Meldungen zu Rechtsextremismus
und Rassismus in der Schweiz September 2002

   
 
 


Affoltern am Albis, 21. September 2002
Skinheads mobilisieren gegen eine Kundgebung einer bis anhin unbekannten Gruppierung namens "Mensch Meier", die gegen das "Hammerfest" von Anfang August 2002 und die Präsenz von Skinheads in der Region, insbesondere auch deren Stammlokal demonstrieren wollen. In einem ersten Aufruf, veröffentlicht auf der Internet-Site des Nationalkorps Limmattal, drohen die Skins: "Antifa zerschlagen am 21. Sept. 2002. Wo die Linke demonstriert entsteht IMMER Sachschaden, darum kommen wir wieder nach Affoltern a. A. Grösser kann der Sachschaden durch uns nicht werden, höchstens die Zahl der verletzten Antifas ...". Die unbewilligte Kundgebung verläuft friedlich, die Polizei hindert die DemonstrantInnen am Vorstossen zum Skin-Stammlokal. Die SonntagsZeitung erwähnt die Aussage eines Polizeisprechers, wonach sich die Polizei mit den Neonazis darauf geeignet habe, "dass diese nicht angreifen würden, wenn die Linken vom Arche-Pub fern gehalten würden." Nach der Kungebung kommt es im Nachbardorf Hedingen zu Auseinandersetzungen von DemonstrantInnen mit der Polizei und den Naziskins, welche den abreisenden linken Gegnern gefolgt waren. Naziskins patrouillieren - mit Baseballschlägern bewaffnet - durch das Dorf. Die Polizei nimmt rund fünfzig Personen fest, gemäss Augenzeugen vorab linke DemonstrantInnen.

   
  Langenthal BE, 21. September 2002
Rund dreissig Skinheads randalieren nach Mitternacht im Dorfzentrum. Zuerst greifen sie das Kulturzentrum "LaKuZ" an, "LaKuZ"-BesucherInnen stellen sich ihnen entgegen, trotzdem verursachen die Angreifer erheblichen Sachschaden. Gegen halb vier Uhr greifen mehrere Skins in der Nähe des Spitals eine Gruppe von türkischen Staatsangehörigen an und beschädigen das Auto einer Spitalangestellten. Das "LaKuZ" ist seit der Eröffnung im April 2001 bereits rund ein Dutzend Mal von Skinheads angegriffen worden. Gegenüber der SonntagsZeitung erklärt ein Langenthaler Gemeinderat: "Ich erwarte, dass Polizei und Justiz etwas unternehmen."
Die "Mittelland-Zeitung" schreibt in einem Kommentar: "Provokationen und Sticheleien kommen häufig vor und dies ohne Zweifel auf beiden Seiten. Was sich aber die Horde Neonazis geleistet hat, muss man als Feldzug gegen Anstand, Freiheit und Toleranz bezeichnen. Angesichts der Zahl der Rechtsextremen und der offensichtlichen Planung ihrer Angriffe kann man sogar von bandenmässiger Kriminalität sprechen. Daraus folgt, dass die Vorkommnisse sorgfältig untersucht und anschliessend die Schuldigen mit aller Härte bestraft verurteilt und bestraft werden müssen. Gift für diese Bemühungen wäre eine versteckte Sympathie für die braune Schlägertruppe in einem kleinen Teil der Bevölkerung, wie sie hin und wieder spürbar wird."
   
  Basel, 19. September 2002
Die WochenZeitung berichtet: "Einst sass er als neonazistischer Parlamentarier für die Nationale Aktion und später für seine "Volks-Aktion gegen zuviele Ausländer und Asylanten" im baselstädtischen Grossen Rat, später beantragte er vergeblich "politisches Asyl" in der Bundesrepublik Deutschland, nun will der 38jährige Eric Weber im kommenden Jahr in den Nationalrat einziehen, nämlich für die im Herbst 2000 gegründete Partei National Orientierter Schweizer (PNOS). In einer auf der PNOS-Homepage verbreiteten Erklärung lobt Weber ("Die Schweiz den Schweizern, Ausländer raus") zuerst die Kleinpartei, die "von Tag zu Tag stärker" werde. Dann begründet er seinen Entschluss: Er sei für eine Kandidatur angefragt worden. Nun werde er auf dem "Listenplatz Nr. 2, hinter Präsident Sacha Kunz" kandidieren. Auch an den nächsten Basler Grossrats-Wahlen will Weber übrigens teilnehmen. Er stehe, so behauptet Weber, "in Verhandlung mit weiteren Grossräten, die auch zur PNOS kommen werden." Auch sonst ist Weber, der sich immer wieder gern als Journalist versucht, aktiv. Er hat gerade in der letzten Nummer des rechtsextremistischen Theorieblattes "Nation & Europa" ein Interview mit dem Hamburger Innensenator Roland Schill veröffentlicht, was letzteren zu umständlichen Distanzierungen zwang."
   
  Rapperswil SG, 14. September 2002
Nach dem Hockeymatch Rapperswil-Lugano greifen Eishockey-Fans dunkelhäutige und ausländische Personen an. Dies teilt die Kantonspolizei St. Gallen mit. Die Polizei nimmt mehrere Personen vorläufig fest.
   
  Basel, 2. September 2002
In seinem elektronischen Rundbrief kündigt der PNOS-Aktivist Fabain Messerli an, dass als Sprecher der NPD-Demonstration vom 14. September 2002 in Freiburg/Breisgau auch ein Sprecher der PNOS "geladen" sei.
Nachtrag: Nach der NPD-Kundgebung berichtet die "Basler Zeitung" über eine grosse Gegendemonstration und schreibt weiter:: "So konnten die Rechtsextremen lediglich ihre Kundgebung vor dem Bahnhofsgebäude halten - einige davon barfuss oder auf Socken. Sie mussten aufgrund eines von der Stadt verhängten Verbots ihre Springerstiefel ausziehen. Auch von den angekündigten drei Redners sprach nur der NPD-Landesvorsitzende. Gegen einen weiteren war bereits im Vorfeld Redeverbot erteilt worden und dem aus der Schweiz angereisten Redner wurde das Verbot erteilt, sich in Deutschland politisch zu betätigen. Um 15 Uhr geleitete der Bundesgrenzschutz die NPD-Demonstranten zu einem bereitgestellten Nahverkehrszug, der sie wieder aus der Stadt brachte. An den Abschiedsgruss der Rechtsextremen "Wir kommen wieder!" glaubt in Freiburg niemand."
Im Forum einer deutschen Rechtsexremisten-Site äussert sich - unter einem Pseudonym - auch PNOS-Aktivist Fabian Messerli: "Ich war dort. 107 NPD Anhänger und Sympathisanten. 13'000-15'000 Gegendemonstranten. Wir wollten marschieren, die Zecken machten aber den Weg nicht frei. So blieb es bei einer Kundgebung."
   
  "SonntagsZeitung, 1. September 2002
Die SonntagsZeitung macht bekannt, dass Thomas G. Mitbetreiber des rechtsextremistischen Musiklabels Wehrwolf Records, zur Zeit in Unteroffiziers-Schule steckt. Die Recherchen der SonntagsZeitung veranlassen die Militärbehörden, eine Untersuchung einzuleiten.