Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz, April 2008
   
 
  Dornach SO, 30. April 2008
  Wie erst jetzt bekannt wird: Bernhard Schaub ist als Vorsitzender des Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten (VRBHV) bereits im November 2008 zurückgetreten. Nachfolger wird der 80jährige Deutsche Udo Walendy. Man geht wohl nicht fehl, wenn man dem Holocaustleugner-Verein keine grosse Zukunft mehr voraussagt.
  Schaub zurückgetreten
  Rechtsextreme Geschichtswerkstatt
  Schaub in Teheran
  Flugblattaktion in Dornach und Umgebung
   
  Aarau, 24. April 2008
  Das Bezirksgericht verurteilt Sacha Kunz, einst Präsident der Partei National Orientierter Schweizer PNOS, angeschuldigt unter anderem der Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm, zu drei Monaten Gefängnis unbedingt, die er in 360 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten kann. Das Gericht widerruft jedoch die bedingten Vorstrafen nicht. Es sei die "letzte Chance. Wenn das Geringste passiert, hocken Sie alle bisherigen Strafen ab", zitiert die Aagauer Zeitung die Gerichtspräsidentin. Kunz habe in der Verhandlung erklärt, dass er seit 2003 nichts mehr mit der rechtsextremen Szene zu tun habe. Dies widerspricht allerdings den bekannten Tatsachen, so trat Kunz noch im Sommer 2005 als Teil des Duos "Eidgenossen" an einem Kameradschaftsabend auf. Die Aargauer Zeitung weiter: "Ein Mitarbeiter der Aktion Kinder des Holocaust, der den Angeklagten beim Ausstieg aus der Szene betreut, sagte jedoch, der Mann sei reifer geworden, habe sich von früheren Freunden abgewendet, kümmere sich gut um seine fünfköpfige Familie und habe Leben und Finanzen insgesamt besser im Griff. Eine Gefängnisstrafe, argumentierte der Therapeut (und später auch der Verteidiger), würde den positiven Prozess gefährden."
   
  Willisau LU, 20. April 2008
  Der PNOS-Kandidat Michael Vonäsch ist bei den Bürgerrechtskommission-Wahlen chanchenlos. Er erhält allerdings 264 Stimmen, das sind rund 11 Prozent. In einer Stellungsnahme erklärt die PNOS, dies sei ein "Achtungserfolg" und sie werde "voraussichtlich" bei den Grossratswahlen 2011 antreten. Warten wir einmal ab!
   
  Bellegem/Belgien, 19. April 2008
  Rund 250 Personen besuchen eine Veranstaltung der flanderischen Blood and Honour Sektion. Am Nachmittag ehren sie die "gefallenen Helden" der Waffen-SS und gedenken des Geburt Adolf Hitlers, am Abend spielen verschiedene einschlägige Bands. In einem deutschen Forum berichtet ein Besucher, dass nachmittags auch ein Redner aus der Schweiz aufgetreten sei und dieser habe "als einziger zu begeistern" gewusst. Am folgenden Tag bedankt sich im Blood and Honour-Forum der Nutzer "Division Helvetia" für die Ehre des Auftritts. Gleichentags kündigt der Betreiber der "Division Schweiz"-Site einen Videobericht über das Konzert an. Am darauffolgenden Tag gibt er die sofortige Auflösung der Schweizer "Brotherhood 28" bekannt, bald darauf verschwindet deren Homepage wie auch seine eigene vom Netz. Die Gründe sind unklar.
P.S. Vor kurzem berichtete die Antifa Bern, dass gemäss ihren Recherchen Ignaz Bearth-Holdener aus Gossau SG das Projekt "Divison Schweiz" betreibe. Sie legte aber nicht offen, auf welche Quellen sie sich stützt.
  Schweizer bei Waffen-SS-Gedenken in Budapest
   
  St. Moritz GR, 17. April 2008
  Die Wochenzeitung WOZ berichtet, dass Marco Strache, ehemaliger PNOS-Aktivist, als Tagespräsident bei der Gründung der Jungen SVP Oberengadin aufgetreten sei. Luca Degonda, der erste Präsident der neuen JSVP-Sektion bemerkt zu Strache: "Er hat uns sehr geholfen, die Partei zusammenzustellen." Stache selber erklärt, das Kapitel Nationalsozialismus sei für ihn abgeschlossen.
   
