Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz, Februar 2007
   
 
 
Chêne-Bourg GE, 27. Februar 2007
Die Zeitung "Le Matin Dimanche" berichtet, dass Julien Fonjallaz, Gemeinderatskandidat auf der Liste der Liberalen Partei, auf seiner Homepage einen antisemitischen Eintrag veröffentlichte: "Der Holocaust wird in imperalistischer, ja einigen Fällen sogar in terroristischer Art (im intellektuellen Sinn) gebraucht. Diese Instrumentalisierung hat zum Ziel die Eroberung des kollektiven Gedächtnis in Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg." ("L’Holocauste est utilisé de manière impérialiste et même dans certains cas terroriste (au sens intellectuel). Cette instrumentalisation a pour but de conquérir toute la mémoire collective liée à la Seconde Guerre mondiale.") Als die Partei von den Aussagen erfährt, streicht sie Fonjallaz sofort von der Liste. Auch die Kleinpartei La Droite Liberale, dessen Newsletter Fonjallaz als Chefredaktor betreut, enthebt ihn sofort seines Postens.
 
Zürich/Tuttwil TG, 18. Februar 2007
Erwin Kessler, Präsident des Vereins gegen Tierfabriken VgT, düpierte die Kantonalzürcher Strafvollzugsbehörden, so dass er die 45 Tage Gefängnis - im September 2000 letztinstanzlich durch das Bundesgericht bestätigt - nicht absitzen musste.
Kessler düpiert Zürcher Behörden
 
Zürich, Mitte Februar 2007
Die SVP veröffentlicht in mehreren Tageszeitungen Inserate, die betende Muslime vor dem Bundeshaus zeigen und den grossen Schriftzug tragen "Islamische Bevölkerung +1560%". Dazu lobt sich die SVP, sie kämpfe "für schweizerische Werte" und setze sich "als einzige Partei konsequent gegen die Ausbreitung des Islams ein." An einer Medienkonferenz kritisieren wenige Tage später die Alternative Liste, die CVP, die Grünen und die SP, sowie die Vereinigung islamischer Organisationen Zürich VIOZ diese Islam-Inserate, die SVP tangiere inhaltich die Religionsfreiheit der Muslime und stelle diese unter einen Generalverdacht. Musliminnen und Muslime müssten sich dadurch bedroht fühlen.
 
Interlaken BE, 15. Februar 2007
Unmittelbar nach der Verurteilung des kanadisch-deutschen Holocaust-Leugners Ernst Zündel zu fünf Jahren Gefängnis fordert die Partei National Orientierter Schweizer PNOS dessen «Freiheit». Der 67-jährige Zündel führte seit Mitte der neunziger Jahre von Kanada aus eine einschlägige Internetseite und vertrieb sowohl holocaust-leugnende wie antisemitische Literatur und hatte nach seiner Auslieferung vor dem Landgericht Mannheim erscheinen müssen. Auf ihrer Website bezeichnet die Schweizer Rechtsextremistenpartei in antisemitischer Weise den Holocaust als «moralischen Knüppel in den Händen einiger Hundertschaften», die den Völkermord an den Jüdinnen und Juden instrumentalisieren würden, «um ihre Macht durch die Akkumulation von Kapital und das Erpressen von Milliardenbeträgen zu zementieren». Zudem beschimpft die Pnos die deutsche Rechtsprechung als «Besatzerjustiz» und schreibt weiter: 62 Jahre nach dem Fall des nationalsozialistischen Regimes hätten «Totalitarismus und Despotie in Deutschland wieder Einzug gehalten».
PNOS zündelt
 
Vevey VD, 14. Februar 2007
Das Strafgericht verurteilt André Corboz (vormals FDP, nun SVP) wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm und Sachbeschädigung zu einem Strafgeld von 13'500 Franken, bedingt auf zwei Jahre, sowie zu einer Busse von 1'500 Franken. Corboz hatte Mitte Mai 2005 an Hauswände rassistische Parolen wie "Nègres go home" gesprayt, im weiteren bezichtigte er die schwarzafrikanischen Bewohner einer nahegelegenen Asylbewerber-Unterkunft des Drogenhandels. Empört über die rassistischen Sprayereien zogen daraufhin Bewohner der Asylunterkunft zum Wohnhaus des Sprayers, wo sie von rund zwanzig Polizisten zurückgehalten wurden. Trotz der Verurteilung sieht die SVP keinen Grund, von Corboz Konsequenzen zu verlangen.
 
Luzern, 13. Februar 2007
Ende 2006 lebten 1'523'586 Menschen ohne Schweizer Pass in der Schweiz. Im vergangenen Jahr wurden jedoch nur 45'987 ausländische EinwohnerInnen eingebürgert. Geht es im gleichen gemächlichen Stil weiter, werden 33 Jahre vergehen, bis alle heute in der Schweiz lebenden Einheimischen ohne Schweizer Pass ihre politischen Rechte erhalten.
Leserbrief: Nicht soo langsam
 
Küssnacht am Rigi, 11. Februar 2007
Martin Schnurrenberger, Gründungs- und Vorstandsmitglied der örtlichen JSVP-Sektion, wechselt zur PNOS. Dies macht die Küssnachter Ortssektion auf ihrer Homepage publik. Mit Schnurrenberger seien auch weitere "Mitstreiter" übergetreten.
 
Langenthal BE, 1. Februar 2007
Die Antifa macht publik, dass Stefan Wüthrich, Vorsitzender der PNOS-Ortsgruppe Langenthal, im Moment in der Panzer RS 21 zum Wachtmeister ausgebildet werde - "obschon die Schweizer Armee ihr Image als Sprundbrett für rechtsextreme Militärkarrieristen gerade loswerden möchte." Gemäss dem Armeesprecher Felix Endrich hatte Wüthrich gegenüber dem Schulkommandanten behauptet, aus der Partei ausgetreten zu sein. Tage später kündigt die PNOS Ortssektion Langenthal eine "Personalrochade" an, Wüthrich trete "per sofort" als Vorsitzender zurück, an seiner Stelle trete Dominic Lüthard.
 
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