Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz April 2005
   
 
  Zürich, 27. April 2005
  Die NZZ berichtet über die Memoiren des kanadischen Publizisten Peter C. Newmann, der mit seinen jüdischen Eltern Anfang der 40er Jahre wegen den Nazis nach Kanada geflüchtet war und im Jahr 2002 in Zürich einen Zweitwohnsitz erworben hatte und als passionierter Segler Mitglied des Zürcher Yacht Club werden wollte. Doch dann lässt ihm der Clubvorstand mitteilen, dass dass man zwar sein Gastmitgliedschaft verlängere, doch die Wahl zu seiner Aufnahme auf einen späteren Termin verschieben werde. Grund der Veschiebung: Es gibt im Club einige ältere Mitglieder, die aus antisemitischen Motiven gegen die Aufnahme Newmann opponierten. Der Clubpräsident widerspricht zwar gegenüber der NZZ Newmanns Darstellung, doch mehrere Clubmitglieder bestätigen die Darstellung des kanadischen Publizisten. Die NZZ schreibt weiter: «Allerdings schient zumindest eine Tradition von antijüdischen Ausgrenzungen des Klubs in unserer Stadt nicht ganz unbekannt zu sein. Ein erfahrener Rechtsanwalt meint zu diesem Thema, eher komme ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Jude in der Zürcher Yacht Club».
   
  Genf, 17. April 2005
  In der Nacht besprayen Unbekannte die grosse Genfer Synagoge mit Hakenkreuzen und antisemitischen Sprüchen. Die Schmierereien huldigen - wenige Tage vor dessen Geburtstag - Adolf Hitler und finden sich an allen Wänden des Gebäudes und an einer Stele.
   
  Sils im Domleschg GR, 16. April 2005
  Eine «Punk- und Grungenight» in der Turnhalle wird am späten Abend von einer Gruppe Rechtsextremisten angegriffen. Die Angreifer schlagen auf diverse KonzertbesucherInnen ein und verletzen mehrere. Die Attacke dauert nur kurz. Als die Polizei eintrifft sind die Rechtsextremisten bereits verschwunden.
   
  Küssnacht am Rigi SZ, 15. April 2005
  Gegen zehn Uhr abends bewerfen Unbekannte einen abseits stehenden Wohnwagen von Fahrenden mit Steinen und verursachen einen grössen Schaden von rund 18'000 Franken. Im Wohnwagen befinden sich zum Tatzeitpunkt zwei Erwachsene und vier Kinder. Laut Augenzeugen entfernte sich ein Wagen in schneller Fahrt vom Tatort.
   
  Luzern, 8. April 2005
  Wie in den vergangenen Jahren präsentieren sich an der Waffensammlerbörse Händler von Nazi-Devotionalien. Wie in den vergangenen Jahren ist der Messeveranstalter Marco Biland nicht gewillt, das Ausstellungsreglement durchzusetzen. Der «Tages-Anzeiger» schreibt: «... Bernhard Stucki, Notar aus Moutier. (...) Journalisten schaut er kritisch an, von oben herab über die goldenen Ränder seiner Brille. 'Was ich verkaufe, gehört der Geschichte', sagt er. 'Und die Skinheads haben gar nicht genug Geld, um meine Stücke zu kaufen.' Gerade schiebt eine Glatze drei Hunderter zu ihm rüber, für ein paar vergilbte Hefte aus der Nazi-Zeit».
   
  Liestal, 7. April 2005
  Der Landrat lehnt mit 46 Nein zu 34 Ja das Einbürgerungsgesuch einer 22jährigen Frau türkischer Staatsangehörigkeit ab, währdem sie Vater und Bruder den Schweizer Pass zuspricht. VertreterInnen der FDP, SVP, SD und CVP (mehrheitlich) bemängeln die fehlende Integration der Muslimin, unter anderem weil sie sich traditionell mit dem Kopftuch kleidet.
   
  Basel, Anfang April 2005
  Nach einer Konzeptänderung bei der Betreuung von AsylbewerberInnen opponieren AnwohnerInnen gegen neue BewohnerInnen in der von Asyl Suchenden Familien bewohnten Liegenschaften in der Horburgstrasse. In einer Petition verlangen sie vom Grossen Rat, dass dieser «seine Verantwortung für die Bevölkerung» wahrnehme, und dass «dieses offene Wohnheim für schwere Fälle nicht entsteht, bzw. wieder aufgehoben wird». Denn «diese Art Klientel» müsse «bis zu ihrer Ausschaffung zum Schutz der Gesellschaft von dieser fern gehalten werden», am besten im früheren Gefängnis Schällemätteli. Aktivist des Anwohnerkomitees ist Abdul R. Furrer, einst Mitglied und Parlamentarier der SVP und auch der Schweizer Demokraten.
   
  Oberriet SG, 1. April 2005
  Die Bürgerversammlung lehnt fünf von zehn Einbürgerungsgesuchen ab. Vor den Abstimmungen hatte ein Versammlungsteilnehmer bemängelt, warum im Amtsbericht die Religion der Gesuchsteller nicht aufgeführt sei. Das «St.Galler Tagblatt» berichtet: «Keine Chancen hatten drei junge, muslimische Frauen aus Mazedonien. (...) Ebenfalls abgelehnt wurde der Antrag einer vierköpfigen Familie aus Bosnien-Herzegowina (Religion: muslimisch) sowie jener Familie mit christlich-orthodoxem Glauben». Immerhin: Eine muslimische Familie wurde eingebürgert, nachdem «ein ehemaliger Lehrer eines Sohnes für die Familie gesprochen» hatte.