Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz Juni 2003

   
 
 

Emmen LU, 29. Juni 2003
An der Urne lehnen die Mehrheit der Stimmenden sechs von elf Einbürgerungsgesuchen ab. Alle abgelehnten Gesuche stammen von EinwohnerInnen aus Staaten des ehemaligen Jugoslawien. Eingebürgert werden Einbürgerungswillige aus Portugal, Sri Lanka, der Türkei und Thailand.

   
  Yverdon VD, 28. Juni 2003
Skinheads marschieren durch Yverdon und halten vor dem Bahnhof eine kurze Demonstration für ihren "Kameraden Michaël", der vor rund drei Wochen an diesem Ort nach einem Raubdiebstahl im Zug bei einer Auseinandersetzung mit den Dieben durch einen Messerstich tödlich verletzt wurde. Gemäss Polizeiangaben sind es rund hundert, gemäss einem Comminiqué von "Avant Garde Suisse" rund 150 TeilnehmerInnen, davon seien rund fünfzig Mitglieder und Sympathisanten von "Avant Garde Suisse" gewesen. Ein führender Westschweizer Blood-and-Honour-Skinhead, der auch zu den Hauptorganisatoren der unbewilligten, jedoch polizeilich tolierierten Kundgebung gehörte, hält eine kurze Rede.
             - Jugendgewalt in den Medien
   
  Sempach LU, 28. Juni 2003
Am offiziellen Festzug anlässlich der Schlachtfeier marschiert auch eine Gruppe von rund fünfzig RechtsextremistInnen mit. Aufgerufen zur Teilnahme hatte die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS). Unter den TeilnehmerInnen sind auch einige Mitglieder der Nationalen Offensive.
   
  Münchwilen TG, 17. Juni 2003
Erwin Kessler, Präsident und Lohnabhängiger des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) klagt unter anderem gegen die Behauptung, er verbreite ein "Zerrbild des Talmud". Nach dem Votum des Gegenanwalts muss sich das Bezirksgericht mit der Frage beschäftigen: Steht Kessler in der Tradition antisemitischer Talmud-Verfälscher?
             - Von Rohling zu Kessler
   
  Hessenreuti TG, 14. Juni 2003
Rund 140 Rechtsextremisten treffen sich zum "Sommerfest", organisiert vom "Patriotischen Ostflügel" (POF). Bereits in früheren Jahren veranstaltete die POF jeweils ein Sommerfest.
   
  Schwäbisch-Hall/Deutschland, 14. Juni 2003
An einer Kundgebung gegen die Wehrmachts-Ausstellung tritt der Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub als Redner auftreten. Nach Angriffen auf GegendemonstrantInnen untersagt die Polizei den Demonstrationszug. Schaub hält seine Rede beim Besammlungsplatz. In einem Comminiqué schreiben die VeranstalterInnen: "Die Versammlung gipfelte abschließend noch in einer stationären Kundgebung am Hauptbahnhof. Dort hielt dert Schweizer Nationalist Bernhard Schaub eine ergreifende, kämperische Rede, in der er die Ehre unserer Großväter verteidigte und gegen die Zustände rund um die geplante Wehrmachtsdemo Stellung bezog."
Schaub tritt regelmässig in Deutschland auf, auch am Vortrag, (13. Juni 2003) referierte er beim Politischen Gesprächskreis der NPD-Ulm/Neu Ulm.
   
  Frauenfeld TG, 4. Juni 2003
Die Kantonspolizei meldet, dass sie sieben junge Männer zwischen 18 und 23 Jahren verhaftet habe, die Ende April zwei Jugendliche niedergeschlagen und schwer verletzt hatten. Die beiden Opfer waren nach einem einen Ska-Konzert im Kulturzentrum "Eisenwerk" auf dem Weg zum Bahnhof, ein 17jähriger erleidet unter anderem einen Gedächtnisverlust, ein 15jähriger fällt später für mehrere Tage ins Koma und ist auch noch Wochen später halbseitig gelähmt. Ein Teil der Verhafteten, so die Kantonspolizei, sei geständig, und die Opfer "zufällig" ausgewählt worden. Zufällig? Die Opfer entsprachen dem rechtsextremistischen Feindbild.
   
  Nachtrag, 7. Juni 2003
Der "Blick" meldet, dass mehrere der Verhafteten der Gruppe "Weinländer Sturm" angehören. Zu dieser Gruppe habe auch jener 19-jährige gehört, der sich in der Untersuchungshaft das Leben nahm.
   
  Freiburg, 4. Juni 2003
Das Kantonsgericht bestätigt die Verurteilung von zwei Holocaust-Leugnern wegen der Verbreitung zweier einschlägiger Broschüren. Das Gericht reduziert jedoch die Strafe gegen René-Louis Berclaz, einst Sekretär der inzwischen verbotenen, aber weiterhin aktiven Vereinigung "Vérité et Justice" um zwei Monate auf sechs Monate Gefängnis unbedingt. Der Mitangeklagte Philippe Brennenstuhl erhält drei Monate, ebenfalls unbedingt. Er äusserte während der Verhandlung antisemitische Tiraden.