Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz, April 2006
 
   
 
   
  Genf, 23. April 2006
  In ihrem Rapport behauptet die Coordination intercommunautaire contre l'Antisémitisme et la Diffamation (CICAD) in der Zusammenfassung ihrer Ergebnisse, für die dreizehn Monate von Dezember 2004 bis Ende Dezember 2005 insgesamt 75 antisemitische Ereignisse festgestellt zu haben. In ihrem vorherigen Bericht für die fünfzehn Monate von Oktober 2003 bis Ende Dezember 2004 hatte sie nur 34 Fälle aufgelistet. Der Rapport verbreitet Alarmismus anstelle von Aufklärung.
            Innovative Zählmethode
   
  Roggwil BE, 22. April 2006
  Die Rechtsrockband «Indiziert» feiert in ihrem Clublokal in Roggwil die Plattentaufe ihrer neuen CD «Marsch auf Bern». Rund zweihundert Leute sollen anwesend sein. Als Vorgruppe spielt - gemäss dem «Indiziert Newsletter» - die Band «Ragnarock». Der neue «Indiziert»-Tonträger wird von HRD-Records herausgegeben, erreichbar über eine Postfach-Adresse in Roggwil.
   
  Burgdorf BE, 21. April 2006
  Zusammen mit einem befreundeten Paar verlässt eine dreiköpfige Familie abends ein Restaurant, als sie von zunächst drei jungen Männern verbal, später handgreiflich attackiert werden. Die Angreifer beschimpfen die Ehefrau als «spanische linke Schlampe» und rufen auch «Heil Hitler». Die Mutter sowie der Sohn erleiden beim Angriff Verletzungen und müssen im Spital behandelt werden.
   
  Luzern/Rütli, 20. April 2006
  Die Rütlikommission der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, verantwortlich für die Ausrichtung der 1. August-Feier auf dem Rütli, gibt bekannt, was sie gegen den Rechtsextremisten-Aufmarsch unternehmen will. Sie gibt 2300 Billete heraus, die Hälfte verteilt sie an Bund und Kantone, die andere Hälfte vertreibt sie gegen Bestellung. Ein grosses Polizeiaufgebot soll die Anwesenheit unerwünschter Personen verhindern.
            2005: Neue Feste braucht das Land
            2003: Vergesst die Bundesfeier
            2000: Lust auf schnelles Vergessen
   
  Biel, 11. April 2006
  Die «Berner Zeitung» BZ publiziert ein Porträt über Ricardo Lumengo, der zwei Tage zuvor als erster Politiker schwarzer Hautfarbe in den Berner Grossen Rat gewählt wurde. Die BZ berichtet auch, dass am 27. März 2006, abends gegen halb sieben, Ricardo Lumengo beim Bahnhof Biel an einer Gruppe Skinheads vorbeiging, sich aus der Gruppe ein junger Mann gelöst habe und dem Politiker mit einem hölzernen Gegenstand auf den Kopf geschlagen habe. Der Angegriffene verzichtet den Angriff zum Wahlkampf-Thema zu machen. Auch verzichtet er darauf, eine Anzeige zu erstatten.
   
  Luzern, 5. April 2006
  Das Obergericht verurteilt zwei ehemalige Naziskinheads, die im Mai 2002 innerhalb von wenigen Wochen zwei Tamilen und einen Bosnier niederschlugen, auch wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm und erhöht das Strafmass der Vorinstanz um einige Monate. Der eine muss nun dreieinhalb Jahre, der andere drei Jahre ins Gefängnis.
                Springerstiefel sind ein «gefährliches Werkzeug»
   
  Schwyz, 5. April 2006
  Das Bezirksamt Schwyz stellt das Verfahren gegen jene 13 identifzierenten Rechtsextremisten ein, die am 1. August vergangenen Jahres - zusammen mit rund sechshundert weiteren Personen - durch Brunnen marschierten. Die Untersuchungsrichterin begründet die Einstellung unter anderem mit der mündlich von Polizei und anwesendem Regierungsrat abgegebenen Bewilligung in loser Formation zum Bahnhof zu laufen. Die Rechtsextremisten waren dann - hinter einem PNOS-Transparent - demonstrierend und skandierend zum Bahnhof gelaufen. Im Vorfeld des Nationalfeiertages hatte der Schwyzer Regierungsrat wiederholt behauptet, er werde keine Kundgebung zulassen.