobachtung fallen". Apropos 'profiliierter
Islamisierungskritiker": Glarners Beitrag bestand bis anhin darin,
provozierende Platkate wie "Maria statt Scharia" oder "Aarau
oder Ankara" zu publizieren. |
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Hüttikon
ZH, 8. Dezember 2009 |
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Die Gemeindeversammlung
- rund 60 von rund 600 Stimmberechtigten - lehnt die Einbürgerung
eines jungen Einwohners mazedonischer Herkunft ab, der seit dem 11.
Lebensjahr in der Gemeinde wohnt. Der "Tagesanzeiger" schreibt,
dass viele Hüttiker "extra für dieses Traktandum an
die Versammlung" gekommen seien. Viele davon "Ur-Hüttiker".
"Sie verlangten zuerst, der Mazedonier müsse den Raum wieder
verlassen. Dann wurde die Einbürgerung in einer geheimen Abstimmung
abgelehnt. Anschliessend wurde noch der Grund der Ablehnung beschlossen.
Fazit: Der Mann habe keinen Kontakt mit den Einwohnern im Ort. Demnach
sei er weder am Neujahrsapéro, beim Marronibraten noch in einem
Verein zu sehen." |
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Langenthal
BE, 6. Dezember 2009 |
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Zuerst rein,
dann raus und nun wieder rein - das ist der politische Werdegang des
Langenthaler PNOS-Stadtparlamentariers Tobias Hirschi. Ende Oktober
2004 war er ganz überraschend als erster PNOS-Vertreter in ein
kommunales Parlament gewählt worden. Nach Ende der Legislatur
trat er nicht wieder an. Hirschi könne, so lautete die offizielle
Begründung damals, aus beruflichen Gründen "nicht mehr
genügend Zeit finden, um das Amt des Stadtrates 100 % zuverlässig
auszuüben". An seiner Stelle erreichte Timotheus Winzenried
den PNOS-Sitz. Doch nach bereits einem Jahr hatte Winzenried genug,
er verliess das Parlament und gleich auch die rechtsextreme Partei.
Das Ende der rechtsextremen Präsenz im Stadtparlament schien
bereits in Sicht, doch nun verkündet Hirschi, er komme wieder
und sei "voll motiviert". Allerdings bereitet er bereits
wieder seinen Rücktritt vom Comeback vor. Die PNOS-Sektion meldet
nämlich: "Bereits jetzt beginnen jedoch Gespräche,
um einen Nachfolger für Hirschi zu nominieren bei den Stadtratswahlen
in drei Jahren." Durch diese Rochaden ändert sich allerdings
nicht viel in der Langenthaler Politik: Weder Hirschi noch Winzenried
haben im Stadtparlament irgendetwas bewegen können. Alle Beobachter
attestieren ihnen lokalpolitische Bedeutunglosigkeit. |
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Niederrohrdorf
AG, 6. Dezember 2009 |
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Die Bürgerlich-Demokratische
Partei des Kantons Aargau BDP lässt sich zur vorgeschlagenen
Änderung des Richtplanes vernehmen, welche die Schaffung von
fünf Halteplätzen für Fahrende vorsieht. Die BDP lehnt
den Vorschlag ab: "Nach der Minarett-Abstimmung sollte jedem
klar sein, dass in der Bevölkerung schwer durchschaubare Emotionen
bestehen, wenn es um kaum oder nicht integrierte Ausländer geht."
Die "Emotionen in der Bevölkerung" seien gegenüber
Fahrenden "wohl mehrheitlich negativ". Die Partei schreibt
dann weiter: "Mittlerweile haben bandenmässig organisierte
Fahrende in zu viele Einfamilienhäuser eingebrochen. Mittlerweile
haben sie zu viele dreiste Straftaten begangen.". Und weiter:
"Die BDP wehrt sich mit Vehemenz dagegen, dass man genau diesen
Banden weitere Standplätze in der Schweiz anbietet, die sie als
temporäre Stützpunkte für kriminelle Raubtouren missbrauchen
könnten, nur um sich anschliessend dank rechtzeitigem Aufbrechen
einem polizeilichen Zugriff zu entziehen." Die BDP stellt aber
auch die Zukunft der bestehenden Standplätze in Frage, da unklar
sei, "ob und wie Fahrende an den Erstellungs- und Unterhaltskosten
beteiligt werden sollen. Jeder Bürger weiss, dass er die Kosten,
die er für Sonderwünsche verursacht, auch selber bezahlen
muss." |
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Saillon
VS, 5. Dezember 2009 |
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Knapp nach
zwei Uhr nachts provoziert in einer Discothèque ein 21jähriger
Skinhead, begleitet von einigen Kollegen, die Umstehenden mit Nazisprüchen.
Ein 26jähriger Schweizer kosovarischer Herkunft bedeutet ihm,
dass seine Sprüche unerwünscht seien. Der Skinhead sticht
daraufhin mit dem Messer in den Hals seines Opfers. Der Niedergestochene
verliert viel Blut und überlebt nur, weil Anwesende sachgerechte
Hilfe leisten können, bis die Sanitäter eintreffen. Die
Polizei verhaftet den Täter. Danach wird bekannt, dass dieser
bereits einige Stunden vorher in einer Bar einen 17jährigen Musiker
angegriffen hatte. |
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Bern
und Beromünster AG, Anfang Dezember 2009 |
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Das Bulletin
des Parteiunabhängigen Informationskomitee PIKOM, präsidiert
vom SVP-Kantonsrat Thomas Fuchs, veröffentlicht einen Musterbrief
gegen Einbürgerungen "aus dem Balkan", geschrieben
vom Luzerner JSVP-Präsidenten Anian Liebrand. Im Begleittext
schreibt Liebrand von "Tausenden von Fremdvölkern",
die in die Schweiz strömen würden, auch erwähnt er
"kulturfremde, nicht integrierte Ausländer", die sich
den Schweizer Pass "erschleichen" wollten. Der Ausdruck
"Fremdvölker" stammt aus dem nationalsozialistischem
Vokabular und der Begriff "kulturfremd" wird sonst von Rechtsextremen
verwendet. Im PIKOM-Vorstand sitzt neben dem Präsidenten Fuchs
als Vizepräsident "Staatsanwalt Peter Heuberger". Nach
einigen Medienberichten tritt er aus dem PIKOM-Vorstand wie aus dem
Vorstand der Aargauischen Vaterländischen Vereinigung zurück.
Auch distanziere er sich von der Musterbriefen. |
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Suhr AG, 1. Dezember
2009 |
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Der Aargauer Regierungsrat
heisst die Beschwerden von drei Jugendlichen aus Serbien-Montenegro
gut. Ihnen wurde im Juni 2009 von der Gemeindeversammlung Suhr die
Einbürgerung verweigert, als Zeichen gegen Gewalt von Ausländern
gegen Schweizern. Der Regierungsrat erkennt in der Ablehnung einen
Verstoss gegen das Diskriminierungsverbot, da die Gemeindeversammlung
die Einbürgerung einzig aufgrund der Herkunft der Gesuchsteller
ablehnte. |
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