  Suhl/Deutschland, 11. - 13. April 2008
  Am Kongress der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik tritt auch der Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub auf. Er bezeichnet sich als "armer Volksdeutscher aus der Schweiz" und die BRD zuerstl als "Fremdbesatzungsintervall" und später als "Selbstverwaltungsprovisorium unter allierter Fremdherrschaft".
   
  Sion, 9. April 2008
  Die SVP Sektion Unterwallis publiziert das Zeugnis eines jungen Mannes, das zuerst auf einer rechtsextremistischen Informationsplattform veröffentlicht worden war. Darin behauptet der 22jährie Lionel Miox, er sei vor einigen Tagen in einer Bar als "Weisses Arschloch. Schweizer Bastard" beschimpft und später in einer anderen Bar angegriffen worden. Dabei habe ihm ein Mann maghrebinischer Herkunft gesagt: "Entschuldige dich, ein Weisser zu sein. Entschuldige dich, ein Schweizer zu sein. Andernfalls landest du im Spital". Er habe sich geweigert und sei dann von mehreren verprügelt worden. Als die Polizei eingetroffen sei, seien die Angreifer geflohen. Die Polizei habe sich auf eine Liste unanstastbarer Personen berufen und nichts unternommen. Mit seinem Zeugnis wolle er auf die Entwicklung des Rasssimus gegen Weisse im Wallis aufmerksam machen. Die dominierende Tageszeitung "Le Nouvelliste" verbreitet die Geschichte Tage später, ohne weitere Prüfungen. Kurze Zeit darauf veröffentlicht die Illustrierte "L'illustré", dass - gemäss verschiedenen Zeugenaussagen - Lionel Miox einerseits besoffen war, andererseits den Hitlergruss gezeigt, anderer Jugendliche rassistisch beschimpft und ihnen den Zeigefinger gezeigt habe. Auch ein Polizist bestätigt die rassistische Sprüche Miox'. Die SVP Sektion lässt den lügnerischen Text unkommentiert weiter auf ihrer Seite.
   
  Näfels, 6. April 2008
 

Rund sechzig rechtsextreme Männer und Frauen, samt Kleinkinder und Kampfhunden, ziehen durch das Dorf zum Schlachtdenkmal, das an den Sieg eidgenössischer Truppen gegen die Habsburger (1388) erinnert. Aufgerufen hatten die Frei Nationale Kameradschaft Helvetia-Germania FNK und das Team "Blutschutz", das vor allem T-Shirts mit einschlägigen Texten wie "Nationaler Widerstand Schweiz" oder "weiss & rein" vertreibt. Es sei an der Zeit, so stand im Demo-Aufruf, "ein Zeichen gegen das dekadente System und seine Schergen" zu setzen. Ein unbekannter Redner hält eine kurze Ansprache, dann formieren sich die RechtsextremistInnen zu einem Gedenkfoto, bei dem die meisten TeilnehmerInnen den Kühnengruss (gestreckter Arm mit gespreizten Schwurfingern) zeigen. Die Polizei ist vor Ort, greift jedoch nicht ein.

   
  Roggwil BE, 5. April 2008
  Geplant war das Konzert in der Westschweiz, doch die Saalinhaber kündigten den Veranstaltern kurzfristig am frühen Nachmittag den Konzertort. So treffen sich am Abend rund 150 Leute in Roggwi, hauptsächlich aus der Westschweiz und dem Tessin. Neben der einheimischen Band "Indiziert" treten zwei weitere Bands auf.
   
  Stein AG, 5. April 2008
  Die Aargauer Kantonspolizei teilt mit, dass sie vier junge Männer und eine Frau, alle mit Schweizerpass, verhaftet habe, die vor kurzem einen Molotovcocktail gegen die Asylbewerberunterkunft geworfen hätten. Gemäss späteren Angaben stammen drei aus dem Fricktal, einer aus der Stadt Basel und der letzte aus dem Kanton Baselland.
   
  Thun 4. April 2008
  Ein Strafeinzelrichter verurteilt einen 23jährigen, mehrfach vorbestraften Rechtsextremisten aus Seftigen BE zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 100 Franken. Der Verurteilte hatte Ende Januar 2007 einen 22jährigen Schweizer schwarzer Hautfarbe zuerst rassistisch beleidigt, dann geschlagen. Als Freunde dem Opfer zu Hilfe kommen wollten, wurden sie von weiteren Neonazis angegriffen.
   
   
